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Dienstag, 5. Oktober 2010

Unterhaltung pur - Fernsehen in Japan

Wenn man in Japan einmal die Gelegenheit hat, es sich am Abend auf einer Couch bequem machen zu können und den Fernseher einzuschalten, wird man in eine etwas andere Unterhaltungswelt eintauchen, als man es wahrscheinlich in Deutschland gewohnt ist. Die Eigenheiten der japanischer Fernsehkultur, denen man beim gemütlichen Stündchen vor der Glotze begegnen könnte, sind sowohl interessant, als auch so umfangreich, dass man sogar eine Abschlussarbeit darüber schreiben könnte.

Erwähnt sei hier noch, dass ich mich insbesondere den japanischen Unterhaltungsshows widmen werde, da diese sich am stärksten von unseren Formaten unterscheiden. Nun aber Füße hoch, bitte nicht umschalten und bleiben Sie dran!

Die "Prime-Time" (also die Zeit, in der rein statistisch gesehen die meisten Menschen fernsehen sollten) wird in Japan als "Golden-Hour" bezeichnet und liegt ungefähr zwischen 20 und 21 Uhr. Dort strahlen die Sender ihre besten Formate ins Land und hoffen auf gute Einschaltquoten.

In dieser Zeit kann man auch viele Spezialsendungen sehen, die sich oftmals um ein oder mehrere spezielle Themen drehen, und in denen ein bekannter Moderator mit seiner Co-Moderatorin auftritt. Dieser begrüßt nun seine vielen, vielen Gäste, welche aufgrund ihrer Vielzahl platzsparend auf einer treppenartigen Tribüne platziert werden. Es gibt nämlich kein großes Gästesofa der Marke „Wetten Dass?“. Für den Fall, dass auch Spezialisten in der Show auftreten, sitzen diese dann auf der anderen Seite des Bühnenbildes, und dürfen von dort ihre hochgeschätzte Expertenmeinung abgeben.

Schön gestapelt: Bei oftmals mehr als zehn Gästen in der Show müssen diese platzsparend arrangiert werden.

Was einem übrigens an der Dekoration im Studio auffällt, ist die starke Dominanz knallbunter und ausladender Beschmückung. Ohne Rücksicht auf Verluste werden knallige Farben mit blinkenden Lichtern kombiniert und diese überall im Studio verteilt, damit dem Zuschauer bloß nicht langweilig werden könnte. Oftmals sieht man auch aufwändig zusammengestellte Blumensträuße, hinter denen sich auch schon ab und an ein Kameramann verstecken kann.

Nur ein kleiner Ausschnitt, aber man sieht, wie es im Hintergrund funkelt und strahlt.

Und es bleibt nicht nur bei dem Bühnenbild, wenn es um aufwändig gebastelte Dinge geht. Alles, was man genauer erklären oder zeigen möchte, wird entweder zusammen mit einem bunten Bild dargestellt, oder sogar im Studio, anhand von Puppen oder Schautafeln, erläutert. Manchmal hält der Moderator zum Beispiel auch nur ein einfaches Pappschild hoch, von dem er dann nach und nach Sticker entfernt, welche Rangplätze etc. verdeckt haben. So etwas an einem Bildschirm zu zeigen, wäre ja wahrscheinlich auch weniger (be-)greifbar, oder?
Oftmals werden im Studio sogar die Nahrungsmittel aufgefahren, welche im Beitrag zuvor gezeigt, damit sich auch die Treppenprominenz ein Bild vom Geschmack machen kann (reichlich gegessen wird im Studio übrigens nicht nur zu Kochsendungen).



Schön anschaulich: Egal ob mit Bild oder sogar gebastelter Tafel. Anschaulich kann man nachvollziehen, wie es aussieht, wenn man beispielsweise oft an andere Leute rempelt, oder wie die Nerven im Körper verlaufen.

Wenn während der Show etwas gesagt wird, das einer Betonung bedarf, oder einfach nur lustig sein soll, so wird der Sprecher unverzüglich mit einer passend formatierten - manchmals sogar auch animierten - Schrift unterlegt, um es noch mehr zu betonen. Und diese Untertitel sind nicht wegen den Hörgeschädigten entstanden! Die Texte für Hörgeschädigte kann man sich nämlich auch separat einblenden lassen, was bei den digitalen Programmen auch fast immer machbar ist.

