Freitag, 26. Februar 2010

Ueno und Ikebukuro - Kultur und Sunshine

Eigentlich sollte dieser Eintrag eine Zusammenfassung der Woche sein, aber da bis auf einen Tag nichts weiter Berichtenswertes passiert ist, bleibt es nur beim Montag dem 22. Februar.

An diesem Tag packte mich das Bedürfnis nach Kultur und ich entschied mich eines der vielen Museen im Ueno-Park zu besuchen. Dazumal ich auch mit meinem Studentenausweis der Sophia angeblich kostenlos die Museen dort besuchen kann. Damit ich nicht allein bin, kam Nami sogar spontanerweise mit. Da wir auch schon vor einem Jahr in dieser Umgebung waren, haben wir quasi einige der alten Stationen noch einmal besucht.

Zuerst ging es wieder in die Ameyoko. Dort wollten wir das günstige Lokal aufsuchen, in dem wir damals recht leckeres Futter für günstiges Geld ergattern konnten. Leider konnten wir es nicht mehr finden, und haben uns mit Reisbällchen aus dem Convenience-Store begnügt.

In der Ameyoko kann man billig viel Essen (vor allem Meeresfrüchte) ergattern. Dazwischen gibt es Unmengen an Läden, bei denen man eine gewisse Flohmarktatmosphäre verspürt.

Mit unseren Snacks ausgerüstet ging es nun auf zum Ueno Onshi-Park. Dort besuchten wir zunächst den Benzaiten-Schrein, welcher auf einer Insel direkt im größten See des Parks - dem Shinobazunoike - liegt. Dummerweise habe ich erst im Nachhinein bemerkt, dass man auch mal eine Bild direkt vom Schrein hätte schießen können.

Das Schreingelände war voller Gedenksteine, welche sich aber aufgrund alter und schwer entzifferbarer Kajischrift nicht lesen lassen wollte. Am See gab es eine Menge an Federvieh, welches von einigen Passanten gefüttert wurde.

Auf dem Weg zum Museum machten wir noch kurz davor einen Abstecher zum Toushogu-Schrein, welcher laut Reiseführer voller Sehenswürdigkeiten sein soll.

Das ist der Toushoku-Schrein. Naja... Eher nur ein Bild von ihm, denn der Schrein wurde zur Zeit saniert und daher mit bedruckten Planen verhangen. Zumindest aus der Entfernung konnte man den Schwindel kaum ausmachen.
Vom gerade sanierten Schrein aus liefen wir an einem kleinen Kinderpark vorbei, welcher aber gerade nicht in Betrieb war, und daher eher gruselig als amüsant wirkte. In dessen Näher haben wir auf einem Kinderspielplatz unsere Vorräte verputzt, während wir von hungrigen Tauben belästigt wurden.

Gut gesättigt wollten wir nun eigentlich das tokyoter Nationalmuseum besuchen. Leider machte uns der Montag einen Strich durch die Rechnung, denn an diesem Tag haben alle Museen in der Umgebung (und auch der Zoo) ihren Ruhetag. Auch das Nationalmuseum für Naturwissenschaft hatte dementsprechend geschlossen. Nur der Wal auf dem Außengelände war zu sehen.

Leider waren alle Mussen geschlossen. Aber das hieß nun nicht, dass wir die Hoffnung aufgegeben haben. Man kommt halt später wieder. So eine Walfigur in Originalgröße hat übrigens schon was imposantes.

Vom bisherigen Tag etwas unzufrieden entschieden wir nach einigem Überlegen, noch einen kleinen Abstecher nach Ikebukuro zu machen um das Sunshine-City zu besuchen. Das ist eine mehrstöckige Einkaufsmeile mit einem Aquarium und Planetarium auf dem Dach.
Wir schlenderten durch die Geschäfte und stiegen bis hinauf auf das Dach. Oben angekommen haben wir die Preise für das Aquarium (1800 Yen) und Planetarium (900 Yen) gecheckt. Auch hier entschieden wir uns später und mit einer größeren Personenzahl einen erneuten Besuch zu unternehmen.

Als die Füße langsam schwerer wurden, entschieden wir uns wieder nach Hause zu fahren.

Zum Schluss noch einige Zeilen über die derzeitigen Wetterverhältnisse in der Umgebung.

