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Mittwoch, 25. August 2010

Das japanische Hausbaukommando

Bei diesem Eintrag fehlt mir leider das selbstgeschossene Bildmaterial, da immer keine Kamera dabei war, wenn ich die Möglichkeit zum knipsen fand. Aber Google sei dank gibt es noch das Internet. Es geht dieses Mal ums Häusle bauen in Japan.

Ab und an sah man bei Spaziergängen in Warabi spontan Ruinen von Wohnhäusern, welche am Vortag noch tadellos herumstanden und nun mit Bagger und Hacke eingerissen wurden. Und bevor einem auch schon der Geruch des nassen Holzes in die Nase steigen konnte, war man sich schon sicher, dass in maximal einem Monat ein neues Haus an dieser Stelle stehen wird.

Hier ein kleines Bild von Google Streetview in Japan. Geschossen wurde es direkt in der Straße in Warabi, welche ich jeden Tag zum Wohnheim und zum Bahnhof entlang lief. Man erkennt eine Lücke in der dichten Bebauung. Da stand vor circa zwei Wochen noch ein Haus und schon kann man das Fundament erahnen.

Denn die Bauweise vieler Häuser in japanischen Wohnvierteln ist relativ leicht. Größtenteils aus Holz und vorgefertigten Wänden zusammengezimmert, verringert sich somit der Sachschaden, wenn mal ein stärkeres Erdbeben die Unterkunft in die Knie zwingen sollte. Und auch genauso schnell ist es dann auch wieder hochgezogen. So kann es also passieren, dass man an einem Tag Häuserruinen sieht, deren Trümmer schon nach weiteren zwei bis drei Tagen weggeräumt sind und nach einer Woche das Fundament für das neue Haus steht. Dann werden Bauplanen hochgezogen und einige Zeit später steht ein neues Haus da. So ist es auch wegen dieser Bauweise oftmals viel billiger ein Haus einfach abzureißen und neu zu bauen, als es zu sanieren.

Aber natürlich kann ich mir vorstellen, dass bei den höheren Gebäuden im Stadtzentrum eine andere Methode des Bauens verwendet wird als größtenteils Holz und Spucke. Erdbebensicherheit wird nämlich auf den Vulkaninseln groß geschrieben. Und auch die Technik entwickelt sich immer weiter, sodass bei einem Beben weitaus weniger passieren kann, als vor 50 Jahren.


Soweit von mir.


Sonntag, 8. August 2010

Big Bang in Saitama - Feuerwerk ganz nah

Am Samstag dem 07. August war ein großes Feuerwerk am Arakawa geplant, welches ca. 30 Minuten Fußweg von Wohnheim entfernt stattfinden sollte. Das wollten ich und ein Großteil der Japaner im Wohnheim sich natürlich nicht entgehen lassen und wir machten Pläne für einen gemeinsamen Ausflug.

Am frühen Nachmittag wurden Maiskolben gekocht, Brötchen mit gebratenen Nudeln gefüllt (yakisoba-pan) und Getränke kalt gestellt, damit wir nicht während des langen Feuerwerks verhungern sollten. Da insgesamt an die 15 Leute eingeplant waren, wurde auch eine dementsprechend große Menge vorbereitet und in Tüten verstaut.

Gegen 17 Uhr trafen sich dann alle im Eingangsbereich des DK House, und wir machten uns mit einem kleinen Zwischenstopp im Supermarkt zum Arakawa auf.

Die Meute des Tages auf dem Weg zum Arakawa. Größtenteils Leute, welche zurzeit im DK House wohnen beziehungsweise mal gewohnt haben.

Je Näher wir unserem Ziel kamen, desto stärker und dichter wurde der Menschenstrom. Direkt am Fluss konnte man vor lauter Menschen und Picknickdecken nicht einmal mehr den Boden sehen. Auch für uns wurde schon vorher eine kleine Plane ausgebreitet (Masako hat vorgesorgt) und somit konnten wir in aller Ruhe essen und beim Sonnenuntergang dem Feuerwerk entgegenfiebern.

Menschenmassen soweit das Auge reicht. Sobald irgendwo ein Großereignis geplant ist, kann man schon damit rechnen, dass mindestens 50.000 Japaner das selbe sehen wollen.


