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Samstag, 27. März 2010

Besuchertage

Zu allererst möchte ich mich für die ungewohnte Verzögerung meines neuesten Eintrages entschuldigen. In den letzten Tagen kam einiges an Besuch in die ostasiatische Metropole und daher war ich sehr beschäftigt gewesen.

Zum einen war da der Rektor meiner Heimatuni (MLU) Herr Prof. Dr. Diepenbrock, welcher zusammen mit einem Professor der Japanologie (Prof. Dr. Oberländer) einige Universitäten Tokyos besuchte. Neben Keio, Toudai und Waseda stand auch die Sophia auf der "zu besuchen" Liste.
Zur Zeit des Gasshukus bekam ich eine Mail von Stefan, dass ich zusammen mit einigen anderen Sophia-Studenten aus Halle zu einem kleinen Pläuschchen in einem kleinen Caffee mit Rektor und Professor am 10. März (Mi.) eingeladen wurde.
Da man selten so eine Chance hat, ging ich natürlich hin. Als ich an dem vereinbarten Ort nahe des Sophia-Campus ankam, traf ich auch schon auf Nami, Ian und Stefan und Florian. Nach einer kleinen Weile Wartens kam auch pünktlich der Gastgeber zusammen mit Professor und Anne.
Wir betraten das Caffee, redeten über Uni, Japanologie und Pläne und nach einer knappen Stunde trennten sich auch wieder die Wege. Aber nicht, ohne vorher noch ein Erinnerungsfoto zu schießen:

Die Meute des Tages. Das Foto wurde vom Kellner mit der Kamera von Stefan geknipst.
Zwei Tage später war für den Rektor die Keio-Uni an der Reihe.

Am 17. März (Mi.) kamen meine Eltern zu Besuch nach Japan, um den Sohnemann auch mal wieder live und nicht nur durch das Fenster eines Chatprogramms zu sehen. Dabei haben sie auch die Gelegenheit genutzt, sich zusammen mit mir die Stadt anzuschauen, in der ich mich so "rumtreibe".
In den 10 Tagen, welche sie hier verbracht haben, war ein straffes Programm angesetzt, bei dem wir an einigen Tagen oftmals mehrere Stunden auf den Beinen waren.

Ein kleines Gruppenbild aus dem Hamarikyu-Garten. Im Hintergrund kann man die Rainbowbridge im Dunst erkennen.

Es wurde unter anderem Orte wie Ueno, Shinjuku, Shibuya, Harajuku, Asakusa, Akihabara Odaiba und sogar meine Universität besucht. Gegessen wurden japanische Dinge wie Yakisoba, Yakitori, Curry, Sushi und auch Donburimono. Jeden Tag im Detail zu beschreiben möchte ich an dieser Stelle mal nicht machen.

Am 23. März (Di.) holte ich Josi, welche für ein Jahr an der Waseda-Uni studieren wird, vom Flughafen ab. Am Flughafen traf ich auch auf den eigentlichen Abholservice der Waseda (Yui und Yuuichi), welche uns, als alle angekommen waren, mit einem Expresszugticket in der Hand nach Shinyuku schickten, wo uns dort "irgendwo" weitere Leute der Waseda empfangen und zum Endpunkt Wohnheim begeleiten sollten. Da der Bahnhof in Shinjuku einer der größten ist, haben wir sie natürlich nicht gefunden und mussten daher selbstständig nach Takadanobaba fahren.
Das lief auch alles glatt, und man kam sicher im Wohnheim für Wasedastudenten an. Nachdem die kleine Einführungstour für die Neulinge vorbei war, machte ich mich auf den Nachhauseweg. Am Bahnhof in Takadanobaba erwarteten mich schon eine Menge unzufriedener Gesichter und hektische Bahnbeamten, welche pausenlos Durchsagen machten.
Zwei von drei Bahnlinien, welche ich für den Nachhauseweg brauchte, haben ihren Betrieb aufgrund von Stromproblemen eingestellt. So wurde aus einem normalerweise 45 minütigen ein 2,5 Stunden langer Weg.