Am 26. Februar (Do.) unternahm ich eine kleine Radtour zum LaLaGarden um einige Einkäufe zu erledigen. Beim Radeln wurde mir ganz schön warm, denn ich musste mich bei schwül-milden 22°C bewegen. Kurzzeitig kamen auch Erinnerungen an milde Spätsommertage auf, an denen man noch die letze Wärme des ausgehenden Sommers spürt.
Aber das ausgerechnet im Winter!?!

Als ich am 27. Februar (Fr.) meine Wocheneinkäufe erledigen wollte, musste ich das im schwachen Regen erledigen. Aber der Regen verschaffte keine Abkühlung, und der böige Wind fühlte sich sogar recht warm im Gesicht an.

Ich weiß nicht, was mich im Sommer erwarten soll, wenn sich der Frühling schon so früh anmeldet. Letztes Jahr bibberten wir noch zu dieser Zeit.

Bald kommt also der Frühling, was auch Schildkröte zu fühlen scheint. Denn im Vergleich zu den vergangenen Tagen ist sie nun viel aktiver und futtert auch mehr. Sie fängt sogar direkt mit dem Fressen an, wenn ich ihr das Futter gebe. Normalerweise hat sie gewartet, bis ich mal nicht im Zimmer war.

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Im Vergleich zu den letzten Tagen frisst sie nun fast doppelt so viel. Sie schnappt sofort nach den kleinen Ringen und knackt sie mit Genuss.


Soweit von mir.



Freitag, 19. Februar 2010

Lost in Translation und Singing in Shinjuku

Dem 17. Februar (Mi.) habe ich der Übersetzungsarbeit gewidmet.
Ich hatte nämlich 50 deutsche Sätze für einen Fragebogen über Zeitempfinden und Zeitmanagement japanischer Studenten erstellt, welche möglichst sinngemäß ins Japanische übersetzt werden mussten. Zweck der Arbeit ist eine kleine Erhebung unter den Studenten der Sophia-Universität, welche ich nächstes Semester durchzuführen gedenke.
Ich habe mich also am Abend mit Kazu getroffen, welcher mir dabei geholfen hatte die schon grob von mir übersetzten Phrasen zu überarbeiten. Da er auch relativ gut Deutsch verstand, konnte er auch die ursprünglichen Sätze mit verwenden.
Doch trotz dieser Vorteile, brauchten wir knapp drei Stunden, in denen wir fast alle Sätze eher direkt als sinngemäß entziffert haben. Nach einer kleinen Pause ließ ich Masako probehalber über die Zeilen fliegen, welche gleich den größten Makel der direkten Übersetzung entdeckt hat: Kaum ein Japaner würde die Sätze verstehen oder nachvollziehen können, denn für viele Redewendungen oder Ausdrücke gibt es im Japanischen halt keine Entsprechungen. Ich werde aber noch weitere Probeleser aufsuchen, damit der Fragebogen noch etwas "narrensicherer" wird.

Am Vormittag des 18. Februars (Do.) habe ich Schildkrötes Tank mal wieder gesäubert. Als sie so im Zimmer herumgewuselt ist, habe ich spontan ein kleines Video gedreht.

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Nahaufnahme. Das Knarzen kommt übrigens durch die automatische Fokus-Einstellung der Kamera und nicht von Schildkröte. An sich ist sie eher ein ruhiger Zeitgenosse.

Nachmittag habe ich mich zusammen mit Nami nach Shinjuku aufgemacht, wo wir uns dann zusammen mit Shu getroffen haben. Das Dreiergespann ging nach einem kleinen Abendbrot für drei tolle Stunden ins Karaoke nahe der Kabuki-cho, wo wir unsere neuesten japanischen Lieder ausprobieren konnten.

Bunte Bilder im Neonlicht sind meistens im Karaoke-kan zu finden. Das Licht lässt auch alles andere, wie Namis Tuch oder mein T-Shirt, weiß aufleuchten.

Anschließend wurden noch Purikura geknipst und UFO-Picker (Kuscheltier-Greifarm-Automaten) ausprobiert. Danach hieß es wieder Abschied nehmen und nach Hause fahren.

Die Meute des Tages im Purikura-Format.


Soweit von mir.


Montag, 15. Februar 2010

Valentinstag auf japanisch

Am 14. Februar (So.) war auch in Japan der Tag der Liebe und der Verliebten. Doch anders als in anderen Gefilden der Erde, wird der Valentinstag in Japan etwas anders praktiziert.
Eingeführt wurde dieser Tag von diversen japanischen Schokoladen- und Süßwarenherstellern, welche einfach etwas mehr Geld durch den Verkauf ihrer Waren bekommen wollten. So importierten sie die Idee des Valentinstages aus dem Ausland, welche auch Verbreitung im Lande fand. Da der Tag von Süßwarenherstellern initiiert wurde, verschenkt man nun "traditionellerweise" Schokolade.