Nachdem wir etwas von unserem Proviant verzehrt haben, und es langsam dämmerte, wurden auch schon die ersten Raketen hochgeschossen. Der erste große Knall hat uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem genommen, denn das Feuerwerk war so nah, dass es unser gesamtes Sichtfeld einnahm. Jeden Knall haben wir mit dem Körper gefühlt.

Das Feuerwerk dauerte insgesamt eineinhalb Stunden. Folgend einige Impressionen in einer kleinen Bilder- und Videosammlung:


Die ersten Knaller des Abends.

Herumexperimentieren mit Hochkant.

Leider kann man auf Videos die Atmosphäre solcher Spektakel nur schlecht einfangen. Und auch der eigenwillige Fokus meiner Kamera machte dieses Feuerwerk etwas "spezieller". im negativen Sinne. Dennoch möchte ich keine bewegten Bilder vorenthalten.

Eigentlich waren es Leon und ich, welche die Raketen steuerten. Aber nicht weitersagen!

Ein bisschen mit der Kamera wackeln und schon kommt so was zustande.

Das große Finale!

Nach der letzten Kaskade von Feuerbällen verhallte das Dröhnen in der Ferne, verblieb aber noch etwas länger in Ohren und Knochen. Die Masse an Mensch, welche dem Spektakel beiwohnte, machte sich langsam auf den Heimweg und wir folgten ihrem Strom nach einer kurzen Wartezeit, welche wir mit mitgebrachtem Feuerwerk füllten.

Als auch wir dann aufbrachen, klangen aus den Lautsprechern mit Musik begleitete Durchsagen, welche zum zügigen Verlassen des Geländes und Vorsicht aufriefen.



Im Wohnheim angekommen wurde noch eine Wassermelone gegessen, bis sich dann alle wieder auf ihren Heimweg bzw. in ihre Zimmer begaben.

Dieses Feuerwerk war bisher das überwältigendste, da ich es aus einer relativen Nähe bestaunen konnte. Wundervoll und doch auch ein wenig ehrfürchtig zugleich.


Soweit von mir.


Montag, 2. August 2010

Ein kleiner Sommer-Sammeleintrag

In den letzten 3, 4 Tagen war eine ganze Menge passiert. Da ich nicht alles in separate Einträge packen möchte, stelle ich sie hier mal zusammen und arbeite mit Zwischenüberschriften.

Kamakura - Strand und Meer

Am 31. Juli (Sa) wollte ich eigentlich zum Sumidagawa (Fluss) in Ueno gehen, um das dortige Feuerwerk zu sehen. Da ich aber gehört habe, dass es dort traditionell sehr überfüllt und schwitzig heiß ist, hat mich die Motivation verlassen. Stattdessen bin ich dem Vorschlag von Nami gefolgt und zusammen mit ihr, Shu und Liane an den Strand von Kamakura gefahren.

Gegen Mittag sind wir also zu viert am Strand eingetrudelt und haben uns im Sand ausgebreitet, einen Sonnenschirm gemietet und uns mit Sonnencreme eingeschmiert, damit uns die Sonne nicht in Briketts verwandelt.

Die Meute des Tages. Wir hatten alle Spaß (sieht man am Grinsen).

Aus insgesamt vier Decken und Matten zauberten wir eine recht bequeme Liegefläche. Wir suchten uns eine der weniger überlaufenen Stellen am Strand aus, denn in der Ferne sahen wir die Menschenmassen aneinander gedrängt im Wasser planschen, was wir nicht so gerne machen wollten.

Das Wasser war recht angenehm und man konnte herrlich mit den hohen Wellen kämpfen bzw. sich mit ihnen treiben lassen. Ab und an streiften uns im Wasser zwar ein paar Algen oder Quallen, aber das tat dem Spaß im Nass keinen Abbruch. Am Strand selbst konnte man hier und da braungebrutzelte Kerle mit ihren Freundinnen herumlaufen sehen, welche sich gegenseitig mit Sand panierten oder Ball spielten.


Genauso wie die Damen jeden Sonnenstrahl meiden, um eine möglichst helle Haut zu bewahren, so versuchen die Herren der Schöpfung auch nur jedes Quäntchen UV-Strahlung in Bräune umzuwandeln. Schönheitsideale halt. Die Sonne verschwand zwar gegen Nachmittag, aber die Wärme blieb. Daher war es dann auch ohne Schirm noch recht angenehm im warmen Sand.

