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Montag, 2. August 2010

Ein kleiner Sommer-Sammeleintrag

In den letzten 3, 4 Tagen war eine ganze Menge passiert. Da ich nicht alles in separate Einträge packen möchte, stelle ich sie hier mal zusammen und arbeite mit Zwischenüberschriften.

Kamakura - Strand und Meer

Am 31. Juli (Sa) wollte ich eigentlich zum Sumidagawa (Fluss) in Ueno gehen, um das dortige Feuerwerk zu sehen. Da ich aber gehört habe, dass es dort traditionell sehr überfüllt und schwitzig heiß ist, hat mich die Motivation verlassen. Stattdessen bin ich dem Vorschlag von Nami gefolgt und zusammen mit ihr, Shu und Liane an den Strand von Kamakura gefahren.

Gegen Mittag sind wir also zu viert am Strand eingetrudelt und haben uns im Sand ausgebreitet, einen Sonnenschirm gemietet und uns mit Sonnencreme eingeschmiert, damit uns die Sonne nicht in Briketts verwandelt.

Die Meute des Tages. Wir hatten alle Spaß (sieht man am Grinsen).

Aus insgesamt vier Decken und Matten zauberten wir eine recht bequeme Liegefläche. Wir suchten uns eine der weniger überlaufenen Stellen am Strand aus, denn in der Ferne sahen wir die Menschenmassen aneinander gedrängt im Wasser planschen, was wir nicht so gerne machen wollten.

Das Wasser war recht angenehm und man konnte herrlich mit den hohen Wellen kämpfen bzw. sich mit ihnen treiben lassen. Ab und an streiften uns im Wasser zwar ein paar Algen oder Quallen, aber das tat dem Spaß im Nass keinen Abbruch. Am Strand selbst konnte man hier und da braungebrutzelte Kerle mit ihren Freundinnen herumlaufen sehen, welche sich gegenseitig mit Sand panierten oder Ball spielten.


Genauso wie die Damen jeden Sonnenstrahl meiden, um eine möglichst helle Haut zu bewahren, so versuchen die Herren der Schöpfung auch nur jedes Quäntchen UV-Strahlung in Bräune umzuwandeln. Schönheitsideale halt. Die Sonne verschwand zwar gegen Nachmittag, aber die Wärme blieb. Daher war es dann auch ohne Schirm noch recht angenehm im warmen Sand.

Nach fünf Stunden haben wir uns wieder zum Bahnhof aufgemacht und aßen noch einen Happen, bevor es wieder nach Hause ging. In Warabi angekommen hörten wir auf den Weg zum Wohnheim Musik. Wir gingen der Sache nach und entdecken einen größeren Platz mit Bühne, Lampignons und Buden, auf dem scheinbar ein traditioneller O-Bon Tanz aufgeführt wurde. Komischerweise war das O-Bon Fest aber schon vorbei, was uns aber jedoch nicht davon abhielt dem Spektakel zuzuschauen.

Als uns aber plötzlich die Mückenplage heimsuchte, hielten wir es nicht mehr länger aus und gingen wieder zum Wohnheim zurück.



O-Bon ist das japanische Totenfest, an dem die Seelen der Ahnen aus den Gräbern steigen und die Familien besuchen. Bon wird in Japan an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichen Traditionen unterschiedlich zelebriert. Wer daher also gerne etwas mehr über diese Festzeit erfahren möchte, den empfehle ich an dieser Stelle Wikipedia.


Sommerfest und Feuerwerk - Abschiedsfeier

Am Sonntag dem 01. August war für Shu und mich ein Abschiedstreffen mit einigen Freunden vom Deutsch-Gasshuku geplant. Nami konnte leider nicht mehr mitkommen, da sie an diesem Tag abreiste. Auf der Liste stand ein Besuch des "Natsu-Matsuri" (Sommerfest) in Ueno, ein gemeinsames Essen und ein japanisches hanabi (Feuerwerk) am Arakawa (Fluss) in Nishikasai.

Gegen 14:30 Uhr fanden wir uns alle am Ueno Bahnhof ein und machten uns in einer Sechsergruppe zum Park auf. Dort angekommen liefen wir eine Runde um den See und stellten fest, dass das eigentliche Sommerfest in einem separaten Bereich stattfindet und ein Konzert war. Da uns aber der Künstler nicht interessierte bummelten wir einfach weiter, schauten uns einen Miniflohmarkt an und aßen eine Riesenportion kakikoori (Eis).