Am 26. März (Fr.) mussten meine Eltern wieder abreisen und es ging gegen halb 9 zum Flughafen. Als alles eingecheckt war und man sich verabschiedet hatte ging es für mich wieder nach Hause. Es war eine schöne Zeit.


Soweit von mir.


Freitag, 19. Februar 2010

Lost in Translation und Singing in Shinjuku

Dem 17. Februar (Mi.) habe ich der Übersetzungsarbeit gewidmet.
Ich hatte nämlich 50 deutsche Sätze für einen Fragebogen über Zeitempfinden und Zeitmanagement japanischer Studenten erstellt, welche möglichst sinngemäß ins Japanische übersetzt werden mussten. Zweck der Arbeit ist eine kleine Erhebung unter den Studenten der Sophia-Universität, welche ich nächstes Semester durchzuführen gedenke.
Ich habe mich also am Abend mit Kazu getroffen, welcher mir dabei geholfen hatte die schon grob von mir übersetzten Phrasen zu überarbeiten. Da er auch relativ gut Deutsch verstand, konnte er auch die ursprünglichen Sätze mit verwenden.
Doch trotz dieser Vorteile, brauchten wir knapp drei Stunden, in denen wir fast alle Sätze eher direkt als sinngemäß entziffert haben. Nach einer kleinen Pause ließ ich Masako probehalber über die Zeilen fliegen, welche gleich den größten Makel der direkten Übersetzung entdeckt hat: Kaum ein Japaner würde die Sätze verstehen oder nachvollziehen können, denn für viele Redewendungen oder Ausdrücke gibt es im Japanischen halt keine Entsprechungen. Ich werde aber noch weitere Probeleser aufsuchen, damit der Fragebogen noch etwas "narrensicherer" wird.

Am Vormittag des 18. Februars (Do.) habe ich Schildkrötes Tank mal wieder gesäubert. Als sie so im Zimmer herumgewuselt ist, habe ich spontan ein kleines Video gedreht.

Nahaufnahme. Das Knarzen kommt übrigens durch die automatische Fokus-Einstellung der Kamera und nicht von Schildkröte. An sich ist sie eher ein ruhiger Zeitgenosse.

Nachmittag habe ich mich zusammen mit Nami nach Shinjuku aufgemacht, wo wir uns dann zusammen mit Shu getroffen haben. Das Dreiergespann ging nach einem kleinen Abendbrot für drei tolle Stunden ins Karaoke nahe der Kabuki-cho, wo wir unsere neuesten japanischen Lieder ausprobieren konnten.

Bunte Bilder im Neonlicht sind meistens im Karaoke-kan zu finden. Das Licht lässt auch alles andere, wie Namis Tuch oder mein T-Shirt, weiß aufleuchten.

Anschließend wurden noch Purikura geknipst und UFO-Picker (Kuscheltier-Greifarm-Automaten) ausprobiert. Danach hieß es wieder Abschied nehmen und nach Hause fahren.

Die Meute des Tages im Purikura-Format.


Soweit von mir.


Samstag, 16. Januar 2010

Wieder eine Woche 'rum...

Tja... Wo fang ich denn heute an...?

Am letzten Sonntag (10. Jan.) feierte Masako zusammen mit einigen anderen Bewohnern aus dem DK Warabi sowie einigen anderen Freunden ihren Geburtstag in der Lounge im Wohnheim. Zum Anlass des Tages gab es am Abend "yakinikku" (kurzum: gebratenes Fleisch), welches zusammen mit einigen Beilagen wie Salat, Gemüse und Meeresgetier auf extra dafür bereitgestellten Platten gebraten wurde.
Nebenbei haben wir Musik vom MP3 Player über die Stereoanlage spielen lassen, welche seit Weihnachten in der Lounge herumsteht. Dummerweise wurden sowohl die zwei Platten, als auch die Anlage an nur eine Steckdose (mit Verteilern) angeschlossen. Somit haben wir nach und nach die Hälfte aller Steckdosen in der Lounge aufgrund von Überlastung außer gefecht gesetzt. Trotzdem waren später am Abend sowohl die Platten als auch die Musik noch richtig heiß geworden.
Da der folgende Tag ein Feiertag war, brachen ein paar Leute nach dem Essen zum Karaoke nach Warabi auf, um die Nacht durchzusingen. Da mir die Müdigkeit die Augenlider schwer werden ließ, habe ich für dieses Mal passen müssen. In den Ferien werde ich mir wahrscheinlich so einen Tag mal leisten...