Das ist das Rohmaterial (Quelle: Wikipedia).

Weiterhin gibt es die japanische Eigenart, dass am Valentinstag nur die Frauen und Mädels die Schokolade an die Männer und Buben verteilen. Allen anderen voran, wird das Naschzeug (natürlich selbst gemacht und bunt verziert) an die Geliebten und Verehrten geschenkt. Aber auch männliche Kollegen und Freunde dürfen sich über etwas (weniger geschmücktes) Schokofutter freuen, wenn sie ihren Kolleginnen bzw. Freundinnen gut gesonnen sind.

Schokoladenpralinen werden auch gerne verschenkt. Egal ob selbst gemachte oder gekauft (Quelle:Wikipedia).

Für beliebte Männer ist der Valentinstag ein Ereignis höchster Genüsse. Für viel schenkende Frauen hingegen steht am Vortag ein großer Berg an Arbeit an, denn die Pralinen müssen ja auch gegossen, und die Tafeln hübsch dekoriert und verpackt werden. Für die "do-it-yourself-Muffel" gibt es in den Kaufhäusern Regale voller Zuckerdekor und Schoko zum Selbstkaufen.

Schön verpackt. Die Aufwändigkeit der Verpackung hängt davon ab, ob der Beschenkte ein Geliebter oder nur ein Freund oder Kollege ist.

Aber Achtung! Die Beschenkten kommen nicht ungeschoren davon, denn einen Monat später stehen sie am White-Day in der Pflicht, allen Frauen, von denen sie etwas bekommen haben, auch wieder etwas zurück zu geben. In den meisten Fällen natürlich wieder Süßigkeiten, wie beispielsweise helle Schokolade. So müssen dann auch die beliebten Kerle kräftig in die Tasche greifen, wenn sie es sich nicht mit den Damen verscherzen wollen.

Und das will doch keiner, oder?


Samstag, 13. Februar 2010

Tanz und Gesang - Musical auf japanisch

Wie man am Titel schon erahnen könnte, ging es dieses Mal in ein Musical. Naja... Zumindest beinahe.

Am Abend des 12. Februars (Fr.) (tagsüber ist nichts weiter passiert) fragte mich Masako, ob ich nicht am nächsten Tag zu einem Musical mitkommen wollte. Es wurde auch etwas von Singen und Tanzen erwähnt, aber das ist ja bei solchen Veranstaltungen immer der Fall. Nach anfänglichem Hadern entschied ich mich doch, mich am Samstag dem 13. Februar mit Masako [Jp.], Gou [Jp.] und Nina [Am.] gegen 11:00 Uhr in der Lounge zu treffen und aufzubrechen. Später kamen noch vier weitere Freunde von Masako hinzu, von denen ich aber nur noch Maria [Dt.] und Akiko [Dt.] im Gedächtnis habe.
Wir fuhren also allesamt bis nach Asakawa und liefen noch eine kleine Weile im kalten Schneeregen, bis wir unser Ziel - eine Sporthalle - erreicht haben. Jedoch wurde mir schlagartig bewusst, dass wir kein Musical besuchten, sondern SELBER das Musical waren.
Eine Gruppe, welche sich "A Common Beat" nannte, veranstaltete nämlich einen Workshop, bei dem alle Beteiligten (ca. 60 Leute) ein kleines Lied sowie einen Tanz aus ihrem Musical einstudieren sollten. Wer Interesse bekommen sollte, konnte sich im Nachhinein als Mitglied für das Trainingslager einschreiben lassen. Aber das nur nebenbei. Masako wurde von einem Freund, welcher in der Gruppe mitspielt, eingeladen.

Ein Teil der Meute des Tages (v.l.n.r.): Nina [Am.], Maria [Dt.], Masako [Jp.] und Gou [Jp.] und Ich. Bis auf Maria wohnen alle zur Zeit im DK House.

Folgend noch eine kurze Erläuterungen über das Stück: Es handelt von vier Nationen (rot, gelb, grün, blau), welche untereinander in Streit geraten und sich am Ende wieder vertragen. Die Nationen haben alle unterschiedliche Tanzstile, welche sich "irgendwie" in asiatisch (gelb), amerikanisch (blau), afrikanisch (rot) und europäisch (grün) einteilen lassen. Schwer zu beschreiben, aber man konnte sie daran einigermaßen gut unterscheiden.