Nach fünf Stunden haben wir uns wieder zum Bahnhof aufgemacht und aßen noch einen Happen, bevor es wieder nach Hause ging. In Warabi angekommen hörten wir auf den Weg zum Wohnheim Musik. Wir gingen der Sache nach und entdecken einen größeren Platz mit Bühne, Lampignons und Buden, auf dem scheinbar ein traditioneller O-Bon Tanz aufgeführt wurde. Komischerweise war das O-Bon Fest aber schon vorbei, was uns aber jedoch nicht davon abhielt dem Spektakel zuzuschauen.

Als uns aber plötzlich die Mückenplage heimsuchte, hielten wir es nicht mehr länger aus und gingen wieder zum Wohnheim zurück.



O-Bon ist das japanische Totenfest, an dem die Seelen der Ahnen aus den Gräbern steigen und die Familien besuchen. Bon wird in Japan an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichen Traditionen unterschiedlich zelebriert. Wer daher also gerne etwas mehr über diese Festzeit erfahren möchte, den empfehle ich an dieser Stelle Wikipedia.


Sommerfest und Feuerwerk - Abschiedsfeier

Am Sonntag dem 01. August war für Shu und mich ein Abschiedstreffen mit einigen Freunden vom Deutsch-Gasshuku geplant. Nami konnte leider nicht mehr mitkommen, da sie an diesem Tag abreiste. Auf der Liste stand ein Besuch des "Natsu-Matsuri" (Sommerfest) in Ueno, ein gemeinsames Essen und ein japanisches hanabi (Feuerwerk) am Arakawa (Fluss) in Nishikasai.

Gegen 14:30 Uhr fanden wir uns alle am Ueno Bahnhof ein und machten uns in einer Sechsergruppe zum Park auf. Dort angekommen liefen wir eine Runde um den See und stellten fest, dass das eigentliche Sommerfest in einem separaten Bereich stattfindet und ein Konzert war. Da uns aber der Künstler nicht interessierte bummelten wir einfach weiter, schauten uns einen Miniflohmarkt an und aßen eine Riesenportion kakikoori (Eis).

Ich bin zwar schon viele Male in Ueno gewesen, habe aber noch nie eine so große Runde um den See gedreht. Die Zikaden waren übrigens zu dieser Zeit am lautesten und nervten mit ihrem Zirpen.

Große, bunte Eisberge im Plastikbecher.

Mit Wasserbauch fuhren wir in Richtung Nishikasai, wo nach und nach noch weitere Leute dazukamen, bis wir eine stolze Gruppe von 11 Leuten waren.

Die Meute des Tages nach dem Essen.

Wir gingen in ein Restaurant und haben ausgiebig und lecker gegessen, als eine Weile später mir, Shu und Shuuhei kleine Päckchen und Tüten in die Hände gedrückt wurden. Dazu kam noch eine kleine Torte mit unseren Namen und ich habe realisiert, dass dies Abschiedsgeschenke waren.

Auf der Torte waren drei Schokoplättchen mit unseren Namen, sowie einer dankenden oder anspornenden Zeile für jeden von uns. In diesem Moment war ich ernsthaft zwischen Freude und Trauer hin und hergerissen.



Das sind die kleinen Geschenke, welche Shu und ich bekommen haben. Ich halte ein kleines Kissen aus Binsengras (für Tatamimatten verwendet) und ein fuurin (Windglöckchen).

Als es draußen dunkelte, machten wir uns auf dem Weg zum Arakawa und hörten schon von weitem, wie das Feuerwerk losdonnerte. In der Angst mein erstes Feuerwerk in Japan verpassen zu können, beschleunigte sich meine Schrittzahl. Jedoch liefen die anderen sorglos und gemütlich weiter, denn das Feuerwerk würde eh nicht so schnell aufhören. Ich war halt noch nicht gewohnt, dass die Feuerwerke hier oftmals mehr als eine Stunde andauern und man daher nicht hetzen muss.
Am Arakawa angekommen suchten wir uns eine kleine Niesche zwischen den andern Leuten und sahen dem Farbenreigen zu.




Das Feuerwerk dauerte gut eineinhalb Stunden und war von unserem Standpunkt aus gut zu sehen. Mir gefiel das Panorama mit der Schnellstraße und der Skyline.