Wie oben schon kurz erwähnt, war der 11. Januar (Mo.) ein Feiertag in Japan. Damit konnte ich meinen fehlenden Drei-Königs-Feiertag kompensieren. Der einzige Unterschied war der Anlass: Hierzulande wird am zweiten Montag im Januar der sogenannte "seijin no hi" (Tag der Volljährigen) für alle Personen gefeiert, welche an diesem Tag 20 Jahre alt werden, oder in diesem Jahr noch dieses Alter erreichen. Alkohol und Zigaretten sind für diejenigen, welche es nötig hätten, also nicht mehr ein Tabu. Auto kann nun auch gefahren werden.
An diesem Tag ziehen viele Feiernde einen kimono (Frauen) oder einen Anzug (Männer) an, und sind dann somit leicht als solche zu erkennen. Leider habe ich es an diesem Tag nur bis zum Supermarkt geschafft, und konnte leider keine Trachten sehen. Aber so hätte es wohl sein können:

Mädels im Kimono mit Fellbesatz wegen der im Januar noch vorherrschenden Frische (Quelle: Wikipedia).

Ab Dienstag startete dann wieder eine neue Uniwoche. Neben dem normalen Alltag haben wir auch untereinander debattiert (Di.), andere Japaner in Besucherstunden interviewt (Do.) und unsere grauen Zellen in Tests strapaziert (Di., Mi., Do., Fr.).

Am Mittwoch
ging es nach dem Unterrich für mich noch einmal kurz nach Shinjuku. Nami schlug spontan einen Besuch des Rathauses vor, weil sie vermutete, dass man nach dem Regen am Vorabend klare Sicht hätte. Dem war auch so. Leider konnten wir dennoch nicht den Fuji sehen, da wahrscheinlich in seiner Umgebung Massen an Schneewolken ihr Unwesen trieben. Aber nur dort. Keine einzige Flocke landete in meiner Sichtweite.
Irgendwie ironisch, dass man sowohl in Europa als auch in Japan von einem Rekordwinter spricht und man hier in der Kanto-Ebene blausten Himmel über Wochen hinweg hat.

Donnerstag
habe ich nicht nur Japaner über ihre Meinung ausgefragt ("sollen japanische Männer im Haushalt helfen?"); ich habe mich nach dem Unterricht auch selbst ausfragen lassen. Indirekt hab ich zusammen mit Stefan einen Beitrag zum Computerseminar zwischen der MLU Halle-Wittenberg und der Keio-Universität geleistet. Ich musste nur etwas über meine Erfahrungen im Ethikunterricht berichten. Glücklicherweise auf Deutsch.

Das war's auch schon wieder von den interessanten Dingen meines Studentendaseins in dieser Woche. Am Wochenende stehen Hausaufgaben, Zimmer putzen, Wäsche waschen und Vorbereitungen für ein Referat über die Ergebnisse meines Interviews an.
Eine für Erholung eher suboptimal ausgelegte Planung. Tja.


Soweit von mir.