Ich bin zwar schon viele Male in Ueno gewesen, habe aber noch nie eine so große Runde um den See gedreht. Die Zikaden waren übrigens zu dieser Zeit am lautesten und nervten mit ihrem Zirpen.

Große, bunte Eisberge im Plastikbecher.

Mit Wasserbauch fuhren wir in Richtung Nishikasai, wo nach und nach noch weitere Leute dazukamen, bis wir eine stolze Gruppe von 11 Leuten waren.

Die Meute des Tages nach dem Essen.

Wir gingen in ein Restaurant und haben ausgiebig und lecker gegessen, als eine Weile später mir, Shu und Shuuhei kleine Päckchen und Tüten in die Hände gedrückt wurden. Dazu kam noch eine kleine Torte mit unseren Namen und ich habe realisiert, dass dies Abschiedsgeschenke waren.

Auf der Torte waren drei Schokoplättchen mit unseren Namen, sowie einer dankenden oder anspornenden Zeile für jeden von uns. In diesem Moment war ich ernsthaft zwischen Freude und Trauer hin und hergerissen.



Das sind die kleinen Geschenke, welche Shu und ich bekommen haben. Ich halte ein kleines Kissen aus Binsengras (für Tatamimatten verwendet) und ein fuurin (Windglöckchen).

Als es draußen dunkelte, machten wir uns auf dem Weg zum Arakawa und hörten schon von weitem, wie das Feuerwerk losdonnerte. In der Angst mein erstes Feuerwerk in Japan verpassen zu können, beschleunigte sich meine Schrittzahl. Jedoch liefen die anderen sorglos und gemütlich weiter, denn das Feuerwerk würde eh nicht so schnell aufhören. Ich war halt noch nicht gewohnt, dass die Feuerwerke hier oftmals mehr als eine Stunde andauern und man daher nicht hetzen muss.
Am Arakawa angekommen suchten wir uns eine kleine Niesche zwischen den andern Leuten und sahen dem Farbenreigen zu.




Das Feuerwerk dauerte gut eineinhalb Stunden und war von unserem Standpunkt aus gut zu sehen. Mir gefiel das Panorama mit der Schnellstraße und der Skyline.


Nachdem alles abgefackelt wurde und auch der letzte Funken verglüht war, machte sich wahrscheinlich halb Tokyo auf dem Nachhauseweg. Wir warteten eine Weile und folgten dann dem schwächer werdenden Menschenstrom zum Bahnhof. Dort verabschiedeten wir uns noch alle voneinander und trennten uns dann nacheinander in der Bahn auf dem Weg nach Hause.

An diesem Tag haben wir uns alle wahrscheinlich das letzte Mal treffen können. Für längere Zeit.


Aufbruchsstimmung im DK House

Seit dem 29. Juli (Fr.) begannen bei vielen Bewohnern des DK House die Heimkehrvorbereitungen. Hätte ich meinen Vertrag nicht verlängert, wäre ich in dieser Zeit ebenfalls sehr beschäftigt gewesen.

Fast jeder machte sauber, entsorgte seinen Müll und hinterließ nicht verbrauchtes Essen in der Küche als "Take Free". Nun liegt ein riesiger "Kadaver" an Gewürzen, Soßen, Puddings, Eiern, Zwiebeln und noch vieles vieles mehr in der Küche und wartet darauf von den übrigen Bewohnern zersetzt zu werden. Aber wer braucht schon geschätzte zwei Liter Tabasco oder 30 Scheiben Toastbrot?

Etwas Brauchbares konnte man auch in der Box ergattern, welche im Eingangsbereich des DK herumstand. Kurzfristig entwickelte sich die sogenannte "Take-Free" Box zur "Take-Free" Zone, als scheinbar 80 Prozent des Wohnheims seine Klamotten, Shampoos, Bücher und Kissen dort ablud. Leider habe ich keine Fotos gemacht, aber stellt euch am besten einen Stand auf einem Flohmarkt vor, auf dem man fast alles bekommen kann, was das Herz begehrt. Sogar Fernseher und Reiskocher.
Auch ich habe ein bisschen herumgesucht und bin nun für den Rest meines Aufenthaltes mit Shampoo eingedeckt. Von den Zahnbürsten habe ich jedoch etwas Abstand gehalten. Ich habe auch ein Buch gefunden, welches ich im ersten Semester in der Sophia-Uni benutzen musste. Damals habe ich es mir von einer Freundin ausgeliehen und musste es zurückgeben. Nun liegt ein anderes "Free" in meinem Zimmer (samt Hörbeispiel-CD).