Nachdem alles abgefackelt wurde und auch der letzte Funken verglüht war, machte sich wahrscheinlich halb Tokyo auf dem Nachhauseweg. Wir warteten eine Weile und folgten dann dem schwächer werdenden Menschenstrom zum Bahnhof. Dort verabschiedeten wir uns noch alle voneinander und trennten uns dann nacheinander in der Bahn auf dem Weg nach Hause.

An diesem Tag haben wir uns alle wahrscheinlich das letzte Mal treffen können. Für längere Zeit.


Aufbruchsstimmung im DK House

Seit dem 29. Juli (Fr.) begannen bei vielen Bewohnern des DK House die Heimkehrvorbereitungen. Hätte ich meinen Vertrag nicht verlängert, wäre ich in dieser Zeit ebenfalls sehr beschäftigt gewesen.

Fast jeder machte sauber, entsorgte seinen Müll und hinterließ nicht verbrauchtes Essen in der Küche als "Take Free". Nun liegt ein riesiger "Kadaver" an Gewürzen, Soßen, Puddings, Eiern, Zwiebeln und noch vieles vieles mehr in der Küche und wartet darauf von den übrigen Bewohnern zersetzt zu werden. Aber wer braucht schon geschätzte zwei Liter Tabasco oder 30 Scheiben Toastbrot?

Etwas Brauchbares konnte man auch in der Box ergattern, welche im Eingangsbereich des DK herumstand. Kurzfristig entwickelte sich die sogenannte "Take-Free" Box zur "Take-Free" Zone, als scheinbar 80 Prozent des Wohnheims seine Klamotten, Shampoos, Bücher und Kissen dort ablud. Leider habe ich keine Fotos gemacht, aber stellt euch am besten einen Stand auf einem Flohmarkt vor, auf dem man fast alles bekommen kann, was das Herz begehrt. Sogar Fernseher und Reiskocher.
Auch ich habe ein bisschen herumgesucht und bin nun für den Rest meines Aufenthaltes mit Shampoo eingedeckt. Von den Zahnbürsten habe ich jedoch etwas Abstand gehalten. Ich habe auch ein Buch gefunden, welches ich im ersten Semester in der Sophia-Uni benutzen musste. Damals habe ich es mir von einer Freundin ausgeliehen und musste es zurückgeben. Nun liegt ein anderes "Free" in meinem Zimmer (samt Hörbeispiel-CD).

So gut dieser Massenauszug auch sein mag, es gibt ebenfalls schlechte Seiten: Nachdem alle ausgezogen waren (größtenteils Amerikaner) war es totenstill im DK. Für einen Tag traf ich kaum auf andere Personen und auch in der Lounge war es ungewohnt still. Auch war der Abschied von Sven, Tina und Marlene und den anderen Gesichtern, an welche man sich hier gewöhnt hat, sehr schwer.
Nun brach auch die Zeit an, vor der mich damals Virgine (Freundin aus Frankreich; lebte auch im DK) warnte: Die Franzosen kommen! Und tatsächlich: Insgesamt trafen in den letzten Tagen an die 30-40 Franzosen hier ein. Am 01. August kamen 25 von ihnen, sodass ich sogar dem Wohnheimmanagement beim Einweisen aushelfen musste. Leider scheint es vielen Franzosen schwer zu fallen die Englische Sprache zu verstehen, sodass es wiederum mir schwer fiel mit ihnen zu kommunizieren. Mit einigen von ihnen komme ich aber auch recht gut klar und habe schon interessante Unterhaltungen geführt.


Soweit von mir

...

Das war nun ein wirklich langer Beitrag und ich entschuldige mich für die Länge, aber wenn ich noch einen Tag gewartet hätte, dann wäre wahrscheinlich noch mehr dazu gekommen.

Mal schaun', was sonst noch so kommen wird.


Samstag, 24. Juli 2010

Tierwelt in Warabi

Nach meinen mittlerweile schon 10 Monaten hier in Japan, habe ich so einige Tiere gesehen, welche in deutschen Gefilden eher selten oder anders vorkommen. Nun ist es mal an der Zeit von meinen Erlebnissen mit den pelzigen, krabbelnden, lärmenden oder schwimmenden Viechern in meinem Umfeld zu berichten. Und da gibt es so einige.