Zur Festigung des bisher Gelernten, habe ich nun ein kleines Video hier hereingepackt, in dem man einige der bisher genannten Dinge wiederfinden kann. In dieser Show namens "Himitsu no Kenmin Show" (grob: "Die Show der geheimnisvollen Präfekurbewohner") werden japanische Präfekturen erklärt, und einige ihrer Spezialitäten und Attraktionen vorgestellt. Hier ist es Fukushima.



Nun aber weiter im Text.

Kommen nun Beiträge in der Show, so fallen einem in den Bildschirmecken oftmals die Promis in den kleinen Kästchen auf, die sich gerade in irgendeiner Reaktion offen über das gerade Gezeigte äußern. Und diese Reaktionen sind bei Japanern häufig und offen heraus. Denn während Unsereins dem Beitrag still zuhört, wird unter Japanern alles kommentiert und merklich zur Kenntnis genommen. Ausdrücke des Erstaunens gehören dabei sogar schon genauso zum Stammrepertoire, wie das ausdrucksvolle Verstehen. Ab und an, hört man sogar das Publikum im Hintergrund in schierer Verwunderung mit „Ohhh!“ und „Ahhh!“ aufschreien. Das sind keine Überreaktionen! Das ist ein Zeichen, dass man dem Gezeigten seine vollste Aufmerksamkeit schenkt. (Dieses Phänomen lässt sich übrigens sogar in Alltagsgesprächen wiederfinden, was während Unterhaltungen mit ihnen den Eindruck erwecken könnte, dass Japaner etwas „euphorische“ oder „überaktive“ Zuhörer sein könnten.)

Auch im japanischen Fernsehen kommt man nicht um Werbung herum. Doch es lohnt sich erst gar nicht die Fernbedienung zum Zappen in die Hand zu nehmen, denn nach ein oder zwei Minuten geht das Programm auch schon wieder weiter. Für den an ewig lange Werbepausen gewohnten Deutschen ist dies wahrhaftig nur ein kurzer Augenblick, doch der Schein von Blitzwerbung im japanischen Fernsehen hat einen bitteren Nachgeschmack: Die Pausen kommen häufiger. Kaum ist ein Werbeblock vorbei, ist nach 15 Minuten Sendung schon wieder der Nächste dran.
Und das Timing scheint perfekt. Kurz bevor die Webung startet, gibt es eine kleine Vorschau. Damit in ihr aber nicht alles verraten wird, werden die wichtigen Bilder verpixelt, und die Sätze übertönt. Wenn also während der Sendung jemand plötzlich eine verschwommene Pixelmasse mit Stäbchen hochhebt, dann ist die nächste Werbepause auch nicht Fern.

Ja was könnte denn das sein? Jedenfalls ist hier wahrscheinlich nichts obszönes Zensiert worden. Sobald man diesen, mit "Geheimnis" markierten Pixelhaufen sieht, kann man schon mal zur Toilette gehen, denn die nächste Werbepause ist nicht fern.

Nach der Werbung sieht man dann, dass die Pixelmasse ein Stück saftiges Rindfleisch, Gemüse oder anderes Nahrungsmittel gewesen ist. In vielen Sendungen drehen sich die Themen um regionale Besonderheiten. Und dazu gehören bei Japanern neben lokalen Attraktionen auch Nahrungsmittel, welche in der Region am leckersten Schmecken sollen. Am Ende des ersten Videos wurde beispielsweise über eine besondere Zugabe für Sojasoße geredet, die nur in der japanischen Präfektur Fukushima bekannt sein soll. (Allgemein kennt ein Japaner die Ecken Japans größtenteils anhand der dort vorkommenden Spezialitäten.)
Es können sich sogar ganze Sendereihen um die leckersten Restaurants für Reis oder die besten Anbaugebiete für japanischen Rettich drehen. Jede Spezialität wird dann auch dementsprechend mit einer Nahaufnahme ins Bild gefasst.



Leckerschmecker: Alles, was essbar ist, bekommet eine Nahaufnahme. Japaner wissen nun mal das Essen zu schätzen. Aber wenn man Hunger haben sollte, dann drücken solche Bilder noch mehr auf den Magen.

Das war nun mein Mammuteintrag, und falls noch etwas Energie übrig sein sollte, der kann sich bei einem weiteren Video entspannen. Thema: Die Top 5 der Präfekturen Japans mit den ungeduldigsten Menschen.

