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Samstag, 4. Dezember 2010

Nur eine Kleinigkeit - Schenken in Japan

Möglichkeiten für das Beschenken gibt es ebenso viele, wie es Dinge gibt, welche man an die verschiedensten Leute verschenken kann. Und das ist auch in Japan nicht anders. Jedoch gibt es kulturell gesehen ein, zwei kleine Verhaltensweisen, auf die man bei diversen Anlässen achten sollte. In Japan herrscht eine ausgeprägte Geschenkkultur, welche fest in die zwischenmenschlichen Beziehungen eingeflochten ist. Als Fernhalter von Fauxpas habe ich versucht, einige der wichtigsten Regeln des Gebens zusammenzutragen.

Grundlegendes zuerst: Erhält ein Japaner ein Geschenk, so fühlt dieser sich in den häufigsten Fällen dazu verpflichtet ein Gegengeschenk zu machen. Zwar nicht sofort, aber irgendwann kommt diese Fälligkeit bestimmt. Im umgekehrten Falle sollte man sich ebenfalls Gedanken für eine kleine Gegenleistung machen, wenn man beispielsweise ein kleines Gastgeschenk erhalten hat. In meinem Falle hatte war ich für einen Tag bei einer japanischen Familie zu Gast, und habe der Mutter bei meiner Ankunft etwas Schokolade aus Deutschland gegeben. Als ich wieder gegangen bin, gab es von ihr als Gegenleistung ein paar japanische Süßigkeiten. Schenken und beschenkt werden halt.
Taten aus Freundlichkeit werden nämlich oft als "Last" für denjenigen angesehen, der sie vollbringt. Demzufolge steht man in der Schuld desjenigen, und sollte eine Gegenleistung erbringen. (Wenn man übrigens einen Gefallen getan bekommen hat, so sagt man der Person auch eher "Entschuldigung" als "Danke".) Ein extremes Beispiel ist die Valentinstagsschokolade, welche der beschenkte Mann einen Monat später am "White Day" der Schenkerin in Form von weißer Schokolade erwiedern sollte (angeblich sogar im doppelten Wert). Für andere Geschenke gilt, dass der Wert eines Gegengeschenkes ungefähr knapp unter dem Wert des erhaltenen Geschenkes liegen sollte. Wenn man den genauen Preis nicht kennt, so kann man auch schätzen.
Bekommt man übrigens ein reines Dankesgeschenk, so braucht man keine Gegenleistung erbringen, da es ja schon die Begleichung des "Schuldenkontos" ist.


Die beliebtesten Präsente unter Japanern sind Nahrungsmittel. Das japanische Sprichwort "hana yori dango" ("Lieber Klöße als Blumen") beschreibt ihren Pragmatismus am besten. Fährt ein Japaner beispielsweise in den Urlaub, so hat er bei seiner Heimkehr mit hoher Sicherheit keine Staubfänger als Souvenirs für Bekannte und Familie im Gepäck dabei, sondern bekannte Spezialitäten aus der besuchten Region (omiyage). Jede Ecke in Japan hat nämlich ihre eigenen Köstlichkeiten, über die manchmal sogar im Fernsehen berichtet wird. In vielen Urlaubsorten erinnern die Souvenirläden an den Bahnhöfen fast schon an einen Lebensmittelhandel.
Kommt man aus dem Ausland (sagen wir mal Deutschland), so kann man auch ein paar "Exportschlager" wie die Gummitiere vom gelben Bär (aber keine Lakritze - schmeckt selten jemanden) oder die Schoki mit der lila Kuh vorbeibringen. Bier und Wurst tun es auch, wenn man unbedingt das japanische Klischee des Deutschen betonen möchte. Eine sehr beliebte Süßigkeit ist auch Baumkuchen. Dieser wird zwar auch in Japan (sogar mit deutschen Namen) verkauft, aber meist ohne Schokolade und dafür mit verschiedenen Aromen wie Banane oder grünem Tee.

