Freitag, 27. November 2009

Fühlt sich wie das Ende an...


...ist aber nur Halbzeit.

Etwas anders formuliert standen in dieser und der letzten Woche die Mid-Term-Examen an. Also Prüfungen, welche in der Hälfte des Unisemesters stattfinden und in denen der gesamte Unterrichtsstoff zusammengefasst wird, welchen wir bis zu dieser Zeit gehabt haben. Und demzufolge wiegen die Ergebnisse von diesen Examen wesentlich mehr, als die eigentlich quantitativ überlegenen Qizzes.

Doch bevor ich zu den Mid-Terms komme, gehen wir ein kleines bisschen weiter in die Vergangenheit zurück...

Am 19. November (Do.) hatten wir japanische Besucher in unserem Sprachkurs. An diesem Tag war nämlich eine Visitor-Session (zu dt.: eine Unterrichtsstunde mit Besuchern) geplant. Gekommen waren sieben Japaner (2 männlich; 5 weiblich), welche zu Gruppen zugeteilt wurden und in kurzen Abständen wechseln mussten. So konnten wir mit insgesamt 4 Japanern kleine Gesprächs- und Fragerunden durchführen.
Zu Beginn sollten wir in einer fiktiven Videothek den Inhalt eines Films beschreiben, dessen Titel wir vergessen haben. Und der Ladenbesitzer (Japaner) sollte dann den Titel herausfinden. Ich konnte "Lost in Translation" erfolgreich erklären.
Danach unterhielten wir uns frei über das Thema Hochzeit und Familienplanung. Wen und wie will man später heiraten? Wie soll der oder die PartnerIn idealerweise aussehen? Wie lebt die eigene Familie, und will man so auch mit seinem Parter leben? Am interessantesten fand ich, dass die Mädels größtenteils Kerle haben wollten, die nicht wie ihre Väter nur am Wochenende zu sehen sind und sich daher nicht in ihren Häusern auskennen. In einem Beispiel wurde der Vater am Wochenende das dritte Kind in der Familie und ging der Mutter auf die Nerven. Bei der Geschichte mussten alle etwas schmunzeln, aber ich kann nun die Wünsche der Damen nachvollziehen.

Diese und noch einige andere Fragen waren zwar sehr interessant, aber für meinen Geschmack auch etwas zu privat.
Am Ende haben wir noch ein Blatt bekommen, auf den wir dann bis zum nächsten Mal die Zusammenfassung der Stunde schreiben mussten.

Ab dem 22. November (So.) habe ich dann bis Donnerstag (26. Nov.) jeweils für das Quiz (oder den Test) am Folgetag gelernt. Und bis auf den Donnerstag ist auch nichts weiter Spannendes passiert. Es sei denn, jemand hat Interesse an Inhalten von japanischen Vokabel- und Grammatiktests.

Am Donnerstag standen jedenfalls in der zweiten Stunde die mündliche Prüfung und das Schreiben eines Aufsatzes auf dem Prüfungsplan. Wir mussten im Unterrichtsraum an unseren Aufsätzen über sehenswerte "Geheimtipps" in unseren Heimatstädten schreiben, während wir dann nacheinander in einem Nebenraum die mündliche Prüfung hatten.
Mein Aufsatz handelte von der Peissnitzinsel in Halle und dem auf ihr stattfindenden Laternenfest. In der mündlichen Prüfung musste ich die Zubereitung eines Gerichts aus meinem Land erläutern (Milchreis; einfach und lecker) und etwas über meine Familie erzählen.

Abends war dann ein gemeinsames Essengehen mit sechs Deutschen (darunter Stefan, Nami und Liane) und sechs Japanern (größtenteils Mitglieder des Haribo-Zirkels) geplant. Gespeist wurde günstig in einem mexikanischen Restaurant für Tacos, Nachos und sonstigen mexikanischen Speisen. Es wurde bestellt, gegessen und gequasselt, aber Fotos schießen konnte ich leider nicht, weil meine Kamera lieber im Wohnheim liegen bleiben wollte.
Nach dem Essen teilte sich die Meute in eine "wir-singen-jetzt-Karaoke-Gruppe" (Stefan, Christian, Yuuko) und eine "wir-machen-lieber-Purikura-Gruppe" (Nami, Liane, Natsumi, Hitomi und ich) auf.
Für alle, die jetzt vergessen haben sollten, was "Purikura" sein sollte, gibt es eine kleine Auffrischung: Purikura kann man am besten als aufgemotzte Gruppenfotos im Passbildformat (und kleiner) beschreiben. Man geht in dafür überdimensionierte "Passbildautomaten" und lässt sich ablichten. Im Anschluss kann man die geschossenen Bilder nachbearbeiten, indem man sie beispielsweise beschriftet oder mit bunten Bildchen verziert.
Im Endeffekt sieht ein Bild dann ungefähr so aus...