Vögel

Die wahrscheinlich ersten Vögel in Tokyo, auf die man treffen wird, sind Krähen. Die sind das ganze Jahr zu und zu jeder Tageszeit in der Stadt zu finden und krächzen lauthals in der Nachbarschaft herum. An den Tagen, an denen der Müll herausgebracht wird, machen sich die schwarz gefiederten Biester auf der Suche nach Resten in Scharen über alle Säcke her, welche nicht mit Netzen abgedeckt oder sonst wie gesichert sind. Meistens hinterlassen sie danach auch immer eine riesiege Sauerei. Groß sind die Ebenfalls.



Leider habe ich auf dem rechten Bild keine Krähen "inflagranti" erwischt. Aber so sieht es an den meisten Mülltagen aus, wenn der Müll nich abgesichert wurde.

Eine weitere fliegende Spezies sind Vögel, welche Nami kurzerhand "Bananenvögel" getauft hatte, da sie beim Fliegen wie Bananen gekrümmt sind. Ihr nerviger Ruf ist steht dem der Krähen in nichts nach. Besonders im Frühjahr haben diese Vögel gekreischt wie am Spieß. Leider kenne ich ihre genaue Bezeichnung nicht und habe sie auch nicht nach Recherche gefunden. Ich vermute mal, dass es japanische Amseln oder Stare sind, aber da bin ich mir nun auch nicht sicher.

Haustiere

Hier streunen in der Nachbarschaft sehr viele Katzen herum. Ein besonders häufig auftretendes Merkmal von ihnen ist der fehlende Schwanz, welcher bis auf einen Stummel reduziert ist. Wahrscheinlich eine oft praktizierte Methode bei Hauskatzen bevor sie ausgebüchst sind. Weiterhin sind sie sehr scheu und lassen einen nicht mal auf fünf Meter herankommen, was mir aber wegen meiner Katzenallergie gerade recht kommt. Das Wohnheimmanagement hat zurzeit eine zugelaufene Katze bei sich im Büro, welche es sich dort gut gehen lässt und Chaos stiftet.

Freunde der besten Freunde des Menschen finden hier eher weniger Abwechslung. Hier scheint eine Art kleiner Hunde sehr beliebt zu sein, welche man auch mal als "Fußhupen" bezeichnen kann und die man bequem in einer Handtasche verstauen kann. Treffen sich zwei von denen dann auf der Straße wird auch schon aus Leibeskräften losgekläfft. Zum Leidwesen der Mittagsruhe. Andere Hunderassen wie den Shiba Inu oder den Welsh Corgi habe ich hier ins Herz geschlossen und zu meinen persönlichen Favoriten erklärt. Zumindest hier in Warabi scheinen das die geläufigsten Arten zu sein, welche man hier antrifft.

Das hier ist ein kleiner Shiba Inu Welpe, wie man ihm im Tiergeschäft in Venus Forte auf Odaiba kaufen kann. Für mich sind sie DIE Hunde Japans.

Flussbewohner

Hier in der Nähe plätschert ja auch ein kleiner Flusslauf (Midori Kawa) in dem einige Tiere leben. Ab und an sieht man ein paar Enten und wenn der Wasserstand hoch ist, erkennt man ab und an armlange Karpfen (aber keine Kois) unter der Wasseroberfläche. Eines Tages war der Wasserstand des Flusses so niedrig, dass die Fische nicht mehr weiter kamen und fast auf dem Trockenen lagen. Aber ein netter Mann versuchte einige der Fische zu retten und trug sie in tiefere Gewässer weiter abwärts.

Wenn die Dämmerung einbricht habe ich ab und an einige Fledermäuse herumflattern sehen, welche über dem Fluss nach Mücken gejagt haben. Zuerst habe ich sie erst für Spatzen gehalten.

Insekten und Krabbelviecher

Die wohl neuesten Entdeckungen habe ich hier aber wohl in der Insektenwelt gemacht. Hier scheinen die Käfer aufgrund des warmen Klimas wesentlich größer zu wachsen als in deutschen Gefilden.
Mitte Herbst des letzen Jahres habe ich auf dem Weg nach Hause meine erste Gottesanbeterin gesehen. Sie sind ungefähr so groß wie eine Handfläche und können bemerkenswert gut sehen. Als ich auf sie zugelaufen bin, hat sich mich schon aus drei Metern Entfernung erkannt und wollte wegkrabbeln. Ich hab nur ein kleines Foto mit dem Handy geknipst und hab sie dann wieder ihres Weges krabbeln lassen.

