Freitag, 20. Februar 2009

Mit Kamera in Kamakura...

Der erste Regen in Japan. Und was für einer! Den gesamten Vormittag über goss es aus wie aus Eimern und da ich keinen Schirm in den Koffer eingepackt habe, musste ich mir im Landen um die Ecke ein Modell "Klarsicht" mit durchsichtigen Schirm kaufen. Trockenen Kopfes ging es dann zum Bahnhof bis nach Yokohama, wo wir uns mit den Japanern trafen und von dort aus mit der JR-Bahnlinie bis nach Kamakura fuhren.

Dieses Mal war die "Meute des Tages" doch nicht so groß, und die Deutschen waren sogar mal in der Überzahl. Lag es nun am Wetter oder hatten die Anderen Japaner schon etwas geahnt? (v.l.n.r.: Annika, Nami, Shu, Keishiro und Narumi)

In Kamakura ging es - mit kleineren Abstechern in diverse Läden - in Richtung des Hase-Tempels. Kein Schrein - sondern Tempel. Tempel sind dem buddhistischen Glauben zugeordnet. Und von denen scheint Kamakura beinahe überzulaufen.

Innerhalb des Tempels waren keine Fotos erlaubt, daher konnten nur Außenaufnahmen gemacht werden. Im Tempel konnte man wieder beten und auch ein Museum besuchen, in dem ein paar Stücke aus der Zeit des Genpei-Krieges (Ende des 12. Jh.) ausgestellt wurden.

Nachdem wir wieder draußen waren, knurrten uns die Mägen. Daher versuchten wir in einer von Touristen sehr stark frequentierten Stadt etwas billiges und essbares zu finden. Beinahe unmöglich. Während der Suche trafen wir auf Gennai, welcher sich unserer Gruppen anschloss. Nach einigen erfolglosen Versuchen kamen wir in ein kleines Lokal/Lädchen/Wohnzimmer. Dort konnte man in kitschig-wohnlicher Atmosphäre sein Essen zu sich nehmen und bei Bedarf auch etwas aus dem Raum kaufen. Zumindest klebten überall Preise an dem Interieur.
Das Lokal wurde von zwei älteren Japanern betrieben. Der Opa* legte beim Bringen des Essens eine ungewollte Dramatik an den Tag, da er mit seinen zitternden Händen das Geschirr gefährlich zum klappern brachte. Doch alles lief gut und das Essen erreichte den Tisch am Stück. Es war sehr viel und einige schafften (zu meiner Freude) ihr Essen nicht.
* in Japan kann man auch fremden Leuten im Dienstleistungssektor Familienbezeichnungen geben. Beispielsweise kann man die jungen Kellnerinnen im Lokal auch Nee-san (große Schwester) nennen.



Nach dem Essen ging es auf zum Daibutsu - dem großen Buddha. Auch die Sonne fing an zu scheinen und begleitete uns auf den Weg der vor uns lag. Nach einem kleineren Spatziergang durch die Stadt erreichten wir einen Tempel, welcher absichtlich zwischen den Felsen versteckt gewesen zu sein schien. Im Tempel demonstrierten uns Gennai, Keishiro und Narumi wie man diverse Rituale im Tempel vollzieht.


Kleine Ritualkunde: Zuerst wäscht man sich die Hände und den Mund an einem Becken, welches sich vor oder am Eingang des Tempels befindet. Das Wasser ist eiskalt, aber die Prozedur muss halt sein. Danach besorgt man sich ein paar Räucherstäbchen (liegen am Souvenierladen für 100 Yen), und zündet sie an einer Kerze an. Danach steckt man die qualmenden Stäbchen in ein Sandbecken und lässt sie vor sich hinkokeln. Wenn man möchte, kann man ein kleines Körbchen nehmen und sein Geld hineinlegen. Dann kann man es reinigen, indem man es mit kalten Wasser übergießt (Geldwäsche???). Sowohl Klimpergeld als auch die Scheine. Dann nur noch trocknen lassen und man hat Glück im Geldbeutel.


Doch die spirituelle Reise war noch nicht
vorbei. Fehlte nur noch der Daibutsu. Doch dieser war nicht so leicht zu erreichen, wie man zuerst dachte. Ich glaube dieser Teil unserer Tour hat die meisten der anderen Japaner dazu bewogen heute doch nicht mitzukommen.


video


Bergtour: Die Bilder zeigen es zwar nicht, aber es war zermürbend durch den Schlamm und über die steilen, von Baumwurzeln durchzogenen Wege zu gelangen. Es ist zwar keiner gestürzt, doch die Schuhe und Hosen haben einiges an Schlamm abbekommen. Während wir durch die Berge kraxelten kamen uns andauernd kleine Eichhörnchen über den Weg, welche in dem Bäumen herumsprangen. Die grauen Tierchen liefen uns auch schon in der Stadt über den Weg.

Mit tauben Beinen und schlammigen Schuhen kamen wir auch endlich zum Eingang des Buddhageländes. Nachdem wir eine kleine "Anbetungsgebühr" entrichtet haben und uns provisorisch in einer Pfütze gereinigt haben, konnten wir den Großen in Augenschein nehmen.

Friedlich meditierte der Daibutsu im Lotussitz auf seinem Sockel und erduldete die Blicke der Besucher. Da man zum Beten keine Schuhe braucht, hat man seine Latschen kurzerhand an die Wand genagelt. Ganz schön fesch die Mode von damals. Man konnte für 20 Yen auch "in" den Buddha hineingehen und sehen, was der Gute unter der Kutte trägt. Da keiner von uns hineingehen wollte, wird es zumindest für uns ein großes Geheimnis bleiben.


Nachdem auch das abgehakt war, wurden wir Vier von den Japanern ans Meer geführt, was sich plötzlich vor uns erstreckte. Das Wasser war logischerweiser noch zu kalt, um seine Füße in die Fluten zu stecken, doch einige Surfer warfen sich dennoch in die Wellen.



Als krönender Abschluss des Tages verabschiedete sich die Sonne am Horizont in typischer Sonnenuntergangsromantik, während wir mit der Bahn zurückfuhren.

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