So gut dieser Massenauszug auch sein mag, es gibt ebenfalls schlechte Seiten: Nachdem alle ausgezogen waren (größtenteils Amerikaner) war es totenstill im DK. Für einen Tag traf ich kaum auf andere Personen und auch in der Lounge war es ungewohnt still. Auch war der Abschied von Sven, Tina und Marlene und den anderen Gesichtern, an welche man sich hier gewöhnt hat, sehr schwer.
Nun brach auch die Zeit an, vor der mich damals Virgine (Freundin aus Frankreich; lebte auch im DK) warnte: Die Franzosen kommen! Und tatsächlich: Insgesamt trafen in den letzten Tagen an die 30-40 Franzosen hier ein. Am 01. August kamen 25 von ihnen, sodass ich sogar dem Wohnheimmanagement beim Einweisen aushelfen musste. Leider scheint es vielen Franzosen schwer zu fallen die Englische Sprache zu verstehen, sodass es wiederum mir schwer fiel mit ihnen zu kommunizieren. Mit einigen von ihnen komme ich aber auch recht gut klar und habe schon interessante Unterhaltungen geführt.


Soweit von mir

...

Das war nun ein wirklich langer Beitrag und ich entschuldige mich für die Länge, aber wenn ich noch einen Tag gewartet hätte, dann wäre wahrscheinlich noch mehr dazu gekommen.

Mal schaun', was sonst noch so kommen wird.


Samstag, 10. Juli 2010

JLPT und Sommerdusche

Am Sonntag dem 04. Juli war für mich schon das Wochenende vorbei. Vor einer Weile habe ich mich nämlich für den Japanese Language Profiency Test (kurz: JLPT) angemeldet und nun stand der große Tag bevor.

Der JLPT ist ein Test, um sich sein Sprachlevel in Sachen Japanisch bescheinigen zu lassen. Sollte man diesen nämlich bestehen, so erhält man eine lebenslang gültige Bescheinigung seiner Sprachfähigkeiten. Man wird also nach Bestehen einer der fünf Niveaus ironischerweise nie wieder schlechter oder vergisst etwas.
Ich hatte mir den N2 vorgenommen, welcher nach dem N1 der zweitschwierigste Test sein soll. N2 bescheinigt quasi das Verstehen und das Verstehenwerden in Alltagssituationen ohne Wörterbuch. Je nach Japaner klappt das bei mir auch manchmal.
Getestet wurden Kanji, Grammatik, Leseverständnis und Hörverständnis, was alles im Multiple Choice Format abgehakt werden muss. Wenn also man nichts weiß, oder wegen der sehr knappen Zeit nicht zu lange raten möchte, kann man also Lotto spielen.
Ich gab mein Bestes und auch Nami und Marlene, welche ebenfalls den Test absolvierten, rätselten sich durch die knapp 100 Fragen. Wie es ausgehen wird, erfahren wir aber erst im September, wenn die Ergebnisse vorliegen.

Nach dem Test regnete es auf dem Nachhauseweg in Strömen und wir hatten keine Schirme dabei. Glücklicherweise kühlt sich die Luft nicht so sehr in der Regenzweit auch bei einem Schauer nicht allzu sehr ab, sodass wir einen warmen Sommerregen erleben durften. Klitschnass habe ich dann im Wohnheim meine Sachen und Schuhe trocknen müssen und konnte danach noch meinen restlich Sonntag mit Ausruhen und dem Lernen für das Quiz am nächsten Tag verbringen.