Irgendwie interessant, diese Wesen. Ich hatte auch schon eine auf dem Sophia Campus gesehen und vom Fußweg ins Gebüsch getragen. Die haben ziemlich weiche Hinterteile...

Wenn es im Sommer richtig warm wird fangen hier die Zikaden an zu singen, zu zirpen oder zu knattern. In der Nähe des Sophia Campus kann man zwei verschiedene Sorten hören, welche unsichtbar in den Bäumen herumlärmen. Sie hört man sogar durch den Verkehrslärm und durch geschlossene Fenster. Bisher klingen sie für mich aber noch mehr nach "typisch japanischen Sommer" als nach "Nervtot".

Links eine Zikade, welche ich in der Nähe des Yotsuya Campus an einem Pfahl gefunden habe. Ihr Ruf klingt wie ein beschleunigender Formel 1 Wagen im Miniaturformat. Rechts die Haut einer anderen Zikadenart, welche auf dem Weg hinter dem Wohnheim gefunden wurde.
Auf die Bilder klicken zum Vergrößern!

Weitere Lieblingsviecher von mir sind die Geckos hier. Diese tauchen nach schwülwarmen Regenfällen auf und suchen nach Käfern zum Fressen. Bisher habe ich schon drei von denen gesehen, welche aber recht scheu sind und sofort flüchten, sobald man sich bewegt oder einen Ton von sich gibt.

Der hier wartet im Dunkeln am Fliegengitter auf Insekten. Wenn die Käfer vom Licht angezogen auf dem Gitter sitzen dann schlägt der Gecko zu.

Weniger gemütlich wird es bei Mücken, Kakerlaken und Krabbelmonster (undefinierbar abscheulich), welche es sogar bis in die eigenen vier Wände schaffen können.
Mücken verbreiten sich aufgrund der schwülen Wärme besonders rasch und piesacken jeden, welche sich nicht schützt.


Kakerlaken sind nur selten kleiner als drei Zentimeter und krabbeln ab und an auch mal in Häusern herum. Das interessante an ihnen ist: sie können fliegen und machen davon auch angeblich oft gebrauch, wenn man sie in Ecken treibt. Dann gehen sie nämlich zum angriff über und springen einen auch schon mal einen an. Ist mir aber noch nie selber passiert.

Ich hoffe, ich habe meine Leserschaft mit dem Bild nicht vergrault. So sehen Kakerlaken in Japan aus.

Das wohl bisher abstruseste Wesen habe ich noch nie selber gesehen, aber Shu hat damit schon Bekanntschaft gemacht. Mit stattlichen 9 cm hing "es" an der Wand und sieht irgendwie aus wie eine Kreuzung aus Kakerlake und Hundertfüßler. Hier das Beweisfoto:

Was ist das???

Um sich gegen diverse Insekteninvasionen zu schützen, kauft sich der Japaner im Supermarkt kleine "Rauchgranaten" mit Insektenmitteln (und scheinbar auch kleinen Power Rangern), räuchert dann seine Wohnung damit ein, und hat dann den ganzen Sommer ruhe. Die Mittelchen werden auch in der Werbung angepriesen. Leider ist der Spot nicht mehr auf Youtube verfügbar.

Natürlich sind das nicht die einzigen Tierchen, welche hier leben. Ich wollte jedenfalls einmal aufzeigen, wie unterschiedlich die Fauna in einem anderen Land sein kann, und wie man sich daran angepasst hat. Ich hoffe, der Beitrag hat gefallen.


Soweit von mir.


Samstag, 2. Januar 2010

Gut gerutscht - Jahreswechsel in Japan

Neues Jahr - alter Blog. Es kommt mir bei diesem Eintrag vor, als ob ich über eine Woche schreiben würde. Aber es sind nur drei Tage, an denen aber 'ne Menge gemacht wurde. Es wird eine Menge an Lesestoff werden, mit dem ich wahrscheinlich die folgenden, ereignislosen Tage kompensieren werde.

Nun denn...

Der 31. Dezember (Do.); also der letzte Tag des Jahres wird in Japan O-misoka genannt. Weil Leon und ich in unseren allabendlichen Tischtennisspielen den Tischtennisballvorrat im DK Warabi pulverisiert haben, entschieden wir uns an diesem Tag ein paar Ersatzbälle zu besorgen. Aber da uns der "Supermarkt umme Ecke" zu langweilig war, verknüpften wir unsere Pflicht mit einer Tour nach Shibuya. Einerseits, weil wir dank Monatsticket etwas sparen konnten, und andererseits, weil Leon noch nie dagewesen war.