Samstag, 26. Dezember 2009

Weihnacht' mal anders

Am 24. Dezember (Do.) war ein kleines Zusammensitzen am Nachmittag mit Nami, Tina, Leon, Marlene und mir geplant.
Gegen halb 3 haben wir uns in der Lounge getroffen und etwas Fernsehen geschaut und ein paar Süßigkeiten genascht. Nami machte Nudelsalat und ich plante etwas mit Pute, Pilzen und Käsesahnesoße zu brutzeln. Nach einer Weile machte sich Marlene zu einer weiteren Feier, zu der sie eingeladen war, auf. Tina und Leon fuhren mit Daniel [Am.]* nach Tokyo, um sich die dortige Beleuchtung anzusehen. Ich blieb mit Nami noch unten und hab lecker Nudelsalat und Pute gemümmelt, während der Weihnachtsbaum im Dunkeln blinkte. Mundharmonika und Gitarre wurden auch zum Anstimmen von Weihnachtsliedern benutzt.
Das wohl denkwürdigste Ereignis des Abends war, als die Polizei das Wohnheim besuchte und stichprobenartig einige Bewohner befragte. Zu der Zeit waren wir noch alle in der Lounge und haben die irrwitzigsten Gründe für die plötzliche "Razzia" erfunden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es nur Fragen über die Herkunft und über die Dauer des Aufenthalts war.

Ich hab nun auch mal die Gelegenheit genutzt und den Weihnachtsbaum in unserer Lounge fotografiert.



Das ist wohl der verrückteste Weihnachtsbaum, den ich je gesehen habe. Mitunter ist er mit Stofftieren aus Videospielen oder mit Spielzeug geschmückt. Ich habe den kleinen Schwarzmagier aus Final Fantasy 3 (oben links) auf den Baum gesetzt und ihm etwas Schnee an den Hut gesteckt.

Am ersten Weihnachtsfeiertag (Fr.)
war Karaokesingen mit Freunden geplant. Insgesamt waren wir 12 Leute (Reitaku- und Sophiastudenten), welche sich am Westausgang des JR Bahnhofs in Shinjuku getroffen haben und dann gemeinschaftlich zum Karaoke-kan gestiefelt sind.



Nachdem wir unsere Getränke bestellt haben (es gab all-you-can-drink alkoholfrei) und man sein zu singendes Lied in die kleinen Touchpads eingegeben hat, konnte auch schon losgesungen werden. Ich ab auch zum ersten Mal richtige japanische Lieder von den Polysics, Seamo und Suneohair probiert und auch recht erfolgreich durchgehalten. Intensiv Japanisch Kurs 2 sei Dank.

Nach 3 Stunden war der Spaß vorbei und alle wollten nach Hause. Spontan konnte ich noch einige dazu überreden die Illumination am Bahnhof von Shinjuku anzusehen. Da der Bahnhof in Shinjuku jedoch ein halbes Labyrinth aus Läden und Geschäften zu sein schien, mussten wir erst ein ganze Weile Treppen laufen und herumirren bis wir die blauen Lichterketten in der Ferne gesehen haben.




Lichterketten in Blau und Gold. Trotz der farblichen Monotonie war es ein recht schönes Lichterspektakel.

Mit leichtem Blaustich in den Augen machte sich die Gruppe aufbruchsbereit und alle wüschten sich noch gegenseitig auf japanisch und deutsch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Im Wohnheim angekommen wollte ich in der Lounge meine Reste des vergangenen Tages essen, als ich die Amerikaner im Wohnheim beim Zubereiten ihres Weihnachtsessens erwischt habe. Spontan frage mich Daniel, ob ich nicht mitessen wolle. Der Grund dafür war die immense Menge an Essen, welche sie nicht alleine bewältigen konnten. Also beteiligte ich mich auch mit. Leon wurde auch schon gefragt und saß mit am Tisch. Nach und nach gesellten sich weitere Amerikaner (und auch Briten) dazu und die Zahl der Leute verdoppelte sich von 9 auf 18 Esser. Trotzdem wurde das Essen nicht alle, obwohl jeder zulangte bis er sich nur noch kaum bewegen konnte (ich gehörte auch dazu).
Nach dem Essen wurde aufgeräumt und abgewaschen, was bei der Vielzahl an Händen im Handumdrehen geschehen war. Danach haben sich alle die Sänger im Fernsehen angeschaut, während ich mit Leon Tischtennis gezockt habe.
Spät am Abend kam Mamiko mit Weihnachtskuchen vorbei und wir (Mamiko [Jp.]*, Masako [Jp.], Kei [Am.]*, Jenny [Hk.] und Leon [Dt.]* und ich) haben noch fast bis Mitternacht zusammengesessen und gequasselt. Fast nur auf japanisch.