Die Präfektur mit den ungeduldigsten Leuten ist übrigens Osaka, in der die Leute sogar bei Rot über die Ampel laufen, und niemand auf der Rolltreppe stehen bleibt.


Soweit von mir.

Samstag, 2. Januar 2010

Gut gerutscht - Jahreswechsel in Japan

Neues Jahr - alter Blog. Es kommt mir bei diesem Eintrag vor, als ob ich über eine Woche schreiben würde. Aber es sind nur drei Tage, an denen aber 'ne Menge gemacht wurde. Es wird eine Menge an Lesestoff werden, mit dem ich wahrscheinlich die folgenden, ereignislosen Tage kompensieren werde.

Nun denn...

Der 31. Dezember (Do.); also der letzte Tag des Jahres wird in Japan O-misoka genannt. Weil Leon und ich in unseren allabendlichen Tischtennisspielen den Tischtennisballvorrat im DK Warabi pulverisiert haben, entschieden wir uns an diesem Tag ein paar Ersatzbälle zu besorgen. Aber da uns der "Supermarkt umme Ecke" zu langweilig war, verknüpften wir unsere Pflicht mit einer Tour nach Shibuya. Einerseits, weil wir dank Monatsticket etwas sparen konnten, und andererseits, weil Leon noch nie dagewesen war.

Wir fuhren also mit der Keihin-Tohoku- und der Saikyo-Linie zum besagten Ort und haben uns erst einmal in einem Musikladen aufgetaut (es war bewölkt und kalt). Als sich die Sonne und der Hunger zeigten, entschieden wir uns nach einem günstigen Lokal zu suchen. Da wir aber bei sporadischer Suche keinen Laden finden konnte, welcher Fleischloses für billig Geld verkaufte (Leon ist Vegetarier; ich muss sparen), entschieden wir uns kurzerhand für Reisbällchen und Sushi aus dem Convenient-Store. Das Essen verspeisten wir nach erfolglosem Sitzgelegenheiten-Suchen auf einer Mauer sitzend am Straßenrand in der Nähe des Yoyogi-Parks. Nebenbei knipsten wir auch ein paar Bilder



"Auf der Mauer, auf der Lauer." Da man wahrscheinlich alle Bänke in Shinjuku und Harajuku entfernt zu haben schien, haben wir es uns auf einer Mauer im Sonnenschein bequem gemacht. Dank unserer Größe (Leon: 193cm; ich: 192cm) konnten wir sie auch recht einfach erklimmen. Sehr zum Erstaunen einiger Passanten.

Nachdem wir gesättigt waren, besuchten wir den Yoyogi-Park, welchen ich mir auch schon im Februar mit einigen Freunden angesehen habe.


Innerhalb des Parks wimmelte es nur so von Raben. Anscheinend schienen sie dort ihr Hauptquartier zu haben. Neben dem schwarzen Federvieh flanierten auch eine Menge Besucher auf den Wegen, welche die Sonnenstrahlen, den Springbrunnen und das "zwitschern" der Raben genossen.

Körperlich und seelisch gestärkt machten wir uns nach dem Parkbesuch auf die Suche nach einem Geschäft, welches Tischtennisbälle verkaufte. Da wir nicht genau wussten, wo das nächstbeste Örtchen dafür zu finden war, gingen wir in die Takeshita-Dori (auch ein altbekannter Ort für mich). Und dort fanden wir auch in einem Laden Bälle und ein japanisches Kartenspiel mit dem Namen "Hanafuda", welches ich so gerne spiele. Danach wollte ich noch Leon einen kleinen Schrein zeigen, welchen ich damals mit Nami und Shu zufälligerweise entdeckt haben.

Das ist die Takeshita-Dori, wie man sie im Februar sehen konnte. Ich habe leider kein aktuelles Bild geknipst, aber bis auf die unterschiedliche Ballon-Figur und dem schlechten Wetter sah sie noch genau so aus.

Am besagten Schrein angekommen hatten wir das Glück an einer rituellen Reinigung des Schreingeländes beizuwohnen, welche zum Jahresende an allen Shintoschreinen durchgeführt wird. Ich habe aber aus Respekt keine Fotos geschossen.

Auch ein altes Bild. Bei der Zeremonie waren an die zehn Priester, zwei Schreinjungfrauen und noch ein paar Gehilfen beteiligt. Die Zuschauer wurden bei der Gelegenheit ebenfalls rituell gereinigt. Am interessantesten fand ich das Ritual, bei dem man sich das Böse mit einem Stück Papier von sich abwischen musste. Da wir keine Shintoisten sind haben wir uns aber nicht abgeputzt.