Wir fuhren also mit der Keihin-Tohoku- und der Saikyo-Linie zum besagten Ort und haben uns erst einmal in einem Musikladen aufgetaut (es war bewölkt und kalt). Als sich die Sonne und der Hunger zeigten, entschieden wir uns nach einem günstigen Lokal zu suchen. Da wir aber bei sporadischer Suche keinen Laden finden konnte, welcher Fleischloses für billig Geld verkaufte (Leon ist Vegetarier; ich muss sparen), entschieden wir uns kurzerhand für Reisbällchen und Sushi aus dem Convenient-Store. Das Essen verspeisten wir nach erfolglosem Sitzgelegenheiten-Suchen auf einer Mauer sitzend am Straßenrand in der Nähe des Yoyogi-Parks. Nebenbei knipsten wir auch ein paar Bilder



"Auf der Mauer, auf der Lauer." Da man wahrscheinlich alle Bänke in Shinjuku und Harajuku entfernt zu haben schien, haben wir es uns auf einer Mauer im Sonnenschein bequem gemacht. Dank unserer Größe (Leon: 193cm; ich: 192cm) konnten wir sie auch recht einfach erklimmen. Sehr zum Erstaunen einiger Passanten.

Nachdem wir gesättigt waren, besuchten wir den Yoyogi-Park, welchen ich mir auch schon im Februar mit einigen Freunden angesehen habe.


Innerhalb des Parks wimmelte es nur so von Raben. Anscheinend schienen sie dort ihr Hauptquartier zu haben. Neben dem schwarzen Federvieh flanierten auch eine Menge Besucher auf den Wegen, welche die Sonnenstrahlen, den Springbrunnen und das "zwitschern" der Raben genossen.

Körperlich und seelisch gestärkt machten wir uns nach dem Parkbesuch auf die Suche nach einem Geschäft, welches Tischtennisbälle verkaufte. Da wir nicht genau wussten, wo das nächstbeste Örtchen dafür zu finden war, gingen wir in die Takeshita-Dori (auch ein altbekannter Ort für mich). Und dort fanden wir auch in einem Laden Bälle und ein japanisches Kartenspiel mit dem Namen "Hanafuda", welches ich so gerne spiele. Danach wollte ich noch Leon einen kleinen Schrein zeigen, welchen ich damals mit Nami und Shu zufälligerweise entdeckt haben.

Das ist die Takeshita-Dori, wie man sie im Februar sehen konnte. Ich habe leider kein aktuelles Bild geknipst, aber bis auf die unterschiedliche Ballon-Figur und dem schlechten Wetter sah sie noch genau so aus.

Am besagten Schrein angekommen hatten wir das Glück an einer rituellen Reinigung des Schreingeländes beizuwohnen, welche zum Jahresende an allen Shintoschreinen durchgeführt wird. Ich habe aber aus Respekt keine Fotos geschossen.

Auch ein altes Bild. Bei der Zeremonie waren an die zehn Priester, zwei Schreinjungfrauen und noch ein paar Gehilfen beteiligt. Die Zuschauer wurden bei der Gelegenheit ebenfalls rituell gereinigt. Am interessantesten fand ich das Ritual, bei dem man sich das Böse mit einem Stück Papier von sich abwischen musste. Da wir keine Shintoisten sind haben wir uns aber nicht abgeputzt.

Danach ging es wieder ins Wohnheim in dem ich am Abend zusammen mit Leon, Nami, Alisa [Rus.], sowie mit Tina und Freunden in das neue Jahr feiern wollte.
Zum Abend haben wir uns also in der Lounge versammelt und schauten bis kurz vor Mitternacht eine der berühmtesten Fernsehsendung in Japan. Diese hieß "Kouhaku Uta Gassen", in welcher das rote Team (berühmte weibliche Sänger) gegen das weiße Team (berühmte männliche Sänger) antritt und am Ende der Show (nach 5 Stunden) der Sieger gewählt wird. An diesem Abend waren die Männer die Sieger. Beim Anschauen fühle es sich fast so an wie der Eurovision Song Contest. Nur, dass es nicht so viele Parteien gab. Bei der Abstimmung konnten wir sogar per Fernbedienung mitwählen.

