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Freitag, 18. Juni 2010

Japan im Fussballfieber

Vor kurzem hat ja die WM in Südafrika begonnen und wie es sich für ein so international bedeutsames Ereignis gehört, kann man die Nationalspieler auch an japanischen Empfangsgeräten spielen sehen und sich von den trötenden Vuvuzelas nerven lassen.

Da das Wohnheim auch schon fast so international wie die WM ist, wird der Fernseher in der Lounge auch immer wieder von einem Fan eingeschaltet, wenn der Anpfiff für seine Mannschaft ertönt. Dummerweise kann aufgrund der Zeitverschiebung nur ein Spiel in voller Länge gesehen werden (hierzulande von 20:30 bis 22:15 Uhr). Während den anderen Spielen muss ich die Leute in der Halbzeit aus der Lounge werfen, weil ich diese Mitternachts ja zuschließen muss. Während des anderen Spiels darf niemand mehr in der Lounge sein. Einzige Ausnahme war bisher das erste Spiel von Japan am 14. Juni (Mo.). Da war der Zapfenstreich erst eine Stunde später und ich konnte sogar früher schlafen gehen, da der Manager meine "Zuschließ-Schicht" übernahm.

Wenn man dennoch ein Spiel verfolgen möchte, was hier erst nach Mitternacht läuft, dann kann man in eine nahegelegene Kneipe gehen. In ihr werden auch die Spiele gezeigt, welche nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden. Deutschland beispielsweise kann man während der Gruppenspiele nur einmal sehen (gegen Serbien). Das Spiel gegen Australien hab ich nur in den Nachrichten verfolgen können und das Spiel gegen Ghana ist auch nicht im Fernsehprogramm.

Während dem Spiel Deutschland - Serbien am 18. Juni (Fr.) war ich mit Susi zusammen im Wohnheim und habe neben Japanern und Amerikanern sitztend der deutschen Nationalelf die Daumen gedrückt. Nami, Shu und auch fast alle anderen Uni-Hallenser waren beim Doitsu-Net (Netzwerk für Deutsche in Japan) in Roppongi und haben gegen Vorbestellung und Eintritt die Niederlage von Deutschland erleben dürfen. Ich hoffe, der Frust schlägt nicht allzu hohe Wellen und Roppongi steht noch bis Morgen...

Wo man nun auch hingeht, an jeder Ecke sieht man Fußbälle oder irgendwas mit "...Cup". Die WM ist allgegenwärtig. Doch als ich eines Tages nach dem Haareschneiden im "Lala-Garden" herumgelaufen bin, und folgendes Plakat für die WM gesehen habe, musste ich ein bisschen schmunzeln. International hin oder her: Wenn man es schon macht, dann sollte es auch richtig sein. Schaut am besten selbst.

Tolles Plakat, aber wir sind hier nicht beim Dauerlauf! Schließlich ruft man ja nicht "ziiiiiiiiiiiiiiiiel", sobald ein Tor fällt. Oder?


Soweit von mir... Mal sehen, wie weit es Deutschland schafft.


Samstag, 13. Februar 2010

Tanz und Gesang - Musical auf japanisch

Wie man am Titel schon erahnen könnte, ging es dieses Mal in ein Musical. Naja... Zumindest beinahe.

Am Abend des 12. Februars (Fr.) (tagsüber ist nichts weiter passiert) fragte mich Masako, ob ich nicht am nächsten Tag zu einem Musical mitkommen wollte. Es wurde auch etwas von Singen und Tanzen erwähnt, aber das ist ja bei solchen Veranstaltungen immer der Fall. Nach anfänglichem Hadern entschied ich mich doch, mich am Samstag dem 13. Februar mit Masako [Jp.], Gou [Jp.] und Nina [Am.] gegen 11:00 Uhr in der Lounge zu treffen und aufzubrechen. Später kamen noch vier weitere Freunde von Masako hinzu, von denen ich aber nur noch Maria [Dt.] und Akiko [Dt.] im Gedächtnis habe.
Wir fuhren also allesamt bis nach Asakawa und liefen noch eine kleine Weile im kalten Schneeregen, bis wir unser Ziel - eine Sporthalle - erreicht haben. Jedoch wurde mir schlagartig bewusst, dass wir kein Musical besuchten, sondern SELBER das Musical waren.
Eine Gruppe, welche sich "A Common Beat" nannte, veranstaltete nämlich einen Workshop, bei dem alle Beteiligten (ca. 60 Leute) ein kleines Lied sowie einen Tanz aus ihrem Musical einstudieren sollten. Wer Interesse bekommen sollte, konnte sich im Nachhinein als Mitglied für das Trainingslager einschreiben lassen. Aber das nur nebenbei. Masako wurde von einem Freund, welcher in der Gruppe mitspielt, eingeladen.