Danach ging es wieder ins Wohnheim in dem ich am Abend zusammen mit Leon, Nami, Alisa [Rus.], sowie mit Tina und Freunden in das neue Jahr feiern wollte.
Zum Abend haben wir uns also in der Lounge versammelt und schauten bis kurz vor Mitternacht eine der berühmtesten Fernsehsendung in Japan. Diese hieß "Kouhaku Uta Gassen", in welcher das rote Team (berühmte weibliche Sänger) gegen das weiße Team (berühmte männliche Sänger) antritt und am Ende der Show (nach 5 Stunden) der Sieger gewählt wird. An diesem Abend waren die Männer die Sieger. Beim Anschauen fühle es sich fast so an wie der Eurovision Song Contest. Nur, dass es nicht so viele Parteien gab. Bei der Abstimmung konnten wir sogar per Fernbedienung mitwählen.

Als es Mitternacht schlug, sahen wir im Fernsehen, wie unendlich viele Menschen an einem Tempel in der Nähe des Tokyo Towers unendlich viele Ballons in den Nachthimmel entließen. Im Gegensatz zu meinem heimatlichen Neujahrsbrauch wird in Japan aber kein Feuerwerk gezündet. Nicht ein einziger Mensch ließ es knallen. Irgendwie schön und schade zugleicht. Kein Rauch, Lärm oder Müll.

Wir stießen noch auf das neue Jahr an und schauten noch etwas Fernsehen, bis einer nach dem anderen ins Bett ging.

Am ersten Januar (Fr.) wollten wir (Leon, Tina, Alisa und ich) es den Japanern gleichtun und den ersten Schreinbesuch des Jahres (Hatsumoude) zum japanischen Neujahr (Shougatsu) zelebrieren. Da der Meiji-Schrein aber allen Anschein überlaufen war, entschieden wir uns zum Schein und zum Tempel in Warabi zu laufen.

Als erstes gingen wir zum Tempel, welchen ich zu meiner Schande auch schon mal etwas früher besucht haben könnte. Dort war es noch nicht so voll. Eher schon idyllisch.

Neujahr am Tempel. Kaum eine Menschenseele war auf dem Tempelgelände zu sehen.

Da der Schrein nicht so weit vom Tempel entfernt war, machten wir auch einen Abstecher dorthin. Aber im Gegensatz zu dem buddhistischen Gegenpart waren hier wesentlich mehr Leute anwesend, welche eine Riesenschlange bildeten (ca. 80 bis 100 Meter) um am Schrein für ein gutes Jahr zu beten. Auf dem Scheingelände konnte man sich auch an einigen Läden Glücksbringer, Essen und sogar Videospiel kaufen. Fast schon wie Flohmarkt.



Eine Menge Leute besuchten den Schrein, auf dessen Gelände man allerhand Dinge erstehen konnte. Unten links sieht man den Wunschhelfer Daruma, dessen rechte Pupille man ausmalen soll, wenn man einen Wunsch hat. Ist der Wunsch erfüllt, kann man auch die zweite Pupille ausmalen. Im Bild daneben sieht man das Okonomiyaki, welches ich mir gegönnt habe, und was himmlisch geschmeckt hat (auch wenn's nicht so aussieht).

Danch machten wir uns wieder auf dem Nachhauseweg, und ließen den ersten Tag des Jahres ruhig und gemütlich ausklingen, indem wir in der Lounge eine sehr bekannte Fernsehserie namens "Sasuke" schauten. In dieser Spielshow versuchen die Teilnehmer einen sehr kräftezehrenden Hindernislauf zu bewältigen, welchen man angeblich nur mit Ninjakräften bewältigen kann. Hier ein Zusammenschnitt des Gewinners von 2006 (welcher aber auch 2010 teilnahm):


Das schlaucht schon beim Zusehen. Dieser fitte Herr mit dem Namen Makoto Nagano, schaffte den Parcour im Jahre 2006. 2010 rutschte er schon in der ersten Runde versehentlich aus, und musste ausscheiden. Aber nächstes Jahr gibt es auch eine neue Chance.

Danach ging es ins Bett.