Für alle, die des Lesens japanischer Zeichen nicht mächtig sind, übersetze ich mal die Namen: Ich heiße "Erikku", rechts daneben: "Nami", darunter: "Ri"/"Li" (Liane), unten rechts: Natsu-chan (Natsumi) und links unten: "Hitomi". Ich stehe übrigens nicht aufrecht, da sonst mein Kopf nicht mehr sichtbar gewesen wäre.

Die Fotos kann man sich nach dem Shooting auf das Handy laden. Nebenbei bemerkt ist das Phänomen "Purikura" eine von Mädchen dominierte Freizeitbeschäftigung. Demzufolge sind auch die Gestaltungsmöglichkeiten der Bilder auch nur auf "glitzernd", "zuckersüß" und "knallbunt" beschränkt. Jungs dürfen übrigens nur in Begleitung von mindestens einem weiblichen Wesen diese Fotokabinen betreten.
Naja... Das würde man(n) auch von sich aus nicht alleine machen wollen...

Danach ging es wieder nach Hause.

Am Freitag dem 27. November habe ich mir zum ersten Mal seit meiner Ankunft im September die Haare schneiden lassen. Dazu bin ich zu dem Herrenfrisör auf dem Campus der Sophia-Uni gegangen. Dieser befindet sich im ersten Untergeschoss vom Gebäude 2 und ein normaler Herrenschnitt kostet bei ihm an die 1600 Yen (ca. 12 Euro). Der Schnitt ging recht fix, und ist auch recht ansehnlich. Nun liegen meine Haare nicht mehr so herum, wie man sie noch einen Tag zuvor auf dem Purikura-Bild sehen kann.

Nächste Woche stehen noch ein Referat über die Umgebung der Universität, sowie die Hörverständnisprüfung an. Aber wie die ausgehen, werde ich wahrscheinlich in einem der nächsten Beiträge schreiben können.


Soweit von mir.



Nebenbei bemerkt: Hab' mir ein paar Kakis besorgt. Und nun hab ich eine neue Lieblings-Obstsorte.


Freitag, 20. November 2009

Natto - kleb und mief

Da in der letzten Zeit nicht viel passiert ist, schreibe ich dieses Mal einen kleinen Beitrag über ein etwas außergewöhnlicheres Nahrungsmittel aus Japan. Es nennt sich Natto. Von diesem Zeug habe ich auch schon eine menge Gerüchte gehört und ich wurde auch schon das ein oder andere Mal von einem Japaner gefragt, ob ich es schon einmal gegessen habe.
Es wird viel über dieses Nahrungsmittel, bestehend aus fermentierten (euphemistisch für: vergammelte) Sojabohnen, erzählt. Es ist typisch japanisch, es stinkt bestialisch und es soll recht wenige nicht-Japaner geben, die es essen und denen es schmeckt.
Und auch im Lande selbst sind die Geschmäcker buchstäblich gespalten. Die meisten Nattoesser gibt es im Großraum Tokyo, während jemand im Westen des Landes kaum das Zeug in den Mund nimmt.

Nachdem ich einmal beim Frühstück schon zwei kleine Nattoböhnchen von einem Japaner aus dem Wohnheim (Kazu; ein Philosophiestudent) probieren durfte, hatte ich mir nun auch im 99 Yen Shop meines Vertrauens drei kleine Päckchen im Bund besorgt. Übrigens hat der ältere Angestellte im Landen etwas verdutzt geschaut, als ich ihn gefragt habe, wo denn das Natto liege. Über den Grund kann man spekulieren. Vielleicht, weil ein Ausländer danach gefragt hat?
Jedenfalls habe ich mir eines Abends eines der drei Päckchen mit hinunter in den Aufenthaltsraum mitgenommen und nach einer Portion Reis mit gebratenem Speck und Ei als Nachspeise geöffnet.

Nachdem ich die geruchshemmende Folie abgezogen hatte, schauten mich mehrere hellbräunliche Bohnen an. Wie damals von Kazu abgeschaut, habe ich die beigelegte Sojasoße und den Senf hinzugegeben und mit den Stäbchen (energisch) verrührt.