Nach so viel Text zwei kleine Bilder:

Das ist das Tanabata-Fest! Naja... Nicht so, wie ich es erlebt habe, aber so wie man es hierzulande an einigen Orten feiert. (Copyright: links ©Yasufumi Nishi/© JNTO; rechts: © Y.Shimizu/© JNTO)

Tanabata ("der siebte Abend") beginnt normalerweise am 07. Juli (2010: Sa.) jeden Jahres, kann aber auch erst einen Monat später stattfinden. An diesem Tag treffen sich die zwei Sterne Wega und Altair am Himmel, welche nach alter chinesischer Überlieferung ein Liebespaar darstellen, das das ganze restliche Jahr über durch die Milchstraße getrennt ist.
Das linke Bild ist die typische Tanabata-Dekoration von einem Fest in Sendai in der Präfektur Miyagi. Dort soll das Tanabata am größten sein.
Zu dem Fest hängt man seine auf Zettel geschriebenen Wünsche an einem bunt geschmückten Bambuszweig (rechtes Bild), und hofft, dass sie in Erfüllung gehen.

Der Grund dafür, dass ich wieder andere Bilder verwenden musste, war folgender: Am besagten Tag regnete es in Strömen und anscheinend wird das Fest eh nicht so im großen Rahmen in meiner Umgebung gefeiert. Ebenso kannten die Japaner in unserem Wohnheim keinen Ort, wo ich Tanabata bestaunen konnte ohne in Schulen einbrechen zu müssen. Ich konnte also keine eigenen Erfahrungen sammeln.

Bald beginnen die Prüfungen und ich bin auch schon fleißig dabei, diverse Essays und Reaction Papers für die beiden Soziologiekurse zu schreiben. Am 30 Juli schreibe ich übrigens meine letzte Prüfung in diesem Semester...

Das Wetter ist weiterhin sommerlich heiß und schwül.


Soweit von mir.


Samstag, 8. Mai 2010

Goldene Zeiten - Golden Week und deutsche Wurst

Leider habe ich nicht im Lotto gewonnen. Daher sind die Zeiten doch nicht so golden gewesen, wie es der Titel vermuten lässt. Jedoch waren die freien Tage am Anfang der Woche und der dazugehörige Sonnenschein mit 25°C mehr als goldig.

In der Zeit vom
29. April (Do.) bis 05. Mai (Mi.) konnte der durchschnittliche Japaner mit Hilfe von vier Feiertagen, einem Wochenende und einem Brückentag eine ganze Woche frei nehmen und herumreisen. Viele nutzen auch die Gelegenheit wieder in ihre ursprüngliche Heimat (jikka) zu fahren und zusammen mit der Familie zu sein. Da ca. 30% der Japaner in Tokyo leben, kann es zu den Rückreisezeiten zu kilometerlangen Staus auf den Straßen in Richtung Tokyo kommen, über welche dann auch die japanischen Medien berichten. Laut dem damaligen Verkehrsbericht von TV Asahi konnten einige der Staus (jûtai) für die "Rückreise-Rushhour" nach Toyko bis zu 45 Kilometer lang werden.

Die oben erwähnten Feiertage sind der Geburtstag des Shôwa-Tennô am 29. April, der Verfassungsgedenktag (
kenpô kinenbi) am 03. Mai, der Tag des Grünen (midori no hi) am 04. Mai, sowie der Kindertag (kodomo no hi) am 05. Mai. Ursprünglich war der Tag der Umwelt am 29. April; musste aber 2007 wegen dem Shôwa-Tennô umziehen und bekam gleich noch einen neuen Namen dazu.
Am interessantesten finde ich persönlich den Kindertag, welcher eigentlich nur für Jungen ist, und an welchem in einigen Gärten Karpfenfahnen (
koinobori) aufgehängt werden.

Die Koifahnen symbolisieren die Mitglieder der Familie. Von groß nach klein stehen sie für den Vater, die Mutter und dann die Kinder. Diese Familie hat also zwei Kinder.

Tja... Ich habe in meiner Freizeit größtenteils einen Husten auskuriert, welcher zurzeit im Wohnheim die Runde macht. Somit konnte ich nicht am Sonntag zum Strand in Chiba (Nami und Tina sind aber dahin; vielleicht kann man was in deren Blogs lesen). Das Wasser schien nach deutschen Zeugenaussagen aber schon etwas warm zu sein.