Bei der Übergabe eines Geschenkes aus Höflichkeit (Gastgeschenke etc.) ist darauf zu achten, nicht unbedingt prahlerisch zu wirken. Auch wenn man Ewigkeiten gesucht und gegrübelt hatte, so sollte man das Geschenk mit einer gewissen Zurückhaltung abgeben. In vielen Reiseführern steht beispielsweise, dass ein Japaner aus Bescheidenheit das Paket bei der Übergabe als "nur eine Wertlosigkeit" oder "eine langweilige Sache" markiert. Den Stolz sollte man also vermeiden.

Für alle, welche gerne erfahren wollen, ob das Geschenk nun Gefallen findet oder nicht, die sollten sich keine allzu großen Hoffnungen bei Japanern machen. Denn das Geschenk wird meistens angenommen und scheinbar achtlos weggestellt. Man will ja nicht unbedingt als habgierig erscheinen. Erst dann, wenn der Gast gegangen ist, wird es schliesslich ausgepackt. So ersparen sich beide Parteien bei Missfallen des Geschenkes sich doch irgendwie verstellen zu müssen.

Eine Sache, welche ich zwar schon gehört, aber selber noch kaum erlebt habe, ist eine Praxis mit Geschenkverpackungen. Viele Kaufhäuser haben ihre eigenen Geschenkverpackungen und lassen einen sofort erkennen, wo es gekauft wurde. Bei etwas prestigebehafteten Shops, ist somit der Ursprung des Päckchens durch sein Äußeres bereits vorgegeben. Somit kann es passieren, dass einige toll verpackte Geschenke schon durch mehrere Hände weiterverschenkt worden sind, ohne ausgepackt zu werden. Allein der Akt des Schenkens kann somit schon eine Geste an sich sein.

All diese Normen gelten am ehesten noch in formellen Kreisen, in denen Höflichkeit eine große Bedeutung besitzt. Im engen Freundeskreis sind diese Regeln natürlich etwas lockerer.

Mein letztes Beispiel sind Geldgeschenke, beispielsweise zu Hochzeiten oder Beerdigungen. Das Geld sollte man vorher in bestimmte Umschläge (noshibukuro) stecken, welche man fast in jedem Convenience Store oder Schreibwarenladen kaufen kann, und dann überreichen. Diese Unschläge haben je nach Anlass eine bestimmte Beschriftung und Bänder in besonderen Farben und Formen, welche man tunlichst nicht verwechseln sollte. Beerdigungen sind schließlich keine Hochzeiten oder umgekehrt. Die Umschläge für Beerdigungen haben meistens eine Schleife, deren Enden nach oben zeigen.
Auch bei normalen Übergaben von größeren Geldbeträgen werden übrigens Umschläge verwendet, welche aber nicht so sehr verziert sind.

Gibt man Geschenke, so sollte man kulturelle Unglückssymbole meiden. Die Zahl "vier" (klingt wie "shi" - Tod) oder die Farbe Weiß (Trauer) sollte man meiden. Beispielsweise sollte man bei Geldgeschenken an Hochzeiten darauf achten nicht vier Scheine in den Umschlag zu packen und weiße Blumen sind nur bei Beerdigungen angebracht.

Schenken in Japan ist also eine verworrene Angelegenheit, bei der es viel zu beachten gilt. Allein schon durch kulturelle Faktoren bedingt, kann man in verschiedene Fettnäpfchen treten, welche man durch eine gute Vorbereitung hätte vermeiden können. Je mehr man sich also mit den Eigenheiten von diesem Land befasst, umso eher kann man peinliche Situationen vermeiden und Alltagshürden souverän meistern.


Soweit von mir.


Mittwoch, 8. September 2010

Geld in Japan - Der Yen

Hier steht schon einiges in diesem Blog, doch irgendwie habe ich es geschafft über eine Sache bisher überhaupt nichts zu schreiben. Dabei war sie auf meinen Reisen in Japan immer mit dabei: Das japanische Geld. Hier erstmal ein paar Fahndungsfotos:



Kleingeld. Die 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Yen Stücken von beiden Seiten.