Nun denn. Die erste Eigenschaft von Natto, welche wahrscheinlich die meisten Leute daran hindert es zu essen, scheint ja sein Geruch (oder besser Gestank) zu sein. Die Bohnen sind ja bereits vergoren und duften nicht gerade nach Rosen. Da ich aber diesen Geruch aus irgendwelchen Gründen nicht wahrnehmen kann, war mir diese Hürde schonmal genommen.
Die zweite Tatsache ist das äußere Erscheinungsbild, was für die vergammelten Hülsenfrüchte auch recht typisch ist. Beim Umrühren verflüssigt sich der Belag auf den Bohnen und zieht Fäden. Auch beim Aufnehmen von einigen Bohnen, ziehen sie weiße dünne Schleimfäden.
Etwas unappetitlicher formuliert: Als hätte jemand seinen unglaublich zähen „Frosch im Hals“ in die Schale gespuckt. Damit nun die ganze Sache etwas anschaulicher wird, habe ich mal ein kleines Bild bei Wikipedia gefunden und eingefügt.



Der Geschmack von Natto war für mich recht neuartig. „Etwas nussig“ war mein allererster Eindruck von den Bohnen. Aber mit der Soße und dem Senf haben sie etwas besser geschmeckt. Die Bohnen lassen sich meines Erachtens wie rohe Erbsen zerkauen. Nur sind sie etwas kleiner. Die Möglichkeiten andere Dinge mit dem Natto zu kombinieren sind scheinbar grenzenlos. Aber ich hab es für mein erstes Mal einfach aus der Schale gegessen. Jedenfalls habe ich eine weitere Abwechslung für meinen Speiseplan entdeckt. Und Gesund ist es allemal.

Meine zweite Dosis Natto hatte ich mir am Folgetag in Gegenwart von Kazu gegönnt. Dieses Mal auf Reis mit rohem Ei. Er hat mich sofort gefragt, ob es meine erste richtige Portion sei, die ich da vor ihm esse. Als ich geantwortet habe, dass es schon mein zweites Mal sei und es mir recht gut schmeckt, war er vollkommen verblüfft. „Echt jetzt?!“, sagte er nur. Seine Reaktion war aber auch verständlich. Scheinbar trifft ein Japaner in seinem Leben nur selten Ausländer, die sich nicht von den vergammelten Bohnen abschrecken lassen.
Der umgekehrte Fall existiert übrigens auch. Milchreis scheint für Japaner genauso "interessant" zu schmecken, wie Natto für die Ausländer. Die Erklärung ist einfach. Zwar isst man in Japan zu jeder Tagesmahlzeit Reis, aber immer nur mit herzhaften Beilagen. Das heißt, dass gekochter Reis mit süßen Dingen unkombinierbar erscheint (als würde man Honig auf die Pommes geben). Natürlich gibt es in beiden Fällen auch wieder ein paar Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel.


Da sich scheinbar viele Leute über klebriges Stinkenatto äußern, kann man sich bei den üblichen Adressen wie Wikipedia, Youtube oder Google die Extraportion Infos holen. Hier beispielsweise eine Anleitung zum Essen dieses klebrigen Zeugs aus Youtube.



Wie auch schon am Ende des Videos erwähnt: Nach dem Essen - Zähne putzen nicht vergessen! Denn man erkennt sonst sofort, wer Natto gegessen hat. Beispielsweise einige Japaner in den überfüllten Bahnen... Würg.


Soweit von mir.


P.S.: Ich habe in meinem letzten Beitrag erwähnt, dass ich mir diese grünen Sojabohnen (Edamame) besorgen wollte. Dummerweise haben die Dinger nur im Sommer ihre Saison und sind nun nirgendwo zu finden. Daher muss ich mich also wahrscheinlich noch ne Weile gedulden. Aber zurzeit hat die Kakifrucht ihre Saison. Mal sehen, wie die schmeckt.




Sonntag, 15. November 2009

Geburtstag in Shibuya - Blau im doppelten Sinne

Das Hauptevent am Wochenende war für mich am 14. November (Sa.). An diesem Tag war ein gemeinsames Essengehen mit einigen Leuten vom damaligen Gasshuku im Februar (Kaisei, Ryoichi, Ryota, Mio und Makiko), sowie Shu und Annika geplant. Der Anlass für das Essen waren die Geburtstage von Kaisei, Ryoichi und Yasu, wobei Letzterer spontan abgesagt zu haben schien und daher nicht kommen konnte.