Am
Montag (03. Mai) habe ich mich etwas besser gefühlt und wollte mir mal den "Würstlmarkt" in Tokyo Midtown (Roppongi) ansehen. Ich wurde ursprünglich von einigen Leuten des Deutsch-Gasshuku eingeladen, hatte aber noch nicht richtig zusagen können. Spontan machte ich mich also dorthin auf und fand sie auch nach einigem Herumlaufen. Man kaufte sich überteuerte deutsche Spezereien und schwatzte bei 27°C in der Sonne. Ich habe mir leichten Sonnenbrand auf der Nase geholt.

Der Park in Tokyo Midtown mutierte spontan zu einer riesigen Picknickwiese, auf der sich die Japaner reihenweise Sonnenbrand holen konnten. Nicht auf dem Foto zu sehen ist eine Event-Fläche, auf der man verschiedene Rekorde brechen konnte und ein überfülltes "Bierzelt".

Bretzn und Würstl. Wie es sich für echte deutsche Importware gehört, musste man für ein paar Würstchen oder Bretzeln tief in die Tasche greifen. Für die in den beiden oberen Bildern dargestellten Spezereien musste man insgesamt 3400 Yen (ca. 30 Euro) bezahlen.

Die Meute des Tages. Im Hintergrund sieht man übrigens eine ca. 40 Meter lange Schlange von Bier und Wursthungrigen Japanern. Das Bier war schon am frühen Nachmittag ausverkauft gewesen, sodass man wohl notgedrungen auf Wein umsteigen musste.

Am
Samstag (08. Mai) war ein Treffen aller deutschen Studenten der Halle-Universität geplant, welche zurzeit an einer Universität in Tokyo studieren (Keio, Senshu, Sophia, oder Waseda). Insgesamt brachte es die Meute auf immerhin stattliche 12 Studenten, welche es sich in einem indischen Restaurant namens "Tom Boy 106" in Shibuya schmecken ließen.


Rundherum: Links die Meute des Tages im Kreis und rechts das Schild des indischen Restaurants.

Huhn und Curry: Es war schon im Voraus ein festgelegtes Menü bestellt worden und "nomi-houdai" (all you can trink) gab es auch. Das Essen war meiner Meinung nach typisch indisch. Also mit viel Curry und Schärfe.

Nachdem wir das Lokal wieder verlassen mussten, trennten sich wieder die Wege und einige machten sich noch zum Karaoke oder gingen bzw. fuhren wieder nach Hause.


Soweit von mir und meiner goldenen Woche.


Samstag, 1. Mai 2010

Im Osten nichts neues... fast nichts

Allzu viel gibt es von den Erlebnissen der vergangenen Woche nicht so viel zu erzählen. Ein bisschen erlebt wurde aber dennoch, was ich der interessierten Leserschaft mitteilen würde. Die uninteressierten können es auch machen.

Zum einen war am Abend des 24. April (Sa.) ein Treffen in Shibuya mit einigen Teilnehmern des Deutsch-Gasshukus, welches Anfang März in Toi auf Izu stattfand, geplant. Es sollte in ein italienisches Restaurant gehen. Bevor ich aufbrechen wollte hab ich noch von Shu, welche Nami im Wohnheim besucht hatte, die Videos vom Gasshuku im Februar 2009 bekommen. Die haben wir natürlich auch zu dritt gleich angeschaut.

Danach ging es zusammen mit Shu zum Treffpunkt in Shibuya.

Dieses Mal musste die Meute des Tages im Restaurant an zwei Tischen sitzen. Daher zwei Bilder. Auch wenn es so aussieht - es waren aber keine Zwillinge anwesend.

Salat und (Geburtstags-)Kuchen waren nicht die einzigen Speisen. Pasta und Co. waren nur leider etwas kamerascheu.

Nachdem wir wie die Mafia gespeist haben, rief man zum nijikai aus. Im Klartext wollte man das Trinken in eine andere Kneipe verlagern. Da es aber schon spät war, und ich wegen meines Sub-Manager-Jobs im Wohnheim vor Mitternacht wieder im selbigen sein musste, um die Küche zuzuschließen, verabschiedete ich micht von der Gruppe und fuhr wieder nach Hause. War dennoch ein netter Abend mit alten Gesichtern.