Und die Scheine. Der 2000 Yen Schein ist übrigens seeeehr schwer in Japan zu finden. Selbst Japaner staunen, wenn sie den sehen. Ich habe ihn selbst nie besessen und man bekommt ihn angeblich nur noch im Ausland eingewechselt. Wer sein Geld sparsam ausgeben möchte, der kann sehr grob 100 Yen wie einen Euro behandeln. Der wahre Kurs liegt zurzeit (September 2010) bei 100 ¥ = 0,93 €.
(Bildquelle: Wikipedia)

Schon kurz nachdem man seine ersten Schritte nach der Landung in Japan gemacht hat, kann man am Flughafen sein Eurogeld gegen den Yen einwechseln. Auch ich habe es an meinem allerersten Tag in Japan gemacht und nach dem Umtausch einige Sachen an der neuen Währung festgestellt:
Zuerst sind die Münzen um einiges leichter, als die Europawährung. Die 1 Yen Münze besteht sogar aus Alu und fühlt sich fast schon wie Spielgeld an. Wahrscheinlich sind die Einer so leicht, weil diese sich am schnellsten im Geldbeutel ansammeln und sonst zu schwer werden. Und während der Euro acht verschiedene Münzen hat, kommt der Yen nur auf sechs Typen. Es fehlt nämlich ein Äquivalent zur 2 Cent, 20 Cent und zur 2 Euro Münze. Dafür gibt es das 500 Yen Stück, was einer 5 Euro Münze entsprechen würde.

Das Papiergeld ist leider nicht so farbenfroh wie der Euro. Am stärksten habe ich das auf meiner Heimreise im August gemerkt, als ich wieder kunterbunte Euroscheine gegen blassen Yen bekommen habe. Es gibt keine Scheine, welche größer als 10000 Yen (100€) sind. Bei größeren Summen im Geldbeutel, hat man also vergleichsweise mehr Scheine in der Börse. Die Personen/Dinge auf dem Papier sind vom kleinsten zum größten Schein Noguchi Hideo (1000¥), das Shurei Tor (2000¥), Higuchi Ichiyou (5000¥) und Fukuzawa Yukichi (10000¥). Fukuzawa Yukichi ist für alle Leute wichtig, welche an der Keio-Uni studieren, denn diese hat er im Jahre 1858 gegründet.

Um ohne große, geschichtliche Fakten nennen zu müssen, wollte ich noch erwähnen, dass es auch viele Reformen am Yen gab, bei denen einige Scheine verschwanden und durch Neue ersetzt wurden. Darunter gehört auch der alte 5000¥ Schein, auf dem Nitobe Inazo abgebildet ist. Dieser ist übrigens für alle Halle-Universitätsstudenten wichtig, da dieser Herr seinen Professor an ebendieser Uni gemacht hat. Da viele ältere Japaner den Herren Nitobe kennen, konnte der hallenser Austauschstudent in Japan so seine Uni ins Gespräch bringen. Auch ich habe es ab und zu gemacht, weil ich einen dieser Scheine besessen habe.

Da auf allen Scheinen nur Herren abgebildet waren, wurde im Zuge der Gleichberechtigung der Herr Nitobe gegen Frau Higuchi ersetzt. Jedoch sind einige seiner Scheine noch im Umlauf und können auch noch ausgegeben werden.

Wie mit jeder Währung, sollte man auch mit dem Yen sparsam umgehen. Jedoch schien es mir im Großraum Tokyo schneller aus der Tasche zu gleiten, als daheim. Das lag wahrscheinlich auch an den höheren Preisen für Lebensmittel und anderen Waren. Derzeit besitze ich nur noch Münzen. Die Scheine wurden alle zurückgetauscht. Schade eigentlich. Ich hätte wenigstens noch ein bisschen Origami mit ihnen üben können.

Schicke Mützen, Herr Noguchi.

Soweit von mir.