Am 02. Januar (Sa.) war nichts spannendes passiert. Am Abend gab es wieder ein besonderes Programm im TV zu sehen. Es war ein Kabukistück, welches man zu Neujahr spielt. Somit haben wir auch etwas Kultur zu sehen bekommen. Hier ist etwas Kabuki (Werbefilm für ein Kabukispiel im Kino) für alle, welche es noch nicht kennen sollten:


Die Flöten, Trommeln und verzerrten Gesichter sind das Hauptmerkmal von Kabuki. Streng eingehaltenene Choreografien und schrille Töne gehören auch dazu.

Ab dem 03. Januar (So.) beginnen meine Vorbereitungen für die Uni, welche am 05. wieder weitergeht. Große Pläne sind also an den letzten Tagen der Winterferien nicht gesteckt. Demzufolge auch leider keine nennenswerten Einträge.


Soweit von mir.


Übrigens ist im japanischen Horoskop das Jahr 2010 das Jahr des Tigers. Das merkt man spätestens daran, dass die japanischen Neujahrskarten oftmals mit Tigermotiven bedruckt werden.


Montag, 23. Februar 2009

Riesiges Roppongi...

(Montag 23. Februar)

"Die größten Gebäude Tokyos gibt es in Roppongi."

So war zumindest mein persönlicher Eindruck, als wir bei Nieselwetter aus dem Bahnhof stiegen und gleich mehrere Gebäude sahen, welche die Regenwolken kratzen konnten. Unsere erste kleine Station war (schon wieder) eine Fernsehzentrale. Dieses Mal war es die Zentrale von "TV Asahi", in der man kostenlos im Erdgeschoss umherstreifen, und sich über die Programme des Senders informieren konnte. Kleines Highlight: Eine große, interaktive Weltkugel, welche man drehen konnte und an einem Bildschirm das aktuelle Wetter oder die Tageszeit sah.




Oben: Die "Meute des Tages"
heute mal im Erdgeschoss des Fernsehsenders "TV Asahi". Das blau Ding im Hintergrund ist eine aus der Zukunft kommende Roboterkatze namens "Doraemon" und ist sehr bekannt unter den Japanern. Neu in der Meute ist Caro, welche auch aus Deutschland kommt und einen Monat in Japan verbringen wird.
Video: Die Welt dreht sich auch mal für Shu. Ein kleines interaktives Spielchen.


Danach ging es zum Essen. Und das sogar mal wieder recht günstig. Eine Hamburgerbulette, ein Stück Hühnerbrust und Gemüsekrams (gabs in ner kleinen Pfanne). Dazu noch Reis und ein Getränk (Melonenlimo). Gestärkt ging es auch gleich zum National Art Center in Tokyo.

Kunst: Wie es sich gehört ist das Gebäude des Kunstmuseums schon selber ein Kunstwerk. Wer allerdings auf die Idee kommt lilafarbene Teller an einen Baum zu hängen ist muss schon sehr "kreativ" sein. Im Museum war gerade eine Ausstellung von Kayama Matazo. Leider war das Fotografieren in der Ausstellung nicht erlaubt, daher kann man höchstens mal nachgoogeln (einfach mal "加山 又造" bei der Google Bildersuche eingeben). Übrigens scheint überall in Roppongi das ein oder andere Kunstwerk herumzuliegen oder zu hängen.

Nach der Kultur folgte der Konsum. Oder vielmehr: einfach nur mal schauen, wofür man sein Geld
ausgeben könnte, wenn man es hätte. Wir gingen in ein kleines Geschäft, in dem man kleine (überteuerte) Keramiktellerchen kaufen konnte auf denen man kleine (überteuerte) Süßigkeiten legen konnte. Im selben Gebäude kauften wir uns dann noch ein Eisbecherchen, welches wir genüsslich weglöffelten und dann ging es auch wieder weiter.

Der Ausflug in Roppongi endete genauso wie er begann: An einem Fernsehsender. Es war TBS, dessen Maskottchen ein kleines schwarzes Schwein namens "BoBoo" ist. Recht knuffig, wie eigentlich jedes Maskottchen in Japan.


Nun endete auch dieser Tag recht früh und es ging wieder gen Hiyoshi. Am Bahnhof suchte ich eine halbe Stunde lang nach der Post, weil ich einen Umschlag kaufen wollte. Als ich das kleine Lädchen in einer unscheinbaren Ecke des Bahnhofgebäudes fand, war es schon seit 10 Minuten geschlossen. Pech aber auch.