Tja... In der Woche war wieder Uni angesagt. Da mein Unterricht immer in der ersten und vierten Stunde ist, habe ich dazwischen immer etwas Zeit, um zu lernen und mit den anderen in der Mensa zu essen. Da ich ja neuerdings auch im Comiczirkel bin, kann man mich des öfteren nun auch im Zirkelzimmer finden. Je nachdem, wann man dort ist, kann man die unterschiedlichsten Leute dort vorfinden. Jedoch kann der Raum schon bei einer Mindestzahl von 7 Personen als "überfüllt" bezeichnet werden. Also sehr klein.
Genutzt wird der Raum hauptsächlich zum Schwatzen, Mangalesen (die haben da ein riesiges Regal), Zeichen und zum (Video-)Spiele spielen. Letzteres war aber erst wieder am Freitag (30. April) möglich, weil ja ein neuer Monitor angeschafft werden musste. Hab auch mitgedaddelt.


Soweit von meiner Woche.

Übrigens hat seit Donnerstag (29. April) die sogenannte "golden Week" angefangen. In dieser Zeit sind so viele Feiertage aneinander gereiht, dass man mit Wochenende und einem Brückentag eine ganze Woche frei haben kann. Aber mehr darüber vielleicht im nächsten Beitrag.


Montag, 15. Februar 2010

Valentinstag auf japanisch

Am 14. Februar (So.) war auch in Japan der Tag der Liebe und der Verliebten. Doch anders als in anderen Gefilden der Erde, wird der Valentinstag in Japan etwas anders praktiziert.
Eingeführt wurde dieser Tag von diversen japanischen Schokoladen- und Süßwarenherstellern, welche einfach etwas mehr Geld durch den Verkauf ihrer Waren bekommen wollten. So importierten sie die Idee des Valentinstages aus dem Ausland, welche auch Verbreitung im Lande fand. Da der Tag von Süßwarenherstellern initiiert wurde, verschenkt man nun "traditionellerweise" Schokolade.

Das ist das Rohmaterial (Quelle: Wikipedia).

Weiterhin gibt es die japanische Eigenart, dass am Valentinstag nur die Frauen und Mädels die Schokolade an die Männer und Buben verteilen. Allen anderen voran, wird das Naschzeug (natürlich selbst gemacht und bunt verziert) an die Geliebten und Verehrten geschenkt. Aber auch männliche Kollegen und Freunde dürfen sich über etwas (weniger geschmücktes) Schokofutter freuen, wenn sie ihren Kolleginnen bzw. Freundinnen gut gesonnen sind.

Schokoladenpralinen werden auch gerne verschenkt. Egal ob selbst gemachte oder gekauft (Quelle:Wikipedia).

Für beliebte Männer ist der Valentinstag ein Ereignis höchster Genüsse. Für viel schenkende Frauen hingegen steht am Vortag ein großer Berg an Arbeit an, denn die Pralinen müssen ja auch gegossen, und die Tafeln hübsch dekoriert und verpackt werden. Für die "do-it-yourself-Muffel" gibt es in den Kaufhäusern Regale voller Zuckerdekor und Schoko zum Selbstkaufen.

Schön verpackt. Die Aufwändigkeit der Verpackung hängt davon ab, ob der Beschenkte ein Geliebter oder nur ein Freund oder Kollege ist.

Aber Achtung! Die Beschenkten kommen nicht ungeschoren davon, denn einen Monat später stehen sie am White-Day in der Pflicht, allen Frauen, von denen sie etwas bekommen haben, auch wieder etwas zurück zu geben. In den meisten Fällen natürlich wieder Süßigkeiten, wie beispielsweise helle Schokolade. So müssen dann auch die beliebten Kerle kräftig in die Tasche greifen, wenn sie es sich nicht mit den Damen verscherzen wollen.

Und das will doch keiner, oder?


Donnerstag, 4. Februar 2010

Ferien - Flocken im Blitzlicht

Nun ist die erste Woche der Ferien rum, deren ersten drei Tage (Fr., Sa., So.) großzügig ausgeschlafen wurde. Mein Frühstück wurde zeitweise zum Mittagessen und das Mittagessen zum Abendbrot. Abends konnte ich endlich wieder lange in der Lounge sitzen bleiben, Fernsehen schauen und mit den Japanern quasseln.

Am Sonntag (30. Jan.) spielte ich mit Stefan in der Lounge ein Tabeltop-Spiel namens "Space Hulk", welches er sich vor einer Weile besorgt hatte. An sich ist es ein Brettspiel mit weitaus komplexeren Regeln und mehr Spielfiguren. Man kann es sich auch als ein "Videospiel in Spielbrettformat" vorstellen, von dem wir zwei Runden gespielt haben. Insgesamt haben wir dafür drei Stunden gebraucht.