Ein Teil der Meute des Tages (v.l.n.r.): Nina [Am.], Maria [Dt.], Masako [Jp.] und Gou [Jp.] und Ich. Bis auf Maria wohnen alle zur Zeit im DK House.

Folgend noch eine kurze Erläuterungen über das Stück: Es handelt von vier Nationen (rot, gelb, grün, blau), welche untereinander in Streit geraten und sich am Ende wieder vertragen. Die Nationen haben alle unterschiedliche Tanzstile, welche sich "irgendwie" in asiatisch (gelb), amerikanisch (blau), afrikanisch (rot) und europäisch (grün) einteilen lassen. Schwer zu beschreiben, aber man konnte sie daran einigermaßen gut unterscheiden.

Nachdem nun die anfänglichen Begrüßungen und einleitenden Sätze (wer, wie, was ist "A Common Beat"?) gesprochen worden waren, ging es auch schon mit den Aufwärmübungen los.
Zur Auflockerung wurde eine Runde "Fangen" gespielt, bei dem sich rund 60 Leute in einem grob 10x10 Meter großem Feld herumhetzten. Danach begannen die Gesangsübungen, bei dem wir unsere Lippen flattern ließen. Hobby- und Profisängern müssten diese Übungen auch kennen.
Das Lied war an sich in typischer Musical-Manier: Im Chorus und mit viel Elan. Den Eifer versprühten größtenteils die Mitglieder des Musicals, welche sehr energisch und aufgeschlossen bei der Sache waren. Selbst Masako sagte am Ende auf dem Heimweg: "Das waren keine typischen Japaner! Die findet man hier nur selten." Ich für meinen Teil, musste jedenfalls noch nie so viele "High-Fives" an Japaner geben.
Wir übten und sangen alle einen gemeinsamen Part des Stücks, sowie einen jeweiligen Nationenpart (ich war Grün). Wir mussten uns auch dabei bewegen, was der ganzen Sache auch schon etwas Multitasking abverlangte.
Nach dem Singen kam das Tanzen. Da die grüne Nation irgendwie nichts damit zu tun hatte, emigrierte ich in die gelbe Nation über. Dort studierten wir in einer halben Stunde eine kleine Choreo ein, welche wir dann vor den anderen Gruppen aufführen mussten. Und das wieder mit Energie und lautem Rufen... "Surrrrryahhh"!

Nun denn...

Nach fünf Stunden war das ganze Spektakel auch schon wieder vorbei, und ich konnte einige neue Erfahrung im Bezug auf "how to make a musical" machen. Trotz der vielen Bitten seitens einiger Mitglieder über einen Beitritt meiner Wenigkeit, musste ich höflich ablehnen und machte mich mit den anderen wieder nach Hause. Dort konnte ich endlich gegen 18:00 Uhr mein "Mittagessen" genießen.

Eine kleine Statistik nebenbei: Es wurde ca. zwölf Mal angemerkt, dass ich sehr groß sei, und ich wurde knapp fünf mal nach meiner exakten Größe gefragt (192cm.). Da ich der Größte in der Halle gewesen bin, war ich auch irgendwie "der Nagel, der herausstand".

Am Abend habe ich übrigens noch Schildkröte beim Schlafen erwischt und fix ein Foto geknipst.

Isse nicht süß? Man erkennt gut das durchsichtige Augenlid.


Soweit von mir.


Donnerstag, 4. Februar 2010

Ferien - Flocken im Blitzlicht

Nun ist die erste Woche der Ferien rum, deren ersten drei Tage (Fr., Sa., So.) großzügig ausgeschlafen wurde. Mein Frühstück wurde zeitweise zum Mittagessen und das Mittagessen zum Abendbrot. Abends konnte ich endlich wieder lange in der Lounge sitzen bleiben, Fernsehen schauen und mit den Japanern quasseln.

Am Sonntag (30. Jan.) spielte ich mit Stefan in der Lounge ein Tabeltop-Spiel namens "Space Hulk", welches er sich vor einer Weile besorgt hatte. An sich ist es ein Brettspiel mit weitaus komplexeren Regeln und mehr Spielfiguren. Man kann es sich auch als ein "Videospiel in Spielbrettformat" vorstellen, von dem wir zwei Runden gespielt haben. Insgesamt haben wir dafür drei Stunden gebraucht.

Am Montag (01. Feb.) habe ich mal wieder Lust gehabt, etwas früher (gegen 09:00 Uhr) aufzustehen. Aber als ich aus dem Fenster und in den mit Wolken verhangenen Himmel blickte, wollte ich mich am liebsten wieder "ins Nest" zurückbegeben. Aber da noch Einkäufe anstanden, musste ich den grauen Tag ertragen. Gegen zwei Uhr nachmittags fing es mit Regnen an und ich machte mich in die Lounge runter, wo ich die häkelnde Nami und Marlene fand. Sie planen die nächsten drei Tage durchzuhäkeln. Ein Häkelmarathon also... Liane kam auch mal kurz runter und machte sich ihr Mittagessen und erzählte mir von ihren Plänen für die nächste Zeit. Es war eine Kurzreise nach Sapporo in Hokkaido geplant. Dort findet das berühmte Schneefest statt.
Ich verzog mich in die Küche und machte Bratkartoffeln zum Mittag und eine riesige Menge an Milchreis, welche wahrscheinlich noch für die nächste Woche reichen wird.
Als es gegen Abend kälter wurde, geschah das Unfassbare: Es schneite in dicken, weißen Flocken, welche sogar liegen blieben. Da so etwas im Großraum Tokyo und in der Kanto-Ebene schon fast so selten wie ein Lottogewinn ist, haben auch die Japaner große Augen und einige Fotos gemacht. Für einen Bewohner aus Taiwan war es sogar der erste Schnee, welchen er jemals fallen gesehen hat.
Schnell wurden auch ein paar Schneebälle geworfen,und ein Schneemann (-monster) gebaut. Abend sah ich kurz Tina, welche am nächsten Tag für eine kurze Zeit nach Deutschland zurückfliegt. Ich seh' sie also erst wieder im März.



Sogar die Nachrichten berichteten live von dem seltenen Ereignis in Tokyo. An sich war dieser Winter einer der kältesten und schneelastigsten seit langer Zeit. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Gebieten der Welt.

So plötzlich wie die weiße Pracht kam, so schnell verschwand sie aber auch am Dienstag (02. Feb.) schon wieder. Bis auf ein paar Schneehaufen an den Staßenrändern blieb nur noch Nässe übrig. Naja... Wenigstens hat es nicht weiter geregnet und der Himmel hatte sich aufgeklärt.
Meteorologisch gesehen gibt es im Februar noch einmal eine letzte große Kälte bevor der Frühling und die Wärme kommen. In dieser Zeit findet auch das sogenannte "setsubun" (japanischer Frühlingsanfang) statt. Meist werden dann am 03./04. Februar traditionellerweise Bohnen geworfen (mamemaki), während man dabei "oni wa soto - fuku wa uchi" ("Teufel raus - Glück in's Haus") ruft. Man isst auch eine riesige, "eho-maki" genannte Sushirolle von grob 20cm Länge und 5cm Durchmesser, von der man garantiert satt wird.

Das sind die drei typischen Merkmale des Setsubun. Die gerösteten Sojabohnen werden geworfen, um die Teufel zu vertreiben. Oft muss jemand aus der Familie dafür herhalten und die Maske aufsetzten, damit man auch was zum Zielen hat. Die Bohnen schmecken fast schon wie Erdnüsse. Ebenfalls isst man diese großen Reisrollen, welche mit vielerlei Dingen gefüllt sind (Bild: Wikipedia).

Soviel zum Kulturteil.

Ich hatte mir an diesem Tag vorgenommen nach Ochanomizu zu fahren um mir dort ein Instrument zu kaufen. Am Tag zuvor hatte ich mich mit Kei [Am.] darüber unterhalten und herausgefunden, dass es sogar unerwartet günstig ist. Leider war es nicht mehr in Ochanomizu's bekanntester Instrumenten-Straße erhältlich, und ich ging daher nach einer kleinen Zwischenmahlzeit in der Sophia-Uni nach Takadanobaba (schweres Wort). Dort sollte es laut Kei einen Musikladen namens "Marmelada" geben, welcher auch das ominöse Instrument vertreiben soll. Aber als ich jedoch nach zwei Stunden strammen Fußmarsches und Gesprächen mit der örtlichen Polizei (netter Kerl) den Laden in einer kleinen Seitenstraße gefunden habe, war er schon leider gegen 16:00 Uhr geschlossen. So verschlossen, dass ich erst drei Mal daran vorbeirennen musste, um zu realisieren, dass die verschlossenen Rollläden wahrscheinlich doch keine Garagen abschlossen sondern den Laden. Etwas deprimiert ging es wieder nach Hause.
Was es übrigens für ein Instrument ist, wird noch nicht verraten. Erst, wenn ich es haben sollte.

Dieses unscheinbare Wohnhaus verbirgt den Laden. Man sieht nicht einmal, dass es dort überhaupt einen gibt. Nur die Rolläden lassen etwas vermuten. Es hätten ja auch Garagen sein können.

Am 03. Februar. (Mi.) ging es mit Leon, Kazu, Kei, Fox [Am.] und Gustavo [Bras.] zum "Round 1", dessen genaue Ortsbeschreibung mir leider entfallen ist. "Round 1" kann jedenfalls als eine Art "Freizeitsportzentrum" verstanden werden, in den man sich mit unterschiedlichsten Aktivitäten die Zeit vertreiben kann.
Darunter waren Sportarten wie Baseball, Basketball, Bogenschießen, Fußball, Golf, Tennis, Tischtennis, Rollschuh- und Inlinerfahren, Dart, Billard sowie Minibikes und noch einiges mehr zu finden. Daneben gab es auch noch extrem viele Spielautomaten, eine Karaokeecke und sogar einen Manga-Lesebereich mit Massagesesseln, um sich von dem ganzen anderen Kram auch wieder zu erholen.

Das war die Meute des Tages. Von vorn nach hinten: Kei, Fox (Spitzname), Gustavo, Kazu und Leon.


Das ist das "Round 1": Ein riesiges Gebäude, in dem man auf vier Etagen alles erdenkliche finden kann, um seine Zeit totzuschlagen und um sich auszupowern. Im Erdgeschoss gab es viele Münzautomaten, von denen wir eher etwas Abstand gehalten haben. In der Etage darüber gab es unmengen an Purikura-Automaten. In der dritten und vierten Etage waren dann die Sport- und Spielanlagen.



Sportschießen mit Erbsen und "Bowling", was wohl vielmehr Kegeln mit 10 Pins war.


Dart und Rodeo auf dem mechanischen Bullen.

Miniaturmotorräder, auf denen besonders Leon und ich wegen unserer Körpergröße arg zu kämpfen hatten. Im Rausch der Geschwindigkeit (5 km/h) fuhren wir ein atemberaubendes Rennen um Ruhm und Ehre, bei dem wir wahrscheinlich ein lustiges Bild abgegeben haben.


Auf. dem Dach gab es noch Baseball (auf dem dunklen Bild erwarte ich gerade den nächsten Ball) und auch Tennis-, sowie Volleyballplätze. Während wir spielten, fing es an zu schneinen.

Bogenschießen konnte man zwar auch. Aber leider sahen sowohl Bögen und Pfeile sehr mitgenommen aus.

Zuletzt probierten wir noch die Arcade-Automaten aus. Hier gerade Leon und Kazu in einem Flugsimulator zu sehen, dessen Sitze sich mit den Bewegungen des Kontrollknüppels bewegeten. Ich saß in einem Sci-Fi Rennspiel namens F-Zero AX mit den gleichen Effekten. Ich wurde jedoch aufgrund der sehr hektischen Streckenführung wie in einer Waschmaschine durchgeschüttelt.

Wir konnten zwar für die 1500Yen Eintritt so lange in diesem Spielparadies bleiben, wie wir wollten; mussten aber nach einem fünfstündigen Aufenthalt erschöpft aufgeben. Wir fuhren also wieder mit Bus und Bahn gen Wohnheim, wo ich dann noch meine drei Reisbällchen aus dem Conveni vertilgt habe und endlich die Füße hochlegen konnte.

Am Donnerstag (04. Feb.) habe ich meinen Blog geschrieben und meinen Muskelkater auskuriert.


Soweit von mir.


Übrigens: Vielen Dank für die Kommentare in meinem letzten Beitrag.

Samstag, 2. Januar 2010

Gut gerutscht - Jahreswechsel in Japan

Neues Jahr - alter Blog. Es kommt mir bei diesem Eintrag vor, als ob ich über eine Woche schreiben würde. Aber es sind nur drei Tage, an denen aber 'ne Menge gemacht wurde. Es wird eine Menge an Lesestoff werden, mit dem ich wahrscheinlich die folgenden, ereignislosen Tage kompensieren werde.

Nun denn...

Der 31. Dezember (Do.); also der letzte Tag des Jahres wird in Japan O-misoka genannt. Weil Leon und ich in unseren allabendlichen Tischtennisspielen den Tischtennisballvorrat im DK Warabi pulverisiert haben, entschieden wir uns an diesem Tag ein paar Ersatzbälle zu besorgen. Aber da uns der "Supermarkt umme Ecke" zu langweilig war, verknüpften wir unsere Pflicht mit einer Tour nach Shibuya. Einerseits, weil wir dank Monatsticket etwas sparen konnten, und andererseits, weil Leon noch nie dagewesen war.

Wir fuhren also mit der Keihin-Tohoku- und der Saikyo-Linie zum besagten Ort und haben uns erst einmal in einem Musikladen aufgetaut (es war bewölkt und kalt). Als sich die Sonne und der Hunger zeigten, entschieden wir uns nach einem günstigen Lokal zu suchen. Da wir aber bei sporadischer Suche keinen Laden finden konnte, welcher Fleischloses für billig Geld verkaufte (Leon ist Vegetarier; ich muss sparen), entschieden wir uns kurzerhand für Reisbällchen und Sushi aus dem Convenient-Store. Das Essen verspeisten wir nach erfolglosem Sitzgelegenheiten-Suchen auf einer Mauer sitzend am Straßenrand in der Nähe des Yoyogi-Parks. Nebenbei knipsten wir auch ein paar Bilder



"Auf der Mauer, auf der Lauer." Da man wahrscheinlich alle Bänke in Shinjuku und Harajuku entfernt zu haben schien, haben wir es uns auf einer Mauer im Sonnenschein bequem gemacht. Dank unserer Größe (Leon: 193cm; ich: 192cm) konnten wir sie auch recht einfach erklimmen. Sehr zum Erstaunen einiger Passanten.

Nachdem wir gesättigt waren, besuchten wir den Yoyogi-Park, welchen ich mir auch schon im Februar mit einigen Freunden angesehen habe.


Innerhalb des Parks wimmelte es nur so von Raben. Anscheinend schienen sie dort ihr Hauptquartier zu haben. Neben dem schwarzen Federvieh flanierten auch eine Menge Besucher auf den Wegen, welche die Sonnenstrahlen, den Springbrunnen und das "zwitschern" der Raben genossen.

Körperlich und seelisch gestärkt machten wir uns nach dem Parkbesuch auf die Suche nach einem Geschäft, welches Tischtennisbälle verkaufte. Da wir nicht genau wussten, wo das nächstbeste Örtchen dafür zu finden war, gingen wir in die Takeshita-Dori (auch ein altbekannter Ort für mich). Und dort fanden wir auch in einem Laden Bälle und ein japanisches Kartenspiel mit dem Namen "Hanafuda", welches ich so gerne spiele. Danach wollte ich noch Leon einen kleinen Schrein zeigen, welchen ich damals mit Nami und Shu zufälligerweise entdeckt haben.

Das ist die Takeshita-Dori, wie man sie im Februar sehen konnte. Ich habe leider kein aktuelles Bild geknipst, aber bis auf die unterschiedliche Ballon-Figur und dem schlechten Wetter sah sie noch genau so aus.

Am besagten Schrein angekommen hatten wir das Glück an einer rituellen Reinigung des Schreingeländes beizuwohnen, welche zum Jahresende an allen Shintoschreinen durchgeführt wird. Ich habe aber aus Respekt keine Fotos geschossen.

Auch ein altes Bild. Bei der Zeremonie waren an die zehn Priester, zwei Schreinjungfrauen und noch ein paar Gehilfen beteiligt. Die Zuschauer wurden bei der Gelegenheit ebenfalls rituell gereinigt. Am interessantesten fand ich das Ritual, bei dem man sich das Böse mit einem Stück Papier von sich abwischen musste. Da wir keine Shintoisten sind haben wir uns aber nicht abgeputzt.

Danach ging es wieder ins Wohnheim in dem ich am Abend zusammen mit Leon, Nami, Alisa [Rus.], sowie mit Tina und Freunden in das neue Jahr feiern wollte.
Zum Abend haben wir uns also in der Lounge versammelt und schauten bis kurz vor Mitternacht eine der berühmtesten Fernsehsendung in Japan. Diese hieß "Kouhaku Uta Gassen", in welcher das rote Team (berühmte weibliche Sänger) gegen das weiße Team (berühmte männliche Sänger) antritt und am Ende der Show (nach 5 Stunden) der Sieger gewählt wird. An diesem Abend waren die Männer die Sieger. Beim Anschauen fühle es sich fast so an wie der Eurovision Song Contest. Nur, dass es nicht so viele Parteien gab. Bei der Abstimmung konnten wir sogar per Fernbedienung mitwählen.

Als es Mitternacht schlug, sahen wir im Fernsehen, wie unendlich viele Menschen an einem Tempel in der Nähe des Tokyo Towers unendlich viele Ballons in den Nachthimmel entließen. Im Gegensatz zu meinem heimatlichen Neujahrsbrauch wird in Japan aber kein Feuerwerk gezündet. Nicht ein einziger Mensch ließ es knallen. Irgendwie schön und schade zugleicht. Kein Rauch, Lärm oder Müll.

Wir stießen noch auf das neue Jahr an und schauten noch etwas Fernsehen, bis einer nach dem anderen ins Bett ging.

Am ersten Januar (Fr.) wollten wir (Leon, Tina, Alisa und ich) es den Japanern gleichtun und den ersten Schreinbesuch des Jahres (Hatsumoude) zum japanischen Neujahr (Shougatsu) zelebrieren. Da der Meiji-Schrein aber allen Anschein überlaufen war, entschieden wir uns zum Schein und zum Tempel in Warabi zu laufen.

Als erstes gingen wir zum Tempel, welchen ich zu meiner Schande auch schon mal etwas früher besucht haben könnte. Dort war es noch nicht so voll. Eher schon idyllisch.

Neujahr am Tempel. Kaum eine Menschenseele war auf dem Tempelgelände zu sehen.

Da der Schrein nicht so weit vom Tempel entfernt war, machten wir auch einen Abstecher dorthin. Aber im Gegensatz zu dem buddhistischen Gegenpart waren hier wesentlich mehr Leute anwesend, welche eine Riesenschlange bildeten (ca. 80 bis 100 Meter) um am Schrein für ein gutes Jahr zu beten. Auf dem Scheingelände konnte man sich auch an einigen Läden Glücksbringer, Essen und sogar Videospiel kaufen. Fast schon wie Flohmarkt.



Eine Menge Leute besuchten den Schrein, auf dessen Gelände man allerhand Dinge erstehen konnte. Unten links sieht man den Wunschhelfer Daruma, dessen rechte Pupille man ausmalen soll, wenn man einen Wunsch hat. Ist der Wunsch erfüllt, kann man auch die zweite Pupille ausmalen. Im Bild daneben sieht man das Okonomiyaki, welches ich mir gegönnt habe, und was himmlisch geschmeckt hat (auch wenn's nicht so aussieht).

Danch machten wir uns wieder auf dem Nachhauseweg, und ließen den ersten Tag des Jahres ruhig und gemütlich ausklingen, indem wir in der Lounge eine sehr bekannte Fernsehserie namens "Sasuke" schauten. In dieser Spielshow versuchen die Teilnehmer einen sehr kräftezehrenden Hindernislauf zu bewältigen, welchen man angeblich nur mit Ninjakräften bewältigen kann. Hier ein Zusammenschnitt des Gewinners von 2006 (welcher aber auch 2010 teilnahm):


Das schlaucht schon beim Zusehen. Dieser fitte Herr mit dem Namen Makoto Nagano, schaffte den Parcour im Jahre 2006. 2010 rutschte er schon in der ersten Runde versehentlich aus, und musste ausscheiden. Aber nächstes Jahr gibt es auch eine neue Chance.

Danach ging es ins Bett.