Nachdem nun die anfänglichen Begrüßungen und einleitenden Sätze (wer, wie, was ist "A Common Beat"?) gesprochen worden waren, ging es auch schon mit den Aufwärmübungen los.
Zur Auflockerung wurde eine Runde "Fangen" gespielt, bei dem sich rund 60 Leute in einem grob 10x10 Meter großem Feld herumhetzten. Danach begannen die Gesangsübungen, bei dem wir unsere Lippen flattern ließen. Hobby- und Profisängern müssten diese Übungen auch kennen.
Das Lied war an sich in typischer Musical-Manier: Im Chorus und mit viel Elan. Den Eifer versprühten größtenteils die Mitglieder des Musicals, welche sehr energisch und aufgeschlossen bei der Sache waren. Selbst Masako sagte am Ende auf dem Heimweg: "Das waren keine typischen Japaner! Die findet man hier nur selten." Ich für meinen Teil, musste jedenfalls noch nie so viele "High-Fives" an Japaner geben.
Wir übten und sangen alle einen gemeinsamen Part des Stücks, sowie einen jeweiligen Nationenpart (ich war Grün). Wir mussten uns auch dabei bewegen, was der ganzen Sache auch schon etwas Multitasking abverlangte.
Nach dem Singen kam das Tanzen. Da die grüne Nation irgendwie nichts damit zu tun hatte, emigrierte ich in die gelbe Nation über. Dort studierten wir in einer halben Stunde eine kleine Choreo ein, welche wir dann vor den anderen Gruppen aufführen mussten. Und das wieder mit Energie und lautem Rufen... "Surrrrryahhh"!

Nun denn...

Nach fünf Stunden war das ganze Spektakel auch schon wieder vorbei, und ich konnte einige neue Erfahrung im Bezug auf "how to make a musical" machen. Trotz der vielen Bitten seitens einiger Mitglieder über einen Beitritt meiner Wenigkeit, musste ich höflich ablehnen und machte mich mit den anderen wieder nach Hause. Dort konnte ich endlich gegen 18:00 Uhr mein "Mittagessen" genießen.

Eine kleine Statistik nebenbei: Es wurde ca. zwölf Mal angemerkt, dass ich sehr groß sei, und ich wurde knapp fünf mal nach meiner exakten Größe gefragt (192cm.). Da ich der Größte in der Halle gewesen bin, war ich auch irgendwie "der Nagel, der herausstand".

Am Abend habe ich übrigens noch Schildkröte beim Schlafen erwischt und fix ein Foto geknipst.

Isse nicht süß? Man erkennt gut das durchsichtige Augenlid.


Soweit von mir.


Mittwoch, 10. Februar 2010

Neue Gesichter und alte Bekannte

Es ist wieder einiges passiert im Staate Japan. Daher ziehe ich den neuesten Blogeintrag mal zwei Tage weiter vor, damit es nicht zuviel Text auf einmal wird.

Am Freitag (05. Feb.) war zwar mein Muskelkater (aufgrund der exzessiven Aktivitäten im "Round 1") noch immer nicht ganz weg, aber das hielt mich nicht davon ab mit Leon, Kei und Alex [Norw.] eine letzte Runde Fußball auf einem nahegelegenen Bolzplatz zu spielen. Kei verließ das Wohnheim nämlich an diesem Tag für einen ganzen Monat, um in Amerika seine Kumpels zu sehen. Auch Alex musste am kommenden Montag nach einem halben Jahr Studium in Japan wieder zurück nach Norwegen. Für jemanden aus dem hohen Norden Europas hatte er immer recht heiße Samba- und Reggae-Musik auf seinem MP3-Player, welche er auf der Stereoanlage in der Lounge abspielte. Nun muss ich wieder mit meiner Musik für Stimmung sorgen.
Kei überließ mir für den Zeitraum seiner Abwesenheit seine Schildkröte ohne Namen. Aber um die Sache zu vereinfachen wird sie nun folgend einfach nur "Schildkröte" genannt. Ich habe Futter und Anweisungen von Kei bekommen, mit denen ich das mittelkleine Reptil bis zu seiner Rückkehr hoffentlich munter halten kann.