Die Meute des Tages (v.l.n.r.) Kaisei, Makiko, Ryota, Ryoichi, Shu, Annika, Ich (und Mio an der Kamera).

Der Treffpunkt war der Hachiko-Ausgang des Shibuya-Bahnhofs, an dem auch alle bis auf Kaisei rechtzeitig angekommen waren. Wir beschlossen schon zum Restaurant vor zu gehen und dort weiter zu warten. Die Lokalität schien sich auf indisch-japanische Gerichte spezialisiert zu haben, welche alle eine gewisse Schärfe besaßen. Besonders fies war ein Currygericht in dem eine kleine aber gemeine rote Chilischote gefunden wurde.



Bedauerlicherweise haben wir es versäumt das Essen zu knipsen, bevor wir es gegessen haben. Daher sieht man nur noch die leeren Teller. Es war sehr lecker. Es gab unter anderem Curry, etwas ähnliches wie Ragout und ein Tunfischsteak mit Avocado.

Nach einer Weile kam auch Kaisei dazu, und es konnte der Kuchen serviert werden. Dieser war wieder mit dieser zuckersüßen Sahne ummantelt und mit leckeren Früchten und kleinen Windbeuteln (!) belegt. Dann wurden auch die Geschenke verteilt. Annika, Shu und ich sangen ein deutsches Geburtstagslied (
"Wie schön dass du geboren bist") und gaben den zwei Geburtstagskindern anschließend den Text. Schließlich lernen sie auch Deutsch. Und da sollte man auch ein paar Lieder kennen.

Die Sahnebombe schlechthin. Sahne, Sahne und Früche ohne Ende. Für den vollen "Augenschmaus" bitte klicken und in voller Größe betrachten. Die Namen der Geburtstagskinder stehen auf dem Teller geschrieben. Ironischerweise ist der Name von dem (abwesenden) Yasu von einem Sahnestück verdeckt.

Nachdem wir fertiggegessen haben zogen wir noch in eine (anscheinend chinesische) Kneipe, in der man für einen Festbetrag soviel trinken konnte, wie man wollte. Auch nicht alkoholische Getränke. Bei mir waren es an die 2 Liter bestehend aus Cola, Orangensaft, Gingerale und Calpis Soda, welche sich zu meinem Leidwesen auf dem Nachhauseweg bemerkbar gemacht haben. Zu den Getränken konnte man sich auch noch kleine Snacks aus der Karte bestellen. Da ich die frittierten Seidenraupenkokkons und Skorpione lieber für einen anderen Tag (oder garniemals) aufheben wollte, habe mir aus Neugier heraus Edamame bestellt. Edamame sind grüne Sojabohnen, welche in der Hülse serviert werden. Pro Hülse sind 2 bis 3 Bohnen enthalten, welche man aus ihrem Mantel herausdrücken muss.

Normalerweise zu Bier gegessen schmecken die glänzenden grünen Böhnchen auch einfach so sehr lecker. Sie gehören in Kneipen zu den japanischen Standardsnacks. Muss mal schauen, ob es die auch irgendwo zu kaufen gibt.

Nachdem man getrunken und sich unterhalten hatte, ging es fröhlich durch die Menschenmengen zum Bahnhof in Shibuya zurück. Von dort aus haben wir uns alle voneinander verabschiedet und spurteten eilig zu unseren (fast) letzten Zügen, welche an diesem Tag noch fuhren. Denn nach Mitternacht läuft dann beinahe gar nichts mehr, was zu einem Andrang auf die letzten Züge des Tages durch die Menschenmengen führt. Eine spontane Rushour entsteht. Gegen Mitternacht war ich wieder im Wohnheim, und fiel müde und satt ins Bett.

Übrigens war auch für den Tokyo Tower ein besonderer Tag. Aufgrund des internationalen Diabetikertags (sowas gibt's wirklich), wurde dieser und auch einige andere Gebäude in der Welt blau beleuchtet. Leider war ich zum Fotografieren nicht direkt in der Nähe, aber ich habe eine Webcamaufnahme (Zeitraffer) und ein Bild bei Wikipedia (leider von 2007) gefunden.





Normalerweise sieht der Tokyo Tower bei Nacht wie im rechten Bild aus, aber aufgrund des besonderen Anlasses hat er einen Tag mal Blau gemacht.