Am 26. Dezember (Sa.) haben Ross und Angela (Wohnheimmanagement) einen Boxing-Day-Dinnerservice angeboten. Wenn also jemand am Abend Hunger und etwas Geld dabei hatte, konnte sich eine Hähnchenkeule, Gemüse, Kartoffelbrei und "Stuffing" holen. Für die Menge an Essen und dem verhältnismäßig günstigen Preis war das schon eine recht feine Sache. Mit einem Haken: Es gab nur etwas für 20 Leute.
Gegen 18:00 Uhr haben sich also alle in der Lounge versammelt, welche sich das Essen nicht entgehen lassen wollten. Insgesamt waren es 13 Leute davon 8 Amerikaner, 3 Japaner, ein Deutscher und ein Unbekannter (noch nie gefragt). Bevor das Essen hereingebracht wurde haben alle etwas Twister gespielt und sich in erbärmlichen Haltungen lächerlich gemacht. Ist ja auch der hintergründige Sinn des Spiels, wenn man mich fragt. Ich habe auch zwei kurze Runden gespielt.
Als es dann ans Essen ging haben alle mit knurrenden Mägen an der Ausgabe auf ihren Teil gewartet. Das Essen war hervorragend und hat auch angenehm satt gemacht. Beim Abwaschen meines Tellers habe ich von Angela in der Küche erfahren, dass sie für das Essen seit dem Morgen kochen musste. Köche haben es nicht leicht.

Nach dem Essen ließ ich den letzten Weihnachtstag des Jahres in Ruhe ausklingen.


Soweit von mir.


Übrigrigens mal zur Erläuterung des "*": Wenn ich hier schon andauernd unbekannte Namen schreibe, dann kann ich ja auch mal die dazugehörige Nationalität derjenigen Personen erwähnen. Nur zum besseren Verständnis also. Ich setze die Abkürzung des Landes in eckige Klammern hinter den Namen der Person, bei der ich es für nötig halte. [Am.] wäre beispielsweise Amerika oder [Hk.] wäre Hongkong.


Donnerstag, 24. Dezember 2009

Glitzer Funkel Blink - Illumination und Rathaus

Die Woche ist zwar noch nicht ganz herum, aber das bisher Erlebte ist schon einen Eintrag wert. Denn in dieser Woche begannen ab Dienstagnachmittag die Winterferien und da hab ich aufgrund der verfügbaren Freizeit ein paar interessantere Dinge als Lernen erlebt.

Nachdem ich am
Dienstag (22. Dez.) mit Nami wahrscheinlich zum letzten Mal in diesem Jahr in der Unimensa gegessen habe, fuhren wir nach einem kurzem Halt in Shinjuku nach Roppongi. Wir wollten nämlich zwischen den Roppongi-Hills die dortige Weihnachtsbeleuchtung bestaunen und den deutschen Weihnachtmarkt besuchen.

Zwischen den Roppongi-Hills (Einkaufs- und Erlebniskomplex) kann man eine riesige Metallspinne bewundern (oder sich davor ekeln). Von einer Aussichtsplattform aus sah man auch den Tokyo-Tower, welcher aufgrund der Helligkeit noch nicht optimal zur Geltung kam.

Am Zielort angekommen war es noch etwas zu hell und die Lichterketten in den Bäumen haben noch nicht ihre volle Wirkung entfaltet. Daher haben wir erst einmal den Weihnachtsmarkt ausfindig gemacht und Nami hat sich eine heiße Schokolade mit Marshmallows gegönnt. Man konnte sich auch eine Tasse Glühwein für rund 600 Yen (ca. 4,50 €), oder fünf deutsche Würstchen für 2500 Yen (ca. 20 €) besorgen, aber das wollte ich meinem Budget nicht zumuten. Der aufkommenden Nostalgie zum Trotz.