Morgen ist ein freier Tag und da werde ich es noch einmal probieren.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Bummeln, drehen und spielen in Odaiba

"Auf nach Odaiba", hieß es am heutigen Tag. Nach der mittlerweile zum Standard gewordenen Tour mit der Bahn errichten wir unseren Treffpunkt in Shinbachi, von dort es auch gleich überirdisch in einer vollautomatisch gesteuerten Bahn über die Rainbow Bridge ging (siehe Webcam am unteren Ende der Seite). Die Sonne schien, und brachte das Wasser in der Bucht von Tokyo zum funkeln.
Die "Meute des Tages" mit der Bucht von Tokyo und der Rainbow Bridge im Rücken.

Irgendwo falsch abgebogen? In der Nähe des Einkaufscenters "Dockss" fanden wir die geschrumpfte Version der Statue. Was die allerdings hier zu suchen hatte war mir schleierhaft. Im Hintergrund kann man die Rainbow Bridge sehen, welch sich über die Bucht spannt.

Als wir in Odaiba angekommen waren, wollten wir ersteinmal einige Souvenirs kaufen gehen. Leider erwiesen sich die Preise als sehr gesalzen, dass wir mit den Andenken lieber noch etwas auf eine "günstigere" Gelegenheit warteten. Statt dessen haben wir Mittag in einem Lokal gegessen, in dem man wie in einer japanischen Grundschule zu Mittag essen konnte.

Wie damals: In den Grundschulen wird das Mittagessen im Klassenzimmer gegessen. Während
des Essens können auch die Bänke zusammengeschoben werden, damit man nicht alleine essen muss. Gegessen wurde Boku-Curry, welches dank seiner Schärfe unsere Gesichter etwas rötete. Für mich gab es auch wieder ein paar Extraportionen, da nicht alle ihr Mahl geschafft haben.

Nachdem alle wieder glücklich und satt w
aren, ging es wieder zum Fernsehen. Dieses Mal kam Fuji TV dran, dessen Gebäude eine markante Kugel in seiner Architektur beherbergt.


Die Zentrale des japanischen Fernsehsenders Fuji TV hat eine riesige Kugel, in der eine Ausstellung ist, und aus der man eine wunderbare Aussicht über die Stadt bekommt. Überall im Gebäude kann man sich zu diversen Sendungen, welche bei Fuji TV, laufen informieren. Der kleine blaue Hund ist das Maskottchen des Senders.

Nachdem wir den Sender hinter uns gelassen haben ging es schnurstracks in Richtung des Riesenrades, welches sich in Palette Town* befindet.
* Unterhaltungs- und Einkaufsgebiet auf Odaiba



Rund und Bunt: Als Gruppe von 4 bis 6 Personen kostet eine Tour im Riesenrad 3000 Yen ** . Dafür kann man einen wundervollen Ausblick über den Hafen und die Bucht von Tokyo genießen, und die ankommenden Flugzeuge des nahegelegenen Flughafens landen sehen. Wer besonders mutig ist, der kann in eine vollständig durchsichtige Gondel steigen und auch den Blick nach unten genießen (wer sucht, kann sie im Bild finden). In den Gondeln gibt es Sitzheitzungen, damit man nicht fröstelt. Besonders toll sieht das Rad bei Nacht aus, weil es dann in allen Farben blinkt und schimmert.
** ca. 25 Euro

Für den letzten Punkt auf unserem Tagesplan ging es in ein Gamecenter, wo wir uns in einem Purikura-Fotoautomaten ablichten ließen und ein paar Spiele ausprobierten.

Trommeln und Tanzen: Ich probierte mich an den Taiko-Trommeln und Shu legte eine heiße Sohle bei "Dance Dance Revolution" aufs Parkett.

Erschöpft und mit trägen Beinen ging es dann auch schon wieder zurück ins Wohnheim.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Bis die Füße brannten - Harajuku

(Mittwoch 18. Februar)

Heute ging es wieder nach Shibuya. Aber dieses Mal in der Begleitung von "unseren Japanern", welche sich weitaus souveräner durch die Straßen des Stadtteils schlängelten als wir vor 2 Tagen. Als wir eine kleine Weile durch die üblicherweise vollen Straßen gelaufen waren, kamen wir in der Nähe des Rundfunksenders NHK (Nihon Housou Kyoukai*) heraus. Und da wir spontan nichts besseres zu tun hatten, haben wir den "Station Park" des Senders besucht.
* japanische Rundfunkgesellschaft

Oben: Die Eintrittskarte für den Station Park des NHK. Im Grunde ist das sowas wie eine Ausstellung rund ums (NHK-)Fernsehen. Es wurde gezeigt, wie Nachrichten gemacht werden. Wie NHK seine Programme ausstrahlt (HDTV) und noch ein paar geschichtliche Fakten (NHK war beim Mauerfall in Deutschland dabei).
Unten sind zwei der Gebäude zu sehen, welche zum NHK dazugehören und daneben sieht man die Empfangshalle, wo manvon einem Kameramann gefilmt wurde und man sich dann auf der Mattscheibe bestaunen konnte.