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Wenn es dunkel wird, sieht man einen länglichen, orangeroten Turm im Video, welcher dann schnell blau wird. Das ist der Tokyo Tower. Etwas weiter im Vordergrund kann man die Rainbow Bridge erkennen, deren Pfeiler zeitgleich mit dem Tokyo Tower die Farbe wechseln. Wer wissen will, wie es gerade in Tokyo aussieht, der kann die Webcam-Bilder auf dieser Seite sehen.


Soweit von mir.


Noch ein paar Bemerkungen zum Schluss. Nächste Woche wird wahrscheinlich so spannend wie wachsendes Gras. Es stehen die (grob übersetzt:) Halbzeit-Prüfungen an. Daher wird es wahrscheinlich keine großartigen Einträge geben. Aber vielleicht einen kleinen.

Samstag, 7. November 2009

Blech geblasen im DK

Hier ein spontaner Eintrag für den 07. November (Sa.). Doch für ein besseres Verständnis sollte ich zuvor noch etwas weiter ausholen.

Am 01. November (So.)
zogen 36 neue Leute in das DK Warabi ein. Genauer gesagt: 36 Mitglieder des hessischen Musikcorps Grossen-Linden. Aufgrund einer Städtepartnerschaft mit Warabi konnten die Musiker auch einmal nach Japan kommen und hier einige Auftritte haben. Da sie am 08. November wieder aus dem DK ausziehen mussten, haben sie am 07. November ein Abschiedkonzert in der Lounge gegeben.

In der Lounge haben auch viele Bewohner des DK Warabi zugeschaut. Es waren auch viele Amerikaner und Asiaten darunter, welche das deutsche "Klischee Blasmusik" miterleben wollten. Sie ließen sich aber später auch von der Musik mitreißen. Ausserdem haben wir zusätzlich noch erläutert, dass wir die Musik nicht jeden Tag und rund um die Uhr hören. Das Bild des Bier trinkenden, Würstchen essenden, Lederhosen tragenden und Blasmusik liebenden Deutschen trifft halt nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung zu.


Rechts sieht man einige der Blechbläser des Musikcorps Grossen-Linden bei ihrem kleinen Auftritt im DK Warabi. Auf der anderen Seite des Raumes saßen die Zuschauer des Spektakels. Insgesamt wohnten 36 Musiker im DK. Die ganze Truppe bestand aus ca. 60 Leuten inklusive Dolmetschern, Fotografen und Co.

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Nach drei Liedern und einer Zugabe war aber auch schon wieder Schluss. Die netten Leute mussten am nächsten Tag um 08:00 wieder ausziehen. Trotzdem blieben alle noch eine Weile in der Lounge und man konnte noch etwas mit den Hessen schwatzen, oder mit den Bewohnern Billiard spielen. Am nächsten Tag muss dann der Musikcorps also wieder raus aus dem DK, und von da an wird es wahrescheinlich wieder etwas ruhiger im Wohnheim werden.

Billiard wurde auch in der Lounge gespielt. Hier sieht man Leon (dt. Philosophiestudent) beim Billiardspielen und mit den Fuß von Kei im Nacken. Der Billiardtisch stand übrigens noch nicht da, als ich eingezogen bin. Er war plötzlich eines Tages in der Lounge. Es kam auch eine Tischtennisplatte als Auflage für den Tisch mit dazu. Und nun wird des Öfteren etwas gezockt.


Soweit mal wieder von mir.



Ach! Noch etwas zum Thema deutsches Klischee. Ich enttäusche hier regelmäßig die Japaner, wenn ich ihnen sage, dass ich keinen Alkohol trinke. Was haben die meisten hier nur ein Bild von den Deutschen?
Naja... Als ob ich das nicht schon eigentlich wüsste.


Freitag, 6. November 2009

Ein (Geburts-)Tag an der Reitaku-Uni

Am 3. November (Di.) ging es mit Nami und Shu wieder einmal zu Reitaku-Uni. Auf dem Campusgelände fand seit dem ersten November ein Campusfest statt und viele japanische Freunde von uns stellten dort einige ihrer Arbeiten aus oder jobbten dort.

Ich fuhr mit Nami bis zum Bahnhof von Minami-kashiwa und wir warteten dort zusammen auf Shu. Währenddessen trafen wir auf Fukumi, welche zufälligerweise auch auf eine Freundin wartete. Als dann alle angekommen waren ging es mit dem Bus zum Campus.