Weihnachtsspezereien aus deutschen Gefilden waren neben Glühwein und Würstchen auch Holzspielzeug und Räuchermännchen. Obwohl sie in deutschland produziert wurden, haben sie dennoch den japanischen Knuddelfaktor gehabt (Kulleraugen und Kullerkörper).

Während sich Nami ihren Kakao gegönnt hatte, hab ich ein paar Bilder geknipst. Obwohl der Markt überdacht war, wehte dennoch ein kaltes Lüftchen, was mich etwas ins bibbern brachte.

Nach einer halben Stunde Kakaoschlürfens und Fotoknipsens war es auch recht fix dunkel geworden und wir konnten die Illunimation an den kahlen Bäumen sowie den Tokyo-Tower in der Ferne bestaunen. Wie mir übrigens am nächsten Tag von Marlene mitgeteilt wurde, haben wir die "richtige" Lichtershow glatt übersehen. Muss der Lichterteppich halt ohne uns strahlen...



Ohne wirklich die richtige Beleuchtung in Roppongi gesehen zu haben, konnten wir dennoch eine tolle Aussicht genießen. Die beiden oberen Bilder gehören zur Deko der Einkaufspassage. Die unteren beiden waren geschmückte Bäume vor den Ausgängen des Bahnhofes.

Als wir uns in Roppongi satt gesehen haben, fuhren wir mit der Metro weiter nach Tokyo (es gibt eine Bahnstation namens "Tokyo" in Tokyo). Dort konnte man auch eine Illumination mit dem Namen "Lightopia" besuchen.
Nach einem kurzen Fußmarsch zwischen all den Hochhäusern hindurch, überquerten wir schließlich einen Wassergraben und fanden auf dessen anderer Seite einen Park mit einem beleuchteten Springbrunnen und flackernden Laternen.





Schulklassen haben die vielen Laternen gebastelt und bemalt. An diesem Ort war es trotz der Menschenmengen ruhig und sogar ein bisschen besinnlich. Nur in der Ferne hörte man das Hämmern einer Baustelle und ließ die Stimmung etwas bedrohlich wirken.

Noch mit einem kleinen Funkeln in den Augen ging es im Dunkeln wieder nach Warabi. Dort habe ich auch mal die "Weihnachtsbeleuchtung" an den Laternen abgelichtet.


Gruselsüß. Die Weihnachtsbeleuchtung an den Laternen in Warabi besteht aus blinkenden Weihnachts- und Schneemännern bzw. Lokomotiven oder Schneeflocken. Das ganze Jahr über sitzen kleine Clowns auf Schaukeln an den Laternen und wirken besonders in der Nacht ÜBERHAUPT nicht mehr lustig und freundlich. Sehr befremdlich, wenn die während eines kalten Lufthauches in der Stille anfangen zu schaukeln.

Nach einer erholsamen Nacht wurde ich am 23. Dezember (Mi.) von den sprechenden Müllautos geweckt, welche kaputte Haushaltsgeräte einsammeln und währenddessen eine laute Frauenstimme alles aufzählt, was man denn alles abgeben kann. Immer und immer wieder! Fernseher, Toaster, Reiskocher usw. in Dauerschleife...

Übrigens ist der 23. Dezember ein nationaler Feiertag in Japan, weil an diesem Tag der aktuelle Tenno seinen Geburtstag feiert. Zu dieser Zeit kann man auch den Palast des Tennos besuchen, welcher nur an zwei Tagen im Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird (der andere Tag ist Neujahr).

Beim Frühstück in der Lounge traf ich auf Leon, welcher an diesem Tag spontan irgendwo hingehen wollte. Da ich auch nichts weiter vorhatte, überlegten wir zusammen was man den ansehen könnte. Weil wir keine Lust auf Menschenmassen hatten, strichen wir den Besuch des Tenno-Palastes und nahmen uns den Besuch des tokyoter Rathauses im Stadtteil Shinjuku vor. Also noch fix abgefrühstückt und dann ging es auch schon los.