Als es Mitternacht schlug, sahen wir im Fernsehen, wie unendlich viele Menschen an einem Tempel in der Nähe des Tokyo Towers unendlich viele Ballons in den Nachthimmel entließen. Im Gegensatz zu meinem heimatlichen Neujahrsbrauch wird in Japan aber kein Feuerwerk gezündet. Nicht ein einziger Mensch ließ es knallen. Irgendwie schön und schade zugleicht. Kein Rauch, Lärm oder Müll.

Wir stießen noch auf das neue Jahr an und schauten noch etwas Fernsehen, bis einer nach dem anderen ins Bett ging.

Am ersten Januar (Fr.) wollten wir (Leon, Tina, Alisa und ich) es den Japanern gleichtun und den ersten Schreinbesuch des Jahres (Hatsumoude) zum japanischen Neujahr (Shougatsu) zelebrieren. Da der Meiji-Schrein aber allen Anschein überlaufen war, entschieden wir uns zum Schein und zum Tempel in Warabi zu laufen.

Als erstes gingen wir zum Tempel, welchen ich zu meiner Schande auch schon mal etwas früher besucht haben könnte. Dort war es noch nicht so voll. Eher schon idyllisch.

Neujahr am Tempel. Kaum eine Menschenseele war auf dem Tempelgelände zu sehen.

Da der Schrein nicht so weit vom Tempel entfernt war, machten wir auch einen Abstecher dorthin. Aber im Gegensatz zu dem buddhistischen Gegenpart waren hier wesentlich mehr Leute anwesend, welche eine Riesenschlange bildeten (ca. 80 bis 100 Meter) um am Schrein für ein gutes Jahr zu beten. Auf dem Scheingelände konnte man sich auch an einigen Läden Glücksbringer, Essen und sogar Videospiel kaufen. Fast schon wie Flohmarkt.



Eine Menge Leute besuchten den Schrein, auf dessen Gelände man allerhand Dinge erstehen konnte. Unten links sieht man den Wunschhelfer Daruma, dessen rechte Pupille man ausmalen soll, wenn man einen Wunsch hat. Ist der Wunsch erfüllt, kann man auch die zweite Pupille ausmalen. Im Bild daneben sieht man das Okonomiyaki, welches ich mir gegönnt habe, und was himmlisch geschmeckt hat (auch wenn's nicht so aussieht).

Danch machten wir uns wieder auf dem Nachhauseweg, und ließen den ersten Tag des Jahres ruhig und gemütlich ausklingen, indem wir in der Lounge eine sehr bekannte Fernsehserie namens "Sasuke" schauten. In dieser Spielshow versuchen die Teilnehmer einen sehr kräftezehrenden Hindernislauf zu bewältigen, welchen man angeblich nur mit Ninjakräften bewältigen kann. Hier ein Zusammenschnitt des Gewinners von 2006 (welcher aber auch 2010 teilnahm):


Das schlaucht schon beim Zusehen. Dieser fitte Herr mit dem Namen Makoto Nagano, schaffte den Parcour im Jahre 2006. 2010 rutschte er schon in der ersten Runde versehentlich aus, und musste ausscheiden. Aber nächstes Jahr gibt es auch eine neue Chance.

Danach ging es ins Bett.

Am 02. Januar (Sa.) war nichts spannendes passiert. Am Abend gab es wieder ein besonderes Programm im TV zu sehen. Es war ein Kabukistück, welches man zu Neujahr spielt. Somit haben wir auch etwas Kultur zu sehen bekommen. Hier ist etwas Kabuki (Werbefilm für ein Kabukispiel im Kino) für alle, welche es noch nicht kennen sollten:


Die Flöten, Trommeln und verzerrten Gesichter sind das Hauptmerkmal von Kabuki. Streng eingehaltenene Choreografien und schrille Töne gehören auch dazu.

Ab dem 03. Januar (So.) beginnen meine Vorbereitungen für die Uni, welche am 05. wieder weitergeht. Große Pläne sind also an den letzten Tagen der Winterferien nicht gesteckt. Demzufolge auch leider keine nennenswerten Einträge.


Soweit von mir.


Übrigens ist im japanischen Horoskop das Jahr 2010 das Jahr des Tigers. Das merkt man spätestens daran, dass die japanischen Neujahrskarten oftmals mit Tigermotiven bedruckt werden.