Shu, Nami und Fukumi in der Sonne auf dem Campus der Reitaku-Uni. Es ist nicht so warm, denn der (Sonnen-)Schein trügt. Es wehte ständig ein kalter Wind, welcher einen zum Zittern brachte. Anscheinend wird’s hier auch endlich Herbst. Das gelbe Tier auf dem rechten Bild ist das Maskottchen der Uni und soll ein Rentier darstellen.

Als erste Amtshandlung besuchten wir Mariko (Shus Tandempartnerin), welche uns auch gleich begleitet hat. Sie musste aber später einen Vortrag halten, und konnte uns daher nur für eine kurze Zeit dabei sein. Wir haben auch Yuka (Namis ehemalige Tandempartnerin) gesehen, welche wir in einer Posterausstellung mit dem Thema japanische und deutsche Dienstleistungen fanden. Sie kam auch kurz mit uns mit.

Fukumi und Mariko flankieren die beiden Mädels, deren Namen ich leider nicht erfahren habe. Die beiden Tragen jedoch, teils zur Feier des Tages, teils aus Spaß ihre alten Schuluniformen aus der Oberstufe. Uniformen werden in Japan meistens nur während der Schulzeit getragen. Studenten tragen normalerweise keine mehr.

Plakatausstellungen. Das obere vergleicht das Finden von Freunden, Partnern und Arbeit in Taiwan und Deutschland. Die unteren zwei Poster zeigen Hinweise für Japaner, was sie in einer Interaktion mit einem Ladenverkäufer in Deutschland erwarten könnte. Die Handhabung von Kunden wird in den Geschäften beider Ländern unterschiedlich gehandhabt. Draufklicken vergrößert die Bilder, sodass man die Poster etwas besser lesen kann.

Nachdem wir etwas für die Bildung getan haben, kam der Magen dran. Und hier kam das Allerbeste an dem Tag: Nami und Shu wollten mir zur Feier meines Geburtstags alles Essbare spendieren. Ein schönes Geschenk und echt lieb von den beiden. Dazumal ich auch gerne esse und auf einem Campus war, auf dem an jeder Ecke etwas gekauft werden konnte. Wir besuchten als erstes das deutsche Café, in dem einige Japanerinnen im Dirndl Würstchen und Brezeln mit Bier servierten. Ich habe mir mit Shu jeweils ein Würstchen mit Ketchup und süßem Senf bestellt und Nami hat sich ein Bier bestellt. Mariko und Yuka haben Bratkartoffeln gekauft.

Diese Preisliste in dem deutschen Café hat es in sich. Der halbe Liter Bier für 700 Yen (ca. 5 Euro) und die Weißburgunder Auslese für 3200 Yen (ca. 23 Euro). Und nun mit den deutschen Preisen vergleichen...

Shu und ich beim Würstchenhakeln. Das kann man am besten als "Vermischung von Kulturen" bezeichnen. Die verbissenen Gesichtsausdrücke sprechen Bände. Soviel Mühe für das Bisschen an Wurst.

Leckereien aus der Heimat. Yuka hat sich ein Bierchen sowie Bratkartoffeln bestellt. Natürlich japanisch-traditionell mit Stäbchen gegessen. Rechts im Bild eine Bedienung im Dirndl. Sowohl in der Essweise der Bratkartoffeln, als auch in dem Dirndl steckt immer noch etwas japanisches.

Danach mussten sich Mariko und Yuka von uns trennen, und wir durchkämmten noch zu dritt die restlichen Stände auf dem Campus. Insgesamt haben wir noch Waffeln, Torinikku, Crepes, Nikkumanju und Mochidonuts gegessen. Alles lecker. Leider haben wir, bis auf eine kleine Spielshow mit Kindern, nicht allzu viel von dem Programm auf der Hauptbühne sehen können. Was uns aber im Vergleich zu den anderen Campusfesten auffällig war, war die Vielzahl an Kindern und älteren Leuten, welche sich auf dem Fest amüsierten. Auf den anderen Festen war größtenteils nur Studenten anwesend. Vielleicht lag es an dem Feiertag.

Nachdem wir uns die Bäuche vollgestopft haben, machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Als ich mit Nami wieder im Wohnheim angekommen war, schien bereits der Vollmond.

Der Vollmond in Japan. Sieht genauso aus wie bei uns? Nicht ganz! Etwas genauer betrachtet, bemerkt man eine leichte Neigung im Uhrzeigersinn. Übrigens lebt laut japanischem Volksglaube ein Hase auf dem Mond, welcher Mochi zubereitet. Also kein Mann auf dem Mond und Käse. Die Geschichte wie der Hase auf dem Mond kam ("Tsuki no Usagi"), ist sehr rührend und kann (und sollte) mal für alle Interessenten hier nachgelesen werden. Und wer kann den Hasen erkennen?