Am Samstag (06. Feb.) wehte ein starker Wind bei eisigen Minusgraden. Am Vormittag habe ich mir vorgenommen mal das Wasser in Schildkrötes Becken auszuwechseln. Leon sagte kurzerhand zu auf den kleinen Panzer aufzupassen, während ich mit Wasserwechseln beschäftigt war. Da die Sonne schien, wurde sie zum aufwärmen auf das warme Fensterbrett gesetzt, wo sie auch für ein kleines Fotoshooting bereit lag.

Darf ich vorstellen? Schildkröte beim Sonnenbad. Sie ist ungefähr so groß wie eine Hand und trotz Panzergepäck relativ flink auf den Pfötchen. Wenn man ihr Wasser nach einer Weile nicht wechselt, stinkt es bestialisch. Ich konnte in der Nacht kaum deswegen schlafen. Leider kenne ich nicht ihre Rasse, da mehrere Arten solche Muster am Kopf haben, und sich nur in anderen Details unterscheiden. Das Geschlecht scheint jedenfalls weiblich zu sein, wobei weder Kai noch ich uns da 100% sicher sind.

Nachmittags ging es zum Mita-Campus der Keio-Universität. Dort war ich von Kaisei eingeladen worden, um an der Vorbereitung des Anfang März stattfindenden Deutsch-Gasshuku teilzunehmen. Shu habe ich dort auch wieder seit langer Zeit mal getroffen, welche mit ihrer Freundin Jessi ebenfalls an dem Gasshuku teilnehmen will. Als wir uns gegenseitig gesehen haben, fielen uns zuerst die längeren Haare auf. War echt schon ne Ewigkeit her. Neben Shu waren auch alte Gesichter wie Mio, Ryuichi und Kousuke dabei, welche auch an dem Gasshuku im letzten März teilnahmen.
Die Vorbereitungen bestanden im Wesentlichen aus einer kleinen Selbstvorstellung und dem Finden eines Themas für das Gasshuku. Nach zwei Stunden Denkarbeit wurde ein Thema gefunden, welches sich grob um typische Rollenmuster in Japan und Deutschland dreht. Es wurden die Begriffe "rashisa" ("Scheinbarkeit"?) und "posa" ("Typischkeit"?) verwendet, welche sich eigentlich so gar nicht richtig ins Deutsche übersetzen lassen können.
Danach ging es noch in ein Restaurant, um auf das neue Gasshuku anzustoßen und ein paar Kleinigkeiten zu essen. Es wurde viel Gelacht und die Gasshuku Veteranen haben die Erfahrungen ihrer letzten Gasshuku an die Neulinge weitergetragen. Es war ein netter Abend.

Das ist ein Teil der Meute dieses Tages. Leider habe ich vergessen die andere Seite des Tisches zu knipsen, an der noch einige andere Leute saßen. Darunter auch die beiden Organisatoren des kommenden Gasshukus: Kaisei Ezura-san und Shinichi Sambe-san.

Gegen 22:00 Uhr ging es wieder mit der Bahn nach Hause, wo Schildkröte auf mich wartete. Als ich angekommen war, lag sie mit geschlossenen Augen in ihrem kleinen Tank und schien unter Wasser zu schlafen.

Am 08. Februar (Mo.) hatte mir Schildkröte für einen kurzen Moment am Morgen Sorgen bereitet. Als ich nämlich aufgewacht war und nach ihr sah, lag sie noch immer in der selben Position unter Wasser da, wie ich sie am Abend des Vortags gesehen habe. War sie tot? Hoffentlich nicht, denn das wäre nicht nur für Kei eine große Enttäuschung, sondern auch für mich. Schließlich wäre mir schon nach zwei Tagen eine kerngesunde Schildkröte weggestorben. Mir kamen sofort Gedanken, ob ich sie richtig gefüttert habe (ja) oder ob sie in der Zugluft stand (nein). Doch während ich mir den Kopf zerbrach, machte Schildkröte ihre Augen auf und kratzte müde an der Beckenwand mit ihren kleinen Händchen. Glück gehabt... Die Sorgen waren unbegründet.

Der Rest des Tages wurde im Wohnheim verbracht.