Am Montag (01. Feb.) habe ich mal wieder Lust gehabt, etwas früher (gegen 09:00 Uhr) aufzustehen. Aber als ich aus dem Fenster und in den mit Wolken verhangenen Himmel blickte, wollte ich mich am liebsten wieder "ins Nest" zurückbegeben. Aber da noch Einkäufe anstanden, musste ich den grauen Tag ertragen. Gegen zwei Uhr nachmittags fing es mit Regnen an und ich machte mich in die Lounge runter, wo ich die häkelnde Nami und Marlene fand. Sie planen die nächsten drei Tage durchzuhäkeln. Ein Häkelmarathon also... Liane kam auch mal kurz runter und machte sich ihr Mittagessen und erzählte mir von ihren Plänen für die nächste Zeit. Es war eine Kurzreise nach Sapporo in Hokkaido geplant. Dort findet das berühmte Schneefest statt.
Ich verzog mich in die Küche und machte Bratkartoffeln zum Mittag und eine riesige Menge an Milchreis, welche wahrscheinlich noch für die nächste Woche reichen wird.
Als es gegen Abend kälter wurde, geschah das Unfassbare: Es schneite in dicken, weißen Flocken, welche sogar liegen blieben. Da so etwas im Großraum Tokyo und in der Kanto-Ebene schon fast so selten wie ein Lottogewinn ist, haben auch die Japaner große Augen und einige Fotos gemacht. Für einen Bewohner aus Taiwan war es sogar der erste Schnee, welchen er jemals fallen gesehen hat.
Schnell wurden auch ein paar Schneebälle geworfen,und ein Schneemann (-monster) gebaut. Abend sah ich kurz Tina, welche am nächsten Tag für eine kurze Zeit nach Deutschland zurückfliegt. Ich seh' sie also erst wieder im März.



Sogar die Nachrichten berichteten live von dem seltenen Ereignis in Tokyo. An sich war dieser Winter einer der kältesten und schneelastigsten seit langer Zeit. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Gebieten der Welt.

So plötzlich wie die weiße Pracht kam, so schnell verschwand sie aber auch am Dienstag (02. Feb.) schon wieder. Bis auf ein paar Schneehaufen an den Staßenrändern blieb nur noch Nässe übrig. Naja... Wenigstens hat es nicht weiter geregnet und der Himmel hatte sich aufgeklärt.
Meteorologisch gesehen gibt es im Februar noch einmal eine letzte große Kälte bevor der Frühling und die Wärme kommen. In dieser Zeit findet auch das sogenannte "setsubun" (japanischer Frühlingsanfang) statt. Meist werden dann am 03./04. Februar traditionellerweise Bohnen geworfen (mamemaki), während man dabei "oni wa soto - fuku wa uchi" ("Teufel raus - Glück in's Haus") ruft. Man isst auch eine riesige, "eho-maki" genannte Sushirolle von grob 20cm Länge und 5cm Durchmesser, von der man garantiert satt wird.

Das sind die drei typischen Merkmale des Setsubun. Die gerösteten Sojabohnen werden geworfen, um die Teufel zu vertreiben. Oft muss jemand aus der Familie dafür herhalten und die Maske aufsetzten, damit man auch was zum Zielen hat. Die Bohnen schmecken fast schon wie Erdnüsse. Ebenfalls isst man diese großen Reisrollen, welche mit vielerlei Dingen gefüllt sind (Bild: Wikipedia).

Soviel zum Kulturteil.

Ich hatte mir an diesem Tag vorgenommen nach Ochanomizu zu fahren um mir dort ein Instrument zu kaufen. Am Tag zuvor hatte ich mich mit Kei [Am.] darüber unterhalten und herausgefunden, dass es sogar unerwartet günstig ist. Leider war es nicht mehr in Ochanomizu's bekanntester Instrumenten-Straße erhältlich, und ich ging daher nach einer kleinen Zwischenmahlzeit in der Sophia-Uni nach Takadanobaba (schweres Wort). Dort sollte es laut Kei einen Musikladen namens "Marmelada" geben, welcher auch das ominöse Instrument vertreiben soll. Aber als ich jedoch nach zwei Stunden strammen Fußmarsches und Gesprächen mit der örtlichen Polizei (netter Kerl) den Laden in einer kleinen Seitenstraße gefunden habe, war er schon leider gegen 16:00 Uhr geschlossen. So verschlossen, dass ich erst drei Mal daran vorbeirennen musste, um zu realisieren, dass die verschlossenen Rollläden wahrscheinlich doch keine Garagen abschlossen sondern den Laden. Etwas deprimiert ging es wieder nach Hause.
Was es übrigens für ein Instrument ist, wird noch nicht verraten. Erst, wenn ich es haben sollte.