Soweit von mir.


Übrigens vielen lieben Dank an alle, welche mir an diesem Tag Geburtstagsglückwünsche per Mail oder per Post geschickt haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut.


Montag, 2. November 2009

Ein (Feier-)Tag an der Sophia

Am Montag dem 2. November war der zweite Tag des dreitägigen Herbstfestes auf dem Yotsuya-Campus der Sophia. Und da ich schon ein Student dieser Uni bin, sollte ich auch mal an mindestens einem der Festtage dabei sein.

Ich bin also mit Liane gegen 09:15 Uhr auf dem Unigelände aufgeschlagen und war etwas zu früh dran. Wir wollten uns gegen 10:00 mit einigen Mitgliedern des Haribo-Zirkels treffen (Deutsch-Japanischer-Austausch). Bis es soweit war, liefen wir noch etwas durch die Uni und schauten den Studenten beim Aufbau ihrer Imbissbuden zu.

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Die zwei größten Straßen auf dem Campus haben die Form eines Kreuzes (christliche Uni halt). Und auf dem Schnittpunkt dieser Straße stehe ich mit Liane und filme die Ruhe vor dem Sturm. Ton aus, wer keine Kommentare hören will. Übrigens ist es keine "zweite Kreuzung", sondern die "zweite Abzweigung". Kleiner Versprecher.

Pünktlich haben wir uns dann am Haupteingang mit Aoi und Ruri getroffen und sind dann erst einmal zur Hauptbühne gegangen. Die erste Aufführung gehörte dem „Kunstclub“, dessen abstrus maskierte Mitglieder mit wildem Kopf- und Körpergeschüttel zu Heavy Metal Musik weiße Leinwände schwarz anmalten. Kunst halt. Danach kam ein Zirkel, welcher seinen Liedtext in Zeichensprache übersetzte. Das Letzte was wir auf der Hauptbühne angesehen haben war ein Lied von einem ein Jazzzirkel.

Übrigens bestand die "Meute des Tages" dieses Mal aus Ruri, Liane und Aoi (v.l.n.r.).


Das Programm der Hauptbühne lag auf dem Campus aus. Wie man unschwer erkennen kann, war der Kunstclub (oder Club der schönen Künste) am zweiten Tag als erster dran. Leider kann man auf dem Bild nichts von deren rumgezappel erkennen.

Nachdem ich mir eine Frankfurter sowie eine Mochi Waffel genehmigt habe, verzogen wir uns aufgrund der frischen 17°C in eines der Gebäude. Innerhalb der Gebäude waren die anderen Zirkel und Clubs und hielten diverse Veranstaltungen ab, oder bauten Ausstellungen auf.

Wir besuchten beispielsweise die Ausstellung des schon oben erwähnten Kunstclubs, die genauso abstrus wie seine Aufführung auf der Hauptbühne war. Es gab auch eine Ausstellung über Eier und eine kleine Videovorführung des Videoclubs. Schon wieder „Kunst“…

Etwas längere Zeit blieben wir bei dem Musikclubs für brasilianische Musik, für Swing Jazz und Gospel. Die letzten beiden haben wir auf Bitten von Aoi besucht, da einige ihrer Freundinnen dort mitmachten. Folgend ein paar Eindrücke...

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Swing Jazz is ne tolle Erfindung. Hier ist das "Sophia University Swing Jazz Orchestra" zu sehen und zu hören.

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Eine sehr euphorische Truppe diese "Safro Family". Gospel macht viel Laune und schafft eine Superstimmung. Wie die auf der Bühne abgehen können. Für meinen Geschmack wiederholt sich der Text zu oft in einem Lied. "And higher, and higher...".

Nachdem wir dem Gospel gelauscht haben, mussten sich auch unsere Wege gegen 13:00 Uhr wieder trennen. Ruri und Aoi gingen arbeiten, Liane machte sich noch auf den Weg zum Fest der Reitaku-Uni. Ich fuhr nach Hause.


Soweit von mir.


Nebenbei bemerkt habe ich am folgenden Tag geplant auch zur Reitaku-Uni zu gehen. Somit habe ich dann innerhalb von einem Monat die Herbstfeste von drei unterschiedlichen japanischen Universitäten besucht.



