Montag, 19. Oktober 2009

In "fremden" Gefilden - Herbstfest an der Keio-Uni

Wie schon im letzten Post angekündigt, habe ich mich am Sonntag dem 18. Oktober auf dem Weg zum SFC-Campus der Keio-Universität gemacht. Dort fand das alljährliche Herbstfest statt. Aufmerksam wurden wir (Shu, Nami, Annika und ich) durch Risa, welche eine japanische Austauschstudentin an der MLU war, und nun wieder in Japan lebt.

Die Meute des Tages. Heute von Rechts nach Links: Annika, Risa, Nami, Shu und meine Wenigkeit. Alle beim Futtern erwischt. Nur wer knipste das Bild???

Wir haben uns zur Mittagszeit an dem zum Campus nächstgelegenen Bahnhof (Shounandai) verabredet. Dieser war (trotz Expressbahn) circa eineinhalb Stunden von unserem Wohnheim entfernt. Danach gab es aber noch eine klein Busfahrt und ein Fußmarsch. Je näher wir dem Campus kamen, desto mehr Studenten kreuzten unsere Wege. Am Campus angekommen, waren es dann nur noch Studierende…

Ich war schon einmal im Februar an diesem Campus der Keio gewesen. Damals gab es dort eine kleine Führung und eine Willkommensparty für uns (Link zum alten Beitrag: hier). Im Vergleich zu damals war diese Mal das Campusgelände wesentlich lebhafter und bunter. Wo man nur hinsah gab es Imbissbuden, Bühnen – und vor allem – Japaner. Vor vielen Bühnen hatten sich solche Menschenmassen versammelt, dass die etwas kleineren Mädels in den hinteren Reihen nichts sehen konnten. So musste ich mit meiner Größe trumpfen, und fleißig Bilder und Videos sammeln. Hier eine „Bauchtanz“-Gruppe:

Links die Bühne, Rechts das Publikum. Es war voll, und nur ich konnte in den hinteren Reihen etwas sehen und filmen. Ich nehme im Video kurz die Kamera runter. So kann man die Perspektive von Risa, Shu, Nami und Annika erahnen. Übrigens stammt das "Ooooooohoooohoooou" in dem Video NICHT von mir! Neben mir war wohl jemand von dem lasziven Bewegunge der Mädels in den knappen Kostümchen überwältigt. Konnte ich ja auch nachvollziehen...

Einige der Japaner liefen zielsicher auf uns zu und versuchten uns an die Imbissbuden ihrer Uniklubs zu führen. Da wir noch nichts zum Mittag gegessen hatten, konnten sie sogar Erfolge verbuchen. So haben wir uns nacheinander viele kleine Snacks gegönnt.

Leckerste Delikatessen. Links ein Tamasen. Das ist ein Spiegelei mit diversen Soßen auf "Esspappe" serviert. Es wird zwischen zwei leckeren "Esspappscheiben" geklemmt, und wie ein Sandwich verzehrt. Rechts kann man einen Frankfurther mit Stock im Hintern bestaunen.

Süßkram vom feinsten: Shu hat sich ein paar Waffeln mit Erdbeer- und Schokosoße gegönnt, während ich mir mit Schokosße übergossene Teigbällchen einverleibt habe. Die waren übrigens noch mit Bananenstückchen gefüllt. Nicht zu sehen ist der Honigtoast, welcher mit einer Vanilleeiskugel und Erdbeersoße verkauft wurde. Nebenbei mussten wir das Eis mit Stäbchen essen. Sehr extravagant.

Während wir so herumstreiften trafen wir sogar auf viele alte Gesichter, welche uns damals im Februar und März auf unseren vielen Ausflügen begleitet haben. Es wurden natürlich auch schnell ein paar Erinnerungsfotos geknipst und ein paar kurze Worte gewechselt. Leider mussten sie aber wieder fix an ihre Posten zurück, weil sie halt verschiedene Arbeiten erledigen mussten. Trotzdem: dieses Wiedersehen hat Freude bereitet.

Insgesamt haben wir Rio, Shinobu (mit runtergeklappten Mundschutz im obersten Bild), Shunsuke, Narumi, Maki und Masaya getroffen. Alle waren über das unangekündigte Treffen überrascht und erfreut. Andere Freunde waren leider entweder nicht auf dem Fest, oder gerade im Ausland (mache sogar in Deutschland).

Gegen 18:30 Uhr gab es dann noch ein kurzes, aber nicht minder schönes Feuerwerk. Begleitet von „Ohhhhs“ und „Ahhhhs“ flogen bunte Lichter durch den nächtlichen Herbsthimmel.

Knallglitzerfunkel!!! Einige der schönsten Effekte begeneten uns in Formen von fliegenden Herzen und Sternchen, sowie einem Fächer aus Goldfunken. Alles aus nächster Nähe.

Danach war das Fest vorbei und die Uniklubs machten sich an die Aufräumarbeiten. Für uns und die restlichen Besucher des Festes hieß es nun nach Hause zu gehen, wobei alle das lokale Nahverkehrssystem kurzfristig überlasteten. Nami und ich verabschiedeten uns noch nacheinander von Annika, Shu und Risa, bevor es für uns beide gen Warabi ging.

Nach einer zweistündigen Fahrt und einer spontanen Rushhour mitten in der Nacht kamen wir wieder im DK Warabi an. Als ich das Foyer betreten habe, hat mich ein Paket mit meiner Zimmernummer angeschaut. Ich hab Post bekommen! Nun bin ich Kleidungstechnisch für alle kommenden Wetterbedingungen gerüstet. Auch von heimischen Süßigkeiten und Leckereien kann ich nun wieder etwas naschen. Aber gut rationieren!

Nachdem noch etwas gechattet und gelernt wurde, ging es auch in das heißersehnte Bettchen. Am nