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Mittwoch, 27. Oktober 2010

Gut informiert - Bahnbildschirme

Will man in der Riesenmetropole Tokyo keine langen Fußmärsche in Kauf nehmen, so wird man zwangsläufig auch nicht um das Bahnfahren herumkommen. Und wer es einmal schaffen sollte, in bestimmten JR Linien mitzufahren, der wird im Waggon über der Tür eine interessante Entdeckung machen.

Dort sind in einigen Linien jeweils zwei LCD-Monitore angebracht, welche allerlei nützliche und unnütze Informationen vermitteln:


Diesen Bildschirm habe ich oft gesehen, wenn ich von der Uni zum Wohnheim zurückgefahren bin. Ochanomizu kommt gleich nach Yotsuya, wenn man den Rapid der Chuo-Linie in Richtung Tokyo Bahnhof nimmt.

Meistens im Doppelpack hängen diese Monitore beispielsweise an den Ausgängen der JR Keihin-Touhoku-Linine oder der JR Chuo-Linie. Der rechte Bildschirm zeigt Informationen über den aktuellen Bahnverkehr, wie etwas die nächste und die folgenden Haltestellen und auch dortige Umsteigemöglichkeiten. Ebenfalls werden auch beispielsweise die anderen Linien angeführt, welche derzeit wegen irgendwelchen Gründen ausgefallen oder verspätet sind, und auch die Positionen der Rolltreppen am nächsten Bahnhof werden dargestellt, damit man schnell vom Bahnsteig wegkommt (Praktisch in der Rushhour).

Neue Informationen wegen verspäteten Linien werden immer mit einem kleinen Tonsignal kenntlich gemacht, und dann sollte besser nachschauen, ob nicht die eigene Umsteigebahn betroffen sein könnte. Sollte einmal starker Wind oder Regen sein, dann sind diese Listen meistens sehr lang.

Diese Anzeigen sind noch in älteren Bahnen zu finden, welche zwar nicht so viele Infos, wie die neueren Modelle anzeigen, aber sind immer noch eine große Hilfe darstellen, wenn man die genuschelten Ansagen des Bahnbeamten nicht verstanden haben sollte.

Der linke Bildschirm ist nun für alle Leute, denen die Nachrichten über andauende Verspätungen schon zu viel geworden sind. Dieser zeigt nämlich Werbung in Dauerschleife. Auf längeren Fahrten ohne Buch oder Gesprächspartner, schaut man dann automatisch in die Richtung der bunten und bewegten Bilder.

Doch nicht nur Werbung wird dem wehrlosen Bahnfahrer entgegengestrahlt. Es werden auch einige interessante, kleine Spots eingespielt, bei denen man eine Wissensfrage beantworten muss, oder in denen man eine kleine Trivia lernt. Ständige Begleiter vieler meiner Fahrten waren unter anderem eine kleine Schaumflocke mit Hirntrainingsfragen, ein (naja... etwas schmieriger) Ausländer mit englischen Sprachfragen und ein arg aufgehübschtes Mädel mit Schönheitstipps. Auch Nintendo hat vor seinem Werbespot eine kleine Trivia erklärt.

Am meisten Spaß machte es übrigens, wenn neue Rätsel kamen, und man mit seinem jeweiligen Begleitern in der Bahn um die Wette raten konnte. Kannte man das Ergebnis schon vorher, so konnte ich den anderen die Ergebnisse hämischerweise vorsäuseln.

Einziger Schwachpunkt an dem "BahnTV" ist, dass man das Programm nicht selber wechseln kann.


Soweit von mir.


Mittwoch, 13. Oktober 2010

Passt, Wackelt und hat Luft - Autos und Parken

Im modernen Lande Japan (und speziell Tokyo) leben viele, viele Menschen. Und wie es sich für das Leben in so einer fortschrittlichen Kultur gehört, ist auch das Auto ein unverzichtbarer Bestandteil des kleinen Mannes und der kleinen Frau.
Da es nun aber aufgrund der Masse an Menschen, und auch zwangläufig der Autos, zum Platzmangel kommt, haben sich dort einige Tricks und Kniffe zum Zwecke des platzsparenden Autoverstauens entwickelt.

Lebt man nun in dicht bebauten Gebieten mit engeren Straßen, so kann man sich von vornherein kein großes Gefährt leisten, da man in den schmalen Gässchen jäh stecken bleiben würde. Zwar möchte man sich gerne auch einen größeren Untersatz leisten wollen, aber dazu sollte auch der Platz da sein.
Aber auch wenn die Straßen mal nicht so eng sein sollten, so müsste man immer noch eine angemessene Autogröße finden, die einen eventuellen Hausparkplatz nicht die Hälfte des sonst so knapp bemessenen Grundstücks in Anspruch nehmen lassen würde.