Sonntag, 1. November 2009

Gutes altes Asakusa

Eigentlich war am 01. November (Sa.) nichts großartig an Ausflügen geplant, aber spontanerweise hat mich Tina (eine Jurastudentin aus Trier; wohnt auch seit September im DK Warabi) spontan zu einem Kurztrip nach Asakusa überreden können.
Nachdem man sich noch fix ausgehfertig gemacht hat, ging es auch schon zum Bahnhof und dann mit der Keihin-Tohoku-Linie bis nach Ueno, sowie anschließend mit der Metro nach Asakusa.

Mal wieder Asakusa. Aber dieses Mal war die Deko an den Läden an das Herbstthema angelehnt. Aber trotz Herbst, waren es geschätzte 26°C und schwül. Nebenbei war die Herbstdeko nicht die einzige Veränderung. Scheinbar wurde der Tempel renoviert, und daher blickdicht eingerüstet.

Da ich ja schon einmal dort war (siehe hier), wusste ich von den vielen kleinen Souvenierläden, welche sich auf dem Weg zwischen dem großen Tor (kaminarimon) und dem Tempel (sensô-ji) dicht aneinanderdrängen. In einem dieser Läden hoffte ich eine sogenannte manekineko (Geldkatze, auch Winkekatze genannt) zu finden. Ein kleiner Auftrag für eine Freundin sozusagen.
Und wie erhofft wurde man dort überall von diesen weißen Kunstoff- bzw. Keramikkatzen angewunken.



Winkekatzen ohne Ende. Es gab sie in allen Preisklassen. Die handtellergroßen Katzen kosten um die 500 Yen und die Handgroßen schon die 1000 Yen. Hab auch eine für 5000 gesehen. Die Katzen sieht man in Japan in vielen Geschäften, da sie angeblich die Kunden (und auch deren Geld) heranwinken sollen. Es gibt auch ein japanisches Sprichwort, was frei übersetzt soviel wie "Münzen vor die Katzen werfen" bedeutet. Katzen und Geld gehören scheinbar zusammen.

Im Vergleich zu damals machten wir dieses Mal auch einen Abstecher zu dem nahegelegenen Shintô-Schrein in Asakusa. Der ist zwar nicht so groß, wie sein buddhistischer Nachbar, aber trotzdem sehenswert. Als wir auf dem Shreingelände standen sahen wir einige kleine Mädchen in kurzärmligen Kimonos (kosode) und Jungen in hakama (Kimono für Männer). Die kleinen Knirpse kamen in Begleitung ihrer Eltern und Großeltern zu dem Schrein. Warum? Es war der Monat des shichi-go-san (7-5-3 Fest).
An 7-5-3 besuchen alle Kinder, welche 3, 5 oder 7 Jahre alt geworden sind , mit ihren Eltern einen Schrein, um für Glück und Gesundheit in der Zukunft zu beten. Zu diesem Anlass dürfen die Kleinen auch zum ersten Mal die Oben erwähnten Kleidungsstücke tragen. Eigentlich für den 15. November geplant, wird dieser Tag von vielen Familien oftmals auch auf das Wochenende im November verlegt, damit auch die anderen Familienmitglieder mitkommen können.




Das siebte, fünfte und dritte Lebensjahr gilt als besonders unglücklich, und daher wird fleissig für die Kinder gebetet. Gegen eine kleine Spende können die Eltern ihre Kinder rituell reinigen lassen. Es gibt auch viele kleinere Aktivitäten für die Kids. Die ersten vier Zeichen auf dem Schild im linken Bild bedeuten von Oben nach Unten "Sieben", "Fünf", "Drei" und "Besuch" die letzten zwei zusammen bedeuten "Empfang". Im rechten Bild sieht man ein kleines Mädchen neben einer Schreinjungfer (miko).

Danach streiften wir noch ein bisschen durch die Gegend und ich hab mir noch was zum essen geholt. An einer Ecke sahen wir eine kleine Bühne, auf der etwas "kabuki-ähnliches" aufgeführt wurde. Da wir sowohl akustisch, also auch inhaltlich nichts verstanden haben, zogen wir weiter.



Danach sind wir noch zu dem Fluss gelaufen, auf dem ich damals mit den anderen herumgefahren bin. Jedoch wollten wir nicht unbeding fahren, und auch wieder früh nach Hause kommen. Also haben wir noch ein paar Fotos geknipst und sind dann wieder abgedüst.


Sowei von mir.


Übrigens: Das war die (naja...) "Meute des Tages". Links die Tina und auf dem rechten Bild kann man ja denken, wer das ist. Es war windig...