Am 02. Januar (Sa.) war nichts spannendes passiert. Am Abend gab es wieder ein besonderes Programm im TV zu sehen. Es war ein Kabukistück, welches man zu Neujahr spielt. Somit haben wir auch etwas Kultur zu sehen bekommen. Hier ist etwas Kabuki (Werbefilm für ein Kabukispiel im Kino) für alle, welche es noch nicht kennen sollten:


Die Flöten, Trommeln und verzerrten Gesichter sind das Hauptmerkmal von Kabuki. Streng eingehaltenene Choreografien und schrille Töne gehören auch dazu.

Ab dem 03. Januar (So.) beginnen meine Vorbereitungen für die Uni, welche am 05. wieder weitergeht. Große Pläne sind also an den letzten Tagen der Winterferien nicht gesteckt. Demzufolge auch leider keine nennenswerten Einträge.


Soweit von mir.


Übrigens ist im japanischen Horoskop das Jahr 2010 das Jahr des Tigers. Das merkt man spätestens daran, dass die japanischen Neujahrskarten oftmals mit Tigermotiven bedruckt werden.


Montag, 28. September 2009

Kinderkram - Grundschule in Warabi

Nun mal ein paar Worte über die Schule in der Nachbarschaft von meinem Wohnheim, in dem ich lebe… Da dort besonders kleine Japaner auf dem Hof herumlaufen, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um eine normale japanische Grundschule handelt.


Vom Wohnheim aus kann man die Schule recht gut erkennen (und auch hören). Auf dem Schuldach wehen drei Flaggen, welche von Links nach Rechts die Flaggen für Warabi (Stadt), Japan (Land) und Kawaguchi (Präfektur) sind.

Wenn nicht gerade Wochenende oder Feiertag ist beginnt die Schulzeit um ca. 08:00 Uhr. Das merke ich zumeist daran, dass die Kleinen nach einem Signal aus den Schullautsprechern auf dem Schulhof stehen und den Morgenappell durchziehen müssen. Dazu stehen alle in Reih und Glied auf dem Hof und werden von dem Direktor für den Tag motiviert. Dabei wird auch buchstäblich auf die Pauke gehauen, was wirklich dröhnt. Ich werde also keine Sorgen haben bis 10:00 Uhr zu verschlafen.

Danach ist Unterricht, wobei ich das Gefühl habe, dass die ganze Zeit Pause ist. Dabei machen die Kids einen Riesenlärm, und es klingt nach dem Morgenappell wie Hofpause. Liegt womöglich auch daran, dass ein Teil des Schulhofs auch gleichzeitig als Sportplatz genutzt wird. Nur ab und zu ist es mal wirklich richtig leise, und kein Kind ist zu hören.

Ab und an kann man auch Musik und Trommeln hören, wenn für die kleinen Rabauken der Sport ansteht. Dann sieht man auf dem Hof lauter gelbe, blaue, grüne und rotbemützte Kinder (je nach Jahrgangsstufe) unter Anleitung der Lehrer auf dem Schulhof herumhüpfen.

Am 26. September war scheinbar ein Sportfest in der Schule. Ich wurde schon gegen 7:39 Uhr von Lautsprecherdurchsagen des Schuldirektors geweckt, und später wurde mein Frühstück mit Musik und Trommelschlägen begleitet.

Die Kleinen hüpfen buntbemützt auf dem Schulhof herum, während die Eltern nebenbei zuschauen, und sich wahrscheinlich freuen, dass ihr Kind an diesem Tag mal freiwillig ins Bett will.

Da in Japan übrigens das Prinzip der Ganztagschule gilt, ist die Schule erst ab ca. 18:00 vollkommen zu. Der Unterricht ist zwar schon früher vorbei, aber die kleinen sind danach noch in schulische Aktivitäten wie Sport-Clubs oder anderen Zirkeln. Sonntags scheint der Schulhof für eine Grundschul-Baketball-Gruppe benutzt zu werden. Dann schreien die kleinen immer nur "Oiiii". Und dass kann auch schon mal an den Neven zehren.

Um 17:30 Uhr ertönt aus einer für mich bisher unbekannten Richtung eine Lautsprecherdurchsage mit einer tollen Melodie begleitet, welche die Kinder auffordert nun schnell nach Hause zu gehen, weil es bald dunkel wird. Hier das Video, welches ich am Abend davon gemacht habe.


Dreht am besten die Lautstärke etwas auf, dann kann man die Melodie etwas besser hören.