Montag, 28. September 2009

Kinderkram - Grundschule in Warabi

Nun mal ein paar Worte über die Schule in der Nachbarschaft von meinem Wohnheim, in dem ich lebe… Da dort besonders kleine Japaner auf dem Hof herumlaufen, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um eine normale japanische Grundschule handelt.


Vom Wohnheim aus kann man die Schule recht gut erkennen (und auch hören). Auf dem Schuldach wehen drei Flaggen, welche von Links nach Rechts die Flaggen für Warabi (Stadt), Japan (Land) und Kawaguchi (Präfektur) sind.

Wenn nicht gerade Wochenende oder Feiertag ist beginnt die Schulzeit um ca. 08:00 Uhr. Das merke ich zumeist daran, dass die Kleinen nach einem Signal aus den Schullautsprechern auf dem Schulhof stehen und den Morgenappell durchziehen müssen. Dazu stehen alle in Reih und Glied auf dem Hof und werden von dem Direktor für den Tag motiviert. Dabei wird auch buchstäblich auf die Pauke gehauen, was wirklich dröhnt. Ich werde also keine Sorgen haben bis 10:00 Uhr zu verschlafen.

Danach ist Unterricht, wobei ich das Gefühl habe, dass die ganze Zeit Pause ist. Dabei machen die Kids einen Riesenlärm, und es klingt nach dem Morgenappell wie Hofpause. Liegt womöglich auch daran, dass ein Teil des Schulhofs auch gleichzeitig als Sportplatz genutzt wird. Nur ab und zu ist es mal wirklich richtig leise, und kein Kind ist zu hören.

Ab und an kann man auch Musik und Trommeln hören, wenn für die kleinen Rabauken der Sport ansteht. Dann sieht man auf dem Hof lauter gelbe, blaue, grüne und rotbemützte Kinder (je nach Jahrgangsstufe) unter Anleitung der Lehrer auf dem Schulhof herumhüpfen.

Am 26. September war scheinbar ein Sportfest in der Schule. Ich wurde schon gegen 7:39 Uhr von Lautsprecherdurchsagen des Schuldirektors geweckt, und später wurde mein Frühstück mit Musik und Trommelschlägen begleitet.

Die Kleinen hüpfen buntbemützt auf dem Schulhof herum, während die Eltern nebenbei zuschauen, und sich wahrscheinlich freuen, dass ihr Kind an diesem Tag mal freiwillig ins Bett will.

Da in Japan übrigens das Prinzip der Ganztagschule gilt, ist die Schule erst ab ca. 18:00 vollkommen zu. Der Unterricht ist zwar schon früher vorbei, aber die kleinen sind danach noch in schulische Aktivitäten wie Sport-Clubs oder anderen Zirkeln. Sonntags scheint der Schulhof für eine Grundschul-Baketball-Gruppe benutzt zu werden. Dann schreien die kleinen immer nur "Oiiii". Und dass kann auch schon mal an den Neven zehren.

Um 17:30 Uhr ertönt aus einer für mich bisher unbekannten Richtung eine Lautsprecherdurchsage mit einer tollen Melodie begleitet, welche die Kinder auffordert nun schnell nach Hause zu gehen, weil es bald dunkel wird. Hier das Video, welches ich am Abend davon gemacht habe.


Dreht am besten die Lautstärke etwas auf, dann kann man die Melodie etwas besser hören.

Samstag, 26. September 2009

Geburtstagsfeier hoch Drei

Am Samstag den 26. September war ein kleines Zusammensein mit einigen Studenten der japanischen Reitaku-Uni geplant, welche vor einigen Monaten noch in Halle waren und studierten. Ausserdem waren drei von ihnen (Mariko, Yuka und Ryoichi) Geburtstagkinder geworden.


Die Reitaku-Universität liegt relativ weit außerhalb vom Zentrum in Tokyo entfernt, besticht aber durch eine stille Umgebung und liegt in einer Gegend mit viel Natur und Grün.

Wir (Stefan, Nami, Liane und Ich) trafen uns also nach einer längeren Bahnfahrt in der Reitaku-Universität mit einigen Studenten aus Deutschland und Japan, und machten es uns auf dem Hof bequem. Nach einer Weile kam somit eine ganze Menge an Leuten zusammen.


Das Revival der "Meute des Tages". Es waren richtig viele Leute dabei. Leider so viele, dass ich kaum noch Namen kenne. Alle Japaner in dem Bild lernen und sprechen Deutsch, und alle Deutschen in dem Bild lernen und sprechen Japanisch. Nur alle auf unterschiedlichem Level.

Nachdem alle versammelt waren, gab es Torte, Snacks und Getränke für alle. Die Torte war ein 3-Kilo-Monster aus zuckersüßer Sahne, welche sogar puren Zucker alt aussehen ließ. Ich fand sie lecker.



Nachdem wir uns alle einigermaßen gesättigt und Unterhalten haben, gab es für die Deutschen unter uns einer kleine Vorführung mit der Koto. Eine Koto ist ein japanisches Zupfinstrument mit 13 Saiten und einen sehr einprägsamen Klang. Der Koto-Universitätsklub der Uni spielte für uns ein kleines Lied, welches mit vier von diesen Instrumenten gespielt wird.