Spontanerweise machte ich auch bei den Nachrichten mit... aber seht am besten selber:


Danach ging unser Grüppchen in den nahegelegenen Yoyogi-Park. Dort war es im Vergleich zum Lärm und der Enge im Zentrum von Shibuya idyllisch, ruhig und sehr weitläufig.

Ein riesiges Parkgelände erstreckte sich vor uns, als wir den Yoyogi-Park betraten. Die Bäume waren größtenteils noch alle kahl und man hörte mehr das Rufen der Raben, als der Singvögel, aber dennoch wirkte dir Umgebung sehr angenehm. Im Park stand eine kleine Gruppe von Pflaumenbäumen, welche in rosafarbenen Blüten blühten.

Die "Meute des Tages" vor den Pflaumenblüten im Yoyogi-Park geknipst.


Als wir eine Runde im Park gedreht haben, gingen wir in einem kleinen Lokal Ramen** gegessen. Das war bisher das leckerste, was die japanische Küche zu bieten hatte! Soll jetzt aber nicht heißen, dass das andere Essen nicht schmeckt. Das Beste beim Essen von Nudelgerichten ist das Schlürfen. Es wird nicht nur toleriert, sondern ist auch ein geschlabbertes Lob an den Koch.
** japanische Nudelsuppe mit vielen leckeren Sachen drin. Werden mit Stäbchen gegessen, daher eine kleine Herausforderung.

Nach dem Essen soll man bekanntlich ruhen oder tausend schritte tun. Doch obwohl nun einige jetzt "MÜDE" statt "HUNGER" riefen, gingen wir zum Meiji-Jingu***. In diesem Schrein wohnen die Kami des damaligen japanischen Kaisers und seiner Familie aus der Meiji-Epoche****.
*** Jingu = Shintoschrein
**** Meiji Ära: 1868 bis 1912


Oben: Der Eingang des Tempels wird von einem großen, hölzernen Tor markiert. Doch bevor man hindurchschreitet, muss man seine Hände mit Wasser waschen. Da die Temperaturen nun nicht mehr so kuschelig waren sind einem fast die Hände abgefroren. Und kein Handtuch in Sichtweite.
Unten Links: Vor dem Tempel stehen Sake-Fässer*****, welche dem Schrein gespendet worden.
Unten Rechts: Im Tempel kann jeder für etwas Geld ein kleines Holzbrettchen nehmen und seine Wünsche daraufschreiben. Diese werden dan aufgehangen. Man kann dutzeden Sprachen finden, aber größtenteils wünschen sich alle Glück, Gesundheit für sich und die Familie. Ein besonderer Wunsch war eine beheitzte Klobrille.
***** Sake ist japanischer Reiswein


Im Schrein konnte man etwas Geld in den Oferstock werfen und sein kleines Gebet sprechen. Doch man muss aufpassen, dass man die Reihenfolge und die Häufigkeit des Klatschens und Verbeugens beachtet. Zweimal Klatschen (Hände danach zusdammen lassen) - zweimal Verbeugen - Beten und noch eimal klatschen. Kleine Abweichungen in der Prozedur hab ich dennoch bei dem ein oder anderern gesehen.

Nach dem Schreinbesuch im großen Gelände ging es wieder in das Getümmel von Harayuku und der Takeshita Dori. Es gelüstete uns wieder nach einem Crepe.

Als auch das verdrückt worden war ging es wieder zum Wohnheim zurück. Da ich für Heute gleich fertig sein werde mit dem Schreiben des Blogs, werde ich mir ne Nudelsuppe aus dem Becher zum Abendbrot gönnen und mit den anderen Hanafuda******.
****** Hanafuda ist ein Kartenspiel aus Japan, dessen Karten stilisierte Blütenmotive zieren.