Im Netz fand ich das Video eines in Japan lebenden Amerikaners, welcher über sein kleines Auto berichtet. Man beachte die Größenverhältnisse Auto - Mann, sowie Auto - Straßenbreite.



Lebt man beispielsweise in einem Apartment und kann sich keinen eigene Garage leisten, so muss man auf bereitgestellte Parkplätze ausweichen. Damit jeder auch einen Stellplatz für sein Auto finden kann, werden auch für die Bewohner des Wohnblocks bereitgestellt. Aber auch hier wurde platzsparend taktiert, und man parkt ökonomischer.

Stellplatz für Hochstapler. Dieses Konstrukt stand in der Nähe eines Apartmentblocks hinter dem DK House und nutzte das bereitgestellte Grundstück zum Parken um das Dreifache aus. Es hat auch ziemlich gerattert, wenn jemand seinen Wagen aus diesem Stahlmonster geholt oder verstaut hat.

Das hier sind im Boden eingelassene Drehscheiben, um wichtigen Platz für Wendemanöver einzusparen. Rückwärts einparken war noch nie einfacher. Bei einigen Tiefgaragen wird das Auto auf einer Gondel geparkt, auf welcher dann der Brummi neben anderen Vehikeln zur Seite gehängt wird.

Wenn es also ums Platzsparen geht, kann man wieder den japanischen Erfindungsgeist in seiner vollen Blüte erleben.

Und egal, ob man einen dicken BMW oder einen kleinen Suzuki sein Eigen nennt: Auch der Japaner liebt sein Auto.


Soweit von mir.


Mittwoch, 22. September 2010

Verkaufsautomaten in Japan - An alles ist Gedacht

Wenn man sich einmal aufgrund mangelnder Japanischkenntnisse oder verwirrender Siedlungsstrukturen in Tokyo verlaufen haben sollte, so kann man sich wenigstens sicher sein, dass man nicht auf seinen Irrfahrten verdurstet. Denn es ist unglaublich, wie vielen Getränkeautomaten man begegnen wird, wenn man durch die Nachbarschaft tingelt.

Groß, klobig und mit vielen Getränken gefüllt. Je nachdem von welchem Hersteller die Automaten gesponsert werden, gibt es die verschiedensten Getränke zur Auswahl.

An fast jeder Ecke kann man sich für 100 bis 200 Yen eine Flasche grünen Tee, Limo, Saft oder sogar eine Dose Kaffe oder Kakao ziehen. Man kann sogar zwischen gekühlten oder heißen Getränken wählen, was besonders im Sommer beziehungsweise im Winter recht praktisch ist.

Ebenfalls gibt es diese bunt blinkenden Klötze nicht nur für Getränke. Einige verkaufen sogar Puddings, Eiscremes, Zigaretten und - etwas seltener - sogar Regenschirme, Batterien, feuchte Tücher oder heiße Nudelsuppen in Dosen. Beinahe nichts ist unmöglich. Falls es also jemanden nach einer kleiner Erfrischung oder einem Snack gelüstet, so kann man sich an einem verfügbaren Automaten bedienen.

Selbst im Dunkel der Nacht strahlen die Automaten wie ein Straßenfest. Viele blinken, manche haben Bildschirme, und einige begrüßen und bedanken sich sogar.

Doch warum gibt es so viele dieser Dinger auf den Straßen und Hauseingängen Tokyos? Der Hauptgrund ist relativ simpel: Theoretisch kann sich JEDER Mensch, welcher in Japan Land besitzt, einen Getränkeautomaten bestellen und außerhalb seines Geländes platzieren lassen. Im Falle von Getränken kommt dann Suntory, Kirin, Coke oder Pepsi mit einem brandneuen Verkaufsautomaten angefahren. Für diesen muss man sogar nichts, außer dem Strom bezahlen. Auch die Wartung der Maschine und das Nachfüllen der Getränke werden kostenlos von der Firma übernommen.

Man kann dann nun selber bestimmen, mit welchen Getränken man seinen Automaten bestücken lassen möchte, und wie viel man dafür verlangt. Aber man muss seine Marktlage beachten. Denn macht man sein Wässerchen zu teuer, dann kann es vorkommen, dass die Kundschaft lieber zum Automaten um die Ecke geht, wo das billigere Angebot wartet. In meinem Falle gab es die günstigsten Limos immer im DK House.

Hat man nun (hoffentlich) einen satten Gewinn erzielt, so gibt man 80 Prozent davon an den Bereitsteller des Automaten und kann dann mit seinen restlichen 20 Prozent machen, was man will. Wer jedoch noch etwas mehr Geld abbekommen möchte, der kann sich eine eigene Verkaufsmaschine für umgerechnet 1000€ bis 10000€ zulegen und sie dann mit selbst gekauften Getränken aufstocken. Dann muss man keine Gewinne teilen.