Dieses unscheinbare Wohnhaus verbirgt den Laden. Man sieht nicht einmal, dass es dort überhaupt einen gibt. Nur die Rolläden lassen etwas vermuten. Es hätten ja auch Garagen sein können.

Am 03. Februar. (Mi.) ging es mit Leon, Kazu, Kei, Fox [Am.] und Gustavo [Bras.] zum "Round 1", dessen genaue Ortsbeschreibung mir leider entfallen ist. "Round 1" kann jedenfalls als eine Art "Freizeitsportzentrum" verstanden werden, in den man sich mit unterschiedlichsten Aktivitäten die Zeit vertreiben kann.
Darunter waren Sportarten wie Baseball, Basketball, Bogenschießen, Fußball, Golf, Tennis, Tischtennis, Rollschuh- und Inlinerfahren, Dart, Billard sowie Minibikes und noch einiges mehr zu finden. Daneben gab es auch noch extrem viele Spielautomaten, eine Karaokeecke und sogar einen Manga-Lesebereich mit Massagesesseln, um sich von dem ganzen anderen Kram auch wieder zu erholen.

Das war die Meute des Tages. Von vorn nach hinten: Kei, Fox (Spitzname), Gustavo, Kazu und Leon.


Das ist das "Round 1": Ein riesiges Gebäude, in dem man auf vier Etagen alles erdenkliche finden kann, um seine Zeit totzuschlagen und um sich auszupowern. Im Erdgeschoss gab es viele Münzautomaten, von denen wir eher etwas Abstand gehalten haben. In der Etage darüber gab es unmengen an Purikura-Automaten. In der dritten und vierten Etage waren dann die Sport- und Spielanlagen.



Sportschießen mit Erbsen und "Bowling", was wohl vielmehr Kegeln mit 10 Pins war.


Dart und Rodeo auf dem mechanischen Bullen.

Miniaturmotorräder, auf denen besonders Leon und ich wegen unserer Körpergröße arg zu kämpfen hatten. Im Rausch der Geschwindigkeit (5 km/h) fuhren wir ein atemberaubendes Rennen um Ruhm und Ehre, bei dem wir wahrscheinlich ein lustiges Bild abgegeben haben.


Auf. dem Dach gab es noch Baseball (auf dem dunklen Bild erwarte ich gerade den nächsten Ball) und auch Tennis-, sowie Volleyballplätze. Während wir spielten, fing es an zu schneinen.

Bogenschießen konnte man zwar auch. Aber leider sahen sowohl Bögen und Pfeile sehr mitgenommen aus.

Zuletzt probierten wir noch die Arcade-Automaten aus. Hier gerade Leon und Kazu in einem Flugsimulator zu sehen, dessen Sitze sich mit den Bewegungen des Kontrollknüppels bewegeten. Ich saß in einem Sci-Fi Rennspiel namens F-Zero AX mit den gleichen Effekten. Ich wurde jedoch aufgrund der sehr hektischen Streckenführung wie in einer Waschmaschine durchgeschüttelt.

Wir konnten zwar für die 1500Yen Eintritt so lange in diesem Spielparadies bleiben, wie wir wollten; mussten aber nach einem fünfstündigen Aufenthalt erschöpft aufgeben. Wir fuhren also wieder mit Bus und Bahn gen Wohnheim, wo ich dann noch meine drei Reisbällchen aus dem Conveni vertilgt habe und endlich die Füße hochlegen konnte.

Am Donnerstag (04. Feb.) habe ich meinen Blog geschrieben und meinen Muskelkater auskuriert.


Soweit von mir.


Übrigens: Vielen Dank für die Kommentare in meinem letzten Beitrag.