Die Koto. Wer etwas genaueres über diese tolle Instrument erfahren möchte, der solle hier klicken.

Als das Privatkonzert vorbei war, wurde ich und Nami in eines der Unigebäude gebracht und wir schrieben einen kleinen Beitrag für die Karten, welche für die Geburtstagskinder gedacht waren. Nachdem sich alle still und heimlich auf den Karten verewigt hatten, wurden sie überreicht.



Bei. der Übergabe der Karten haben sich die Beschenkten sehr gefreut (v.l.n.r.: Yuka, Ryoichi, Mariko).

Als es dunkler wurde, wollte ein Großteil noch Karaoke singen gehen. Da aber wieder Samstagabend war, waren auch die Preise dementsprechend hoch. Kurzerhand entschieden wir uns in ein Izakaya zu gehen. Dies heißt soviel dass man zusammen in ein Lokal geht und für alle Essen bestellt wird. Jeder isst etwas von dem Essen, dass dann für alle in die Tischmitte gestellt wird und man bezahlt später in gleichen Anteilen. Das Essen war lecker und die Anwesenden gesprächig.

Alle, die es noch mit zum Isakaya geschafft haben. Es gab für bestimmte Getränke einen Grundpreis für 100 Yen. Dadurch wurden wir hineingelockt. Zu Essen gab es unter anderem Rührei, Pommes, und Udon-Nudeln.

Dann war auch der Abend für alle Beteiligten vorbei und es trennten sich unseren Wege.

Freitag, 25. September 2009

Rushhour in Tokyo – Japan hautnah

Nun…

Wie kann man das Phänomen der Rushhour am besten beschreiben? Für alle, die es noch nicht kennen, habe ich ein kleines Video bei Youtube gefunden.




Als Anmerkung sei hier gesagt, dass in keinen meiner Fälle bisher so arg gedrückt werden musste… Gottseidank.

Also…

Das tokyoter Bahnsystem wird an bestimmten Tageszeiten (morgens um ca. 08:00 Uhr; abends um ca. 17:00 Uhr) zum Schauplatz einer spektakulären Ansammlung von Pendlern, welche alle mit der Bahn in die Stadt fahren wollen bzw. wieder nach Hause wollen. So geschieht es, dass eine große Anzahl an Menschen in die begrenzt großen Züge muss. Daher drängt man sich – quasi als japanische Sardine – in die Sardinenbüchsen auf Rädern.

Man steht nun am Gleis und sieht den Zug kommen. Zuerst fragt man sich, wie man in die Bahn hinein kommt, obwohl sich schon so viele Leute darin befinden, und eine Schlange vor jedem Eingang des Wagons mindestens fünf Meter lang und drei Menschen breit ist. Nun hält der Zug an, und einige (!) Leute steigen aus. Dann bewegt sich eine der Dreierreihen (es stehen also die Warteschlangen in einer Warteschlange), und quetscht sich in den Wagon hinein. Für die Einsteigenden gilt das Prinzip: Drüüüücken. Für diejenigen im Zug heißt es jede kleinste Lücke ausfüllen und queeeeetschen. So fühlen sich also Hühner in Käfighaltung. Im Ernstfall kann man nun nicht einmal mehr seine Hände hoch- bzw. herunternehmen. Ich stand mit einem Japaner Rücken an Rücken (zumindest hab ich seine Schulter unter meinen Schulterblättern gespürt) und konnte mich in keine Himmelsrichtung mehr bewegen. In solchen Situation kann es oftmals für Frauen passieren, dass sie von anderen Mitfahrern unsittlich berührt werden. Man sieht ja nicht, wo die Hände sind, und kann sich oftmals auch nicht umdrehen. Daher gibt es für solche Zeiten spezielle Wagons nur für Frauen, welche aber auch schnell voll sind.

Eingepfercht auf engsten Raum ruckelt nun der Zug los. Im Inneren herrscht betretenes Schweigen, und einzig das Knarzen der belasteten Halteriemen ist zu hören. Da viele der Fahrgäste sich aufgrund von Bewegungslosigkeit nicht festhalten können merkt man bei jeder Beschleunigung, Bremsung und Kurve (besonders bei den Ruckartigen), dass die gesamte „Masse Mensch“ im Wagon herumschwappt. Kleinere Bewegungen kann man noch mit den Fußmuskeln abfangen, aber bei den Größeren überträgt sich die Energie wie ein Dominoeffekt auf den Nachbar.

Steht man in der Mitte des Wagons im Gang zwischen zwei Ausgängen, so sind die wechselnden Fahgäste an den Haltestellen kein Problem. Steht man jedoch an der Tür, so steigt man kurzfristig aus und dann vor den anderen wieder ein. Seinen Aussteigewunsch kommuniziert man den anderen am besten durch subtiles Drüüüücken und einem gesäuseltem "sumimasen".

Falls sich jemand fragt, warum dann nun keiner das Auto nimmt: Die Straßen sollen zu diesen Zeiten auch dicht sein. Und mit der Bahn kommt man wenigstens voran...

Soweit meine Erfahrungen mit der Rushhour in Tokyo.