Freitag, 20. November 2009

Natto - kleb und mief

Da in der letzten Zeit nicht viel passiert ist, schreibe ich dieses Mal einen kleinen Beitrag über ein etwas außergewöhnlicheres Nahrungsmittel aus Japan. Es nennt sich Natto. Von diesem Zeug habe ich auch schon eine menge Gerüchte gehört und ich wurde auch schon das ein oder andere Mal von einem Japaner gefragt, ob ich es schon einmal gegessen habe.
Es wird viel über dieses Nahrungsmittel, bestehend aus fermentierten (euphemistisch für: vergammelte) Sojabohnen, erzählt. Es ist typisch japanisch, es stinkt bestialisch und es soll recht wenige nicht-Japaner geben, die es essen und denen es schmeckt.
Und auch im Lande selbst sind die Geschmäcker buchstäblich gespalten. Die meisten Nattoesser gibt es im Großraum Tokyo, während jemand im Westen des Landes kaum das Zeug in den Mund nimmt.

Nachdem ich einmal beim Frühstück schon zwei kleine Nattoböhnchen von einem Japaner aus dem Wohnheim (Kazu; ein Philosophiestudent) probieren durfte, hatte ich mir nun auch im 99 Yen Shop meines Vertrauens drei kleine Päckchen im Bund besorgt. Übrigens hat der ältere Angestellte im Landen etwas verdutzt geschaut, als ich ihn gefragt habe, wo denn das Natto liege. Über den Grund kann man spekulieren. Vielleicht, weil ein Ausländer danach gefragt hat?
Jedenfalls habe ich mir eines Abends eines der drei Päckchen mit hinunter in den Aufenthaltsraum mitgenommen und nach einer Portion Reis mit gebratenem Speck und Ei als Nachspeise geöffnet.

Nachdem ich die geruchshemmende Folie abgezogen hatte, schauten mich mehrere hellbräunliche Bohnen an. Wie damals von Kazu abgeschaut, habe ich die beigelegte Sojasoße und den Senf hinzugegeben und mit den Stäbchen (energisch) verrührt.

Nun denn. Die erste Eigenschaft von Natto, welche wahrscheinlich die meisten Leute daran hindert es zu essen, scheint ja sein Geruch (oder besser Gestank) zu sein. Die Bohnen sind ja bereits vergoren und duften nicht gerade nach Rosen. Da ich aber diesen Geruch aus irgendwelchen Gründen nicht wahrnehmen kann, war mir diese Hürde schonmal genommen.
Die zweite Tatsache ist das äußere Erscheinungsbild, was für die vergammelten Hülsenfrüchte auch recht typisch ist. Beim Umrühren verflüssigt sich der Belag auf den Bohnen und zieht Fäden. Auch beim Aufnehmen von einigen Bohnen, ziehen sie weiße dünne Schleimfäden.
Etwas unappetitlicher formuliert: Als hätte jemand seinen unglaublich zähen „Frosch im Hals“ in die Schale gespuckt. Damit nun die ganze Sache etwas anschaulicher wird, habe ich mal ein kleines Bild bei Wikipedia gefunden und eingefügt.



Der Geschmack von Natto war für mich recht neuartig. „Etwas nussig“ war mein allererster Eindruck von den Bohnen. Aber mit der Soße und dem Senf haben sie etwas besser geschmeckt. Die Bohnen lassen sich meines Erachtens wie rohe Erbsen zerkauen. Nur sind sie etwas kleiner. Die Möglichkeiten andere Dinge mit dem Natto zu kombinieren sind scheinbar grenzenlos. Aber ich hab es für mein erstes Mal einfach aus der Schale gegessen. Jedenfalls habe ich eine weitere Abwechslung für meinen Speiseplan entdeckt. Und Gesund ist es allemal.

Meine zweite Dosis Natto hatte ich mir am Folgetag in Gegenwart von Kazu gegönnt. Dieses Mal auf Reis mit rohem Ei. Er hat mich sofort gefragt, ob es meine erste richtige Portion sei, die ich da vor ihm esse. Als ich geantwortet habe, dass es schon mein zweites Mal sei und es mir recht gut schmeckt, war er vollkommen verblüfft. „Echt jetzt?!“, sagte er nur. Seine Reaktion war aber auch verständlich. Scheinbar trifft ein Japaner in seinem Leben nur selten Ausländer, die sich nicht von den vergammelten Bohnen abschrecken lassen.
Der umgekehrte Fall existiert übrigens auch. Milchreis scheint für Japaner genauso "interessant" zu schmecken, wie Natto für die Ausländer. Die Erklärung ist einfach. Zwar isst man in Japan zu jeder Tagesmahlzeit Reis, aber immer nur mit herzhaften Beilagen. Das heißt, dass gekochter Reis mit süßen Dingen unkombinierbar erscheint (als würde man Honig auf die Pommes geben). Natürlich gibt es in beiden Fällen auch wieder ein paar Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel.


Da sich scheinbar viele Leute über klebriges Stinkenatto äußern, kann man sich bei den üblichen Adressen wie Wikipedia, Youtube oder Google die Extraportion Infos holen. Hier beispielsweise eine Anleitung zum Essen dieses klebrigen Zeugs aus Youtube.



Wie auch schon am Ende des Videos erwähnt: Nach dem Essen - Zähne putzen nicht vergessen! Denn man erkennt sonst sofort, wer Natto gegessen hat. Beispielsweise einige Japaner in den überfüllten Bahnen... Würg.


Soweit von mir.


P.S.: Ich habe in meinem letzten Beitrag erwähnt, dass ich mir diese grünen Sojabohnen (Edamame) besorgen wollte. Dummerweise haben die Dinger nur im Sommer ihre Saison und sind nun nirgendwo zu finden. Daher muss ich mich also wahrscheinlich noch ne Weile gedulden. Aber zurzeit hat die Kakifrucht ihre Saison. Mal sehen, wie die schmeckt.




Kommentare:

  1. Haha, du schreibst das lustig! Aber echt...du kannst das NICHT riechen? O_o

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  2. ich kann den gestank von Natto 3 Meilen gegen den Wind riechen *_*;;; Wie machst du das nur das du das nicht riechst????

    ich hab aber gut gelacht bei dem eintrag XD

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  3. Du probierstauch alles, was?? xD

    Ach so, Milchreis, ja... hast du schn eien kennengelernt, der den süßen Reis mag? xD

    Übrigens ist meine Mum eine begeisterte leserin deines Blogs! Mach brav weiter so, ich bekomme immer alles brühwarm erzählt mit dem Befehl: Les es gefälligst, Erik schreibt so gut!
    Also mal ein Lob von anderer Seite ^^

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  4. Ich hab mir tiefgekühltes Natto zum Probieren bestellt. Lasse ich das nur auftauen und esse es dann kalt oder wird das in Topf oder Mikrowelle noch warmgemacht??

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  5. Für mich riecht Natto nach Karamel^^

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