Am Dienstag (09. Februar) wollte ich noch einmal mein Glück in Takadanobaba ausprobieren und den Musikladen aufsuchen. Im Vergleich zu meinem letzten Besuch war das Wetter nun um einiges besser, und ich entschloss mich die Umgebung etwas auszukundschaften.
Als ich direkt aus dem JR-Bahnhof in Takadanobaba herauskam sah ich in der Ferne eine bunt bemalte Wand am Straßenrand. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass die gesamte Mauer mit Anime- und Mangacharakteren, welche alle aus der Feder vom "Gott des Manga" Osamu Tezuka stammen, bemalt war. Takadanobaba soll nämlich der Ort sein, an dem Osamu Tezukas berühmteste Figur Astro Boy "geboren" worden sein soll. Daher findet man überall das Gesicht dieses kleinen Roboters. Astro Boy wurde sogar als Logo für einen Kindergarten benutzt (leider kein Foto, da ich nur mit dem Bus vorbeigefahren bin).

Das ist Osamu Tezukas Wand. Er galt als einer der ersten Zeichner, welcher Manga und Anime in Japan populär machte. Man kann auch eine Selbstdarstellung von ihm auf der Wand sehen, auf der er sein Markenzeichen, eine Barett-Kappe, trägt. Astro Boy ist die Figur mit den Raketenfüßen in der rechten, oberen Ecke, links neben dem großen, gelben Phönix. Draufklicken macht das Bild größer.

In direkter Nachbarschaft zu Takadanobaba war auch Japans Nummer 1 unter den privaten Hochschulen: die Waseda-Universität. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und wollte mir mal den Campus etwas anschauen. Da an diesem Tag aber die Aufnahmeprüfungen abgehalten wurden, war der Zugang zum Hauptcampus bis auf weiteres verwehrt gewesen. Das hat mich aber nicht weiter gestört, da ich mich sowieso lieber von jemand Ortskundigeren über das Gelände führen lassen möchte. Also hab ich nur ein paar Bilder der Umgebung und des Lageplans geknipst, und bin dann weitergegangen.

Links sieht man die Polizeistation an der mir bei meinem ersten Besuch in Takadanobaba ein netter Polizeibeamter den Weg erklärt hat. Direkt daneben ist ein Schrein, zu dem ich aber nichts genaues sagen kann, da ich ihn nicht betreten habe.


Unglücklicherweise war die Uni wegen Prüfungen bis zum 26. Februar geschlossen (steht auf dem Schild im rechten Bild). Geht man von der Kreuzung, an der das Polizeioffice steht, eine der Abzweigungen geradeaus weiter, so sieht man schon einen Uhrturm, welcher direkt neben der Uni steht. Man kann sie also kaum verfehlen.

Das ist der Lageplan der Waseda-Uni. Leider sind die Beschriftungen allesamt auf Japanisch, sodass man entweder diese Sprache gelernt haben sollte oder einen fachkundigen Dolmetscher an seiner Seite haben müsste, um ihn verstehen zu können. Für alle Auslandstudenten ist wahrscheinlich das Center für Austauschstudenten (Gebäude 22) recht wichtig. Auch hier einfach für eine größere Version des Bildes einfach draufklicken.

Nach meinem Spaziergang ging ich nun ein zweites Mal zu dem Musikladen für lateinamerikanische Musikinstrumente. Leider waren seltsamerweise die Rollläden schon wieder verschlossen gewesen, obwohl ich dieses Mal die Öffnungszeiten extra im Internet nachgeschaut habe, und der Laden eigentlich geöffnet haben sollte. Auch das Klopfen an diversen Türen im Erdgeschoss brachte keinen Erfolg. Daher ging ich ungekaufter Dinge wieder nach Hause.

Der Nachmittag verlief recht entspannt. Ich spielte noch ein letztes Mal "Space Hulk" mit Stefan, bevor er es nach Deutschland schickte. Es wurde auch noch eine fast schon routinemäßige Partie Tischtennis mit Leon gezockt, bevor ich mich ins Bett begeben habe.

Mittwochs (10. Feb.) habe ich mal Nami auf Schildkröte aufpassen lassen, während ich das Becken sauber gemacht habe. Beide haben sich auf Anhieb verstanden.
Für den Rest des grauen und verregneten Tages habe ich mir nichts weiter vorgenommen außer Blog schreiben und etwas herumgammeln.


Soweit mal wieder von mir.


Donnerstag, 4. Februar 2010

Ferien - Flocken im Blitzlicht

Nun ist die erste Woche der Ferien rum, deren ersten drei Tage (Fr., Sa., So.) großzügig ausgeschlafen wurde. Mein Frühstück wurde zeitweise zum Mittagessen und das Mittagessen zum Abendbrot. Abends konnte ich endlich wieder lange in der Lounge sitzen bleiben, Fernsehen schauen und mit den Japanern quasseln.