In Shinjuku angekommen machten wir uns auf die Suche nach dem Zielobjekt, welches wir nach einigem Kartenlesen und Gelaufe auch gefunden haben. Auf dem Weg zum Rathaus konnten wir nun auch mal den Geschäftsbezirk dieses Stadtteils mit all seinen Hochhäusern kennenlernen.



Diese.unzähligen.Hochhäuser in Shinjuku kann man auch von der Sophia-Universität aus sehen. Besonders auffällig ist das etwas abgerundete Gebäude, welches bei näherer Betrachtung eine äußerst merkwürdige Form hat. Besonders mit dem ballähnlichen Gebilde in der Nähe. Vielleicht wollte der Architekt was damit ausdrücken?

Und das ist es. Das Rathaus. In ihm kann man auch die Touristeninformation sowie einige Restaurants und Souvenirläden finden.

Im Rathaus war es aufgrund des Feiertages wie ausgestorben. Nur ein paar Wachen strichen umher oder kontrollierten die Taschen der Besucher, welche auf die Aussichtsplattformen des Gebäudes wollten. Wir wurden auch gefilzt und konnten danach mit dem Aufzug in den 45. Stock des Nordturmes fahren.

Oben angekommen konnte man bei schweißtreibenden 30°C Raumtemperatur eine wundervolle Aussicht über Tokyo genießen. Und im Vergleich zum Tokyo-Tower sogar kostenlos und von einem höheren Aussichtspunkt. Obwohl der Himmel wolkenfrei war und die Sonne strahlte, haben wir aufgrund von Smog nicht allzu weit sehen können. Der Fuji-san schien am Horizont nur blass durch einen grauen Schleier. Auf der 45. Etage konnte man auch allerhand Geld an den dortigen Souvenirläden oder dem überteuerten Restaurants lassen.

Der Ausblick war trotz Sichtbehinderung durch Smog überwältigend. Und ich möchte an dieser Stelle betonen, dass diese Bilder im Winter am 23. Dezember geschossen wurden. Wolkenfreier Himmel bei 10°C Lufttemperatur.

Nachdem wir den Nordturm erkundet haben, ging es zu seinem südlichen Bruder. Da die beiden Türme etwas nah beieinander stehen, verdecken sie jeweils einen Teil der Aussicht. Also machten wir uns wieder in das Erdgeschoss, ließen uns noch einmal filzen und fuhren wieder mit dem Fahrstuhl auf der anderen Seite nach oben. Mir persönlich gefiel mir der Südturm besser, weil man von dessen Plattform aus den Tokyo-Tower und das Stadtzentrum sehen kann.

Nach unserem kleinen Höhenrausch haben wir in einem Sobarestaurant in der Nähe des Rathauses zu Mittag gegessen und sind dann anschließend mit einem kleinen Zwischenhalt in Akihabara nach Hause gefahren.

Am Abend war auf asiatischer Seite eine kleine Fete mit leckerem Essen und Alkohol geplant. Da ich eh nix trinke, habe ich mich mehr über ersteres gefreut. Es gab neben Pasta, "Sushi-Salat" und frittierten Garnelen auch ein im Krabbenpanzer gegarter Käseauflauf mit Shrimps. Etwas mitleidig schauten mich die toten Augen der Krabbe an, während ich die Käsesoße aus ihrer Schale löffelte. Leckerschmecker mit Gewissensbissen.

Alle halfen bei der Zubereitung des Essens mit. Ich schälte und schnitt Kiwis für den Obstsalat. oder Leon frittierte die Garnelen. Da alle mit angepackt haben war das Essen schnell fertig, und man konnte sich ans verputzen der Speisen machen.

So verstrich der Abend in lustiger Atmosphäre bis einer nach dem andern langsam müde wurde und ins Bett gegangen ist.


Soweit von mir und ich wünsche allen Lesern fröhliche Feiertage.