Wer übrigens kein Geld für die Getränke ausgeben möchte, hat auch die Möglichkeit sich an bereitgestellten Trinkbrunnen kostenlos zu bedienen. Diese sind zwar nicht ganz so oft zu finden, doch nach etwas Suchen, kann man garantiert einen davon in der näheren Umgebung - etwa an Spielplätzen und Parks - finden. Für heiße Tage im Sommer sind sie Ideal, um schnell für eine kleine Erfrischung zu sorgen. Sehr Praktikabel.


Soweit von mir.


Freitag, 11. Juni 2010

Nachholbedarf und Serviceleistungen

Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals einen Blogeintrag hätte ausfallen lassen müssen, und es tut mir auch für alle Leser leid, welche in der letzten Woche sehnsüchtig auf ein digitales Lebenszeichen von mir gewartet haben. In letzter Zeit passiert einfach nicht mehr soviel spannendes (Sommerloch?) und ich hoffe selbst immer auf einen kleinen Happen japanischer Erlebnisse oder Eigenarten, welche ich hier allen mitteilen kann. Irgendetwas kommt hier nämlich auch nicht rein. Glücklicherweise gibt es ja noch andere Blogschreiber (stehen alle in der kleinen Liste am linken Bildrand), welche auch ab und zu einen Eintrag verfassen.
Wie dem auch sei. Nun geht es aber weiter im Text.

Am Morgen des 01. Juni (Di.) wollte bei meinem japanischen Handy plötzlich nichts mehr gehen und es stellte seine zuverlässige Arbeit auf unbestimmte Zeit ein. Kurz: Es war kaputt. Da ich auf das Ding angewiesen war, suchte ich sofort im Netz nach einem Softbank-Laden in der Nähe des Yotsuya-Campus, und stattete diesem in meiner Freistunde einen kleinen Besuch ab.
Als ich den Angestellten im Laden meines Handys Leiden erklärt habe, konnte ich wieder einmal guten, japanischen Kundenservice hautnah miterleben. Denn während ich mein Unverständnis darüber äußerte, warum das Klapphandy sich nicht mehr regt, schaute mich der Angestellte mit besorgter Mine an und bekundete sein Beileid über die unvermeidlichen Umstände, welche mir nun zugekommen seien. Dann nahm er mein Telefon, ging zum Untersuchen kurz nach aus dem Verkaufsraum nach hinten und kam dann mit seiner Diagnose wieder zu mir zurück. Angeblich sei es ein Wackelkontakt, welcher repariert werden musste.



Links das Alte - rechts das Erstatzhandy. Solche Klapparten sind noch immer der Haupttyp in Japan. Aber mittlerweile kommen auch Schieb-, Dreh- und Tatschmodelle.

Nachdem ich für eine Reparatur eingewilligt habe, bekam ich sofort ein Ersatzhandy und meine Daten wurden auf MicroSD-Karte gespeichert und übertragen. Alles lief schnell und zuverlässig.
Es verging nun eine Woche und ich wurde am 8. Juni (Di.) von Softbank kontaktiert, dass mein Reparaturauftrag erledigt sei und ich den Patienten nun abholen kann. Im Laden angekommen erkannte mich der selbe Angestellte wieder und ich konnte mich an seinen Schalter setzen. Anstelle meines alten Handys bekam ich aber nun ein vollkommen Neues des selben Modells kostenlos. Auf meine Anmerkung: "Das sieht aber neu aus!", meinte der Angestellte nur: "Haben wir selbstverständlich gerne gemacht". Somit hab ich wieder mein alt-neues Handy zurück. Am Ende habe ich dem Verkäufer (bewusst) noch etwas verwirrt, indem ich mich für die schnelle Hilfe etc. bedankt habe. Für ihn war es halt einfach selbstverständlich.

Ist der Service in Japan nun besser? Für alle, welche noch etwas Zeit haben, gibt es noch ein kleines Video von meinem ZDF-Lieblingsjournalisten Gerd Anhalt über die Kundenfreundlichkeit der Japaner (wenn das Video nicht läuft: hier ist der Link).

(NACHTRAG: Das Viedeo wurde leider vom Nutzer entfernt, und kann nun nicht mehr angesehen werden. Seltsamerweise sind aber die anderen Teile der Doku noch anschaubar und können mit einem Klick auf die Links gesehen werden.)

Wem das Video gefallen hat, der kann ja noch die anderen drei Teile über Puppenbestattungen, Schreisumo und Akihabara ansehen. Sehr empfehlenswert.


Soweit von mir.