Am Sonntag (30. Jan.) spielte ich mit Stefan in der Lounge ein Tabeltop-Spiel namens "Space Hulk", welches er sich vor einer Weile besorgt hatte. An sich ist es ein Brettspiel mit weitaus komplexeren Regeln und mehr Spielfiguren. Man kann es sich auch als ein "Videospiel in Spielbrettformat" vorstellen, von dem wir zwei Runden gespielt haben. Insgesamt haben wir dafür drei Stunden gebraucht.

Am Montag (01. Feb.) habe ich mal wieder Lust gehabt, etwas früher (gegen 09:00 Uhr) aufzustehen. Aber als ich aus dem Fenster und in den mit Wolken verhangenen Himmel blickte, wollte ich mich am liebsten wieder "ins Nest" zurückbegeben. Aber da noch Einkäufe anstanden, musste ich den grauen Tag ertragen. Gegen zwei Uhr nachmittags fing es mit Regnen an und ich machte mich in die Lounge runter, wo ich die häkelnde Nami und Marlene fand. Sie planen die nächsten drei Tage durchzuhäkeln. Ein Häkelmarathon also... Liane kam auch mal kurz runter und machte sich ihr Mittagessen und erzählte mir von ihren Plänen für die nächste Zeit. Es war eine Kurzreise nach Sapporo in Hokkaido geplant. Dort findet das berühmte Schneefest statt.
Ich verzog mich in die Küche und machte Bratkartoffeln zum Mittag und eine riesige Menge an Milchreis, welche wahrscheinlich noch für die nächste Woche reichen wird.
Als es gegen Abend kälter wurde, geschah das Unfassbare: Es schneite in dicken, weißen Flocken, welche sogar liegen blieben. Da so etwas im Großraum Tokyo und in der Kanto-Ebene schon fast so selten wie ein Lottogewinn ist, haben auch die Japaner große Augen und einige Fotos gemacht. Für einen Bewohner aus Taiwan war es sogar der erste Schnee, welchen er jemals fallen gesehen hat.
Schnell wurden auch ein paar Schneebälle geworfen,und ein Schneemann (-monster) gebaut. Abend sah ich kurz Tina, welche am nächsten Tag für eine kurze Zeit nach Deutschland zurückfliegt. Ich seh' sie also erst wieder im März.



Sogar die Nachrichten berichteten live von dem seltenen Ereignis in Tokyo. An sich war dieser Winter einer der kältesten und schneelastigsten seit langer Zeit. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Gebieten der Welt.

So plötzlich wie die weiße Pracht kam, so schnell verschwand sie aber auch am Dienstag (02. Feb.) schon wieder. Bis auf ein paar Schneehaufen an den Staßenrändern blieb nur noch Nässe übrig. Naja... Wenigstens hat es nicht weiter geregnet und der Himmel hatte sich aufgeklärt.
Meteorologisch gesehen gibt es im Februar noch einmal eine letzte große Kälte bevor der Frühling und die Wärme kommen. In dieser Zeit findet auch das sogenannte "setsubun" (japanischer Frühlingsanfang) statt. Meist werden dann am 03./04. Februar traditionellerweise Bohnen geworfen (mamemaki), während man dabei "oni wa soto - fuku wa uchi" ("Teufel raus - Glück in's Haus") ruft. Man isst auch eine riesige, "eho-maki" genannte Sushirolle von grob 20cm Länge und 5cm Durchmesser, von der man garantiert satt wird.

Das sind die drei typischen Merkmale des Setsubun. Die gerösteten Sojabohnen werden geworfen, um die Teufel zu vertreiben. Oft muss jemand aus der Familie dafür herhalten und die Maske aufsetzten, damit man auch was zum Zielen hat. Die Bohnen schmecken fast schon wie Erdnüsse. Ebenfalls isst man diese großen Reisrollen, welche mit vielerlei Dingen gefüllt sind (Bild: Wikipedia).

Soviel zum Kulturteil.

Ich hatte mir an diesem Tag vorgenommen nach Ochanomizu zu fahren um mir dort ein Instrument zu kaufen. Am Tag zuvor hatte ich mich mit Kei [Am.] darüber unterhalten und herausgefunden, dass es sogar unerwartet günstig ist. Leider war es nicht mehr in Ochanomizu's bekanntester Instrumenten-Straße erhältlich, und ich ging daher nach einer kleinen Zwischenmahlzeit in der Sophia-Uni nach Takadanobaba (schweres Wort). Dort sollte es laut Kei einen Musikladen namens "Marmelada" geben, welcher auch das ominöse Instrument vertreiben soll. Aber als ich jedoch nach zwei Stunden strammen Fußmarsches und Gesprächen mit der örtlichen Polizei (netter Kerl) den Laden in einer kleinen Seitenstraße gefunden habe, war er schon leider gegen 16:00 Uhr geschlossen. So verschlossen, dass ich erst drei Mal daran vorbeirennen musste, um zu realisieren, dass die verschlossenen Rollläden wahrscheinlich doch keine Garagen abschlossen sondern den Laden. Etwas deprimiert ging es wieder nach Hause.
Was es übrigens für ein Instrument ist, wird noch nicht verraten. Erst, wenn ich es haben sollte.

Dieses unscheinbare Wohnhaus verbirgt den Laden. Man sieht nicht einmal, dass es dort überhaupt einen gibt. Nur die Rolläden lassen etwas vermuten. Es hätten ja auch Garagen sein können.

Am 03. Februar. (Mi.) ging es mit Leon, Kazu, Kei, Fox [Am.] und Gustavo [Bras.] zum "Round 1", dessen genaue Ortsbeschreibung mir leider entfallen ist. "Round 1" kann jedenfalls als eine Art "Freizeitsportzentrum" verstanden werden, in den man sich mit unterschiedlichsten Aktivitäten die Zeit vertreiben kann.
Darunter waren Sportarten wie Baseball, Basketball, Bogenschießen, Fußball, Golf, Tennis, Tischtennis, Rollschuh- und Inlinerfahren, Dart, Billard sowie Minibikes und noch einiges mehr zu finden. Daneben gab es auch noch extrem viele Spielautomaten, eine Karaokeecke und sogar einen Manga-Lesebereich mit Massagesesseln, um sich von dem ganzen anderen Kram auch wieder zu erholen.

Das war die Meute des Tages. Von vorn nach hinten: Kei, Fox (Spitzname), Gustavo, Kazu und Leon.


Das ist das "Round 1": Ein riesiges Gebäude, in dem man auf vier Etagen alles erdenkliche finden kann, um seine Zeit totzuschlagen und um sich auszupowern. Im Erdgeschoss gab es viele Münzautomaten, von denen wir eher etwas Abstand gehalten haben. In der Etage darüber gab es unmengen an Purikura-Automaten. In der dritten und vierten Etage waren dann die Sport- und Spielanlagen.



Sportschießen mit Erbsen und "Bowling", was wohl vielmehr Kegeln mit 10 Pins war.


Dart und Rodeo auf dem mechanischen Bullen.

Miniaturmotorräder, auf denen besonders Leon und ich wegen unserer Körpergröße arg zu kämpfen hatten. Im Rausch der Geschwindigkeit (5 km/h) fuhren wir ein atemberaubendes Rennen um Ruhm und Ehre, bei dem wir wahrscheinlich ein lustiges Bild abgegeben haben.


Auf. dem Dach gab es noch Baseball (auf dem dunklen Bild erwarte ich gerade den nächsten Ball) und auch Tennis-, sowie Volleyballplätze. Während wir spielten, fing es an zu schneinen.

Bogenschießen konnte man zwar auch. Aber leider sahen sowohl Bögen und Pfeile sehr mitgenommen aus.

Zuletzt probierten wir noch die Arcade-Automaten aus. Hier gerade Leon und Kazu in einem Flugsimulator zu sehen, dessen Sitze sich mit den Bewegungen des Kontrollknüppels bewegeten. Ich saß in einem Sci-Fi Rennspiel namens F-Zero AX mit den gleichen Effekten. Ich wurde jedoch aufgrund der sehr hektischen Streckenführung wie in einer Waschmaschine durchgeschüttelt.

Wir konnten zwar für die 1500Yen Eintritt so lange in diesem Spielparadies bleiben, wie wir wollten; mussten aber nach einem fünfstündigen Aufenthalt erschöpft aufgeben. Wir fuhren also wieder mit Bus und Bahn gen Wohnheim, wo ich dann noch meine drei Reisbällchen aus dem Conveni vertilgt habe und endlich die Füße hochlegen konnte.

Am Donnerstag (04. Feb.) habe ich meinen Blog geschrieben und meinen Muskelkater auskuriert.


Soweit von mir.


Übrigens: Vielen Dank für die Kommentare in meinem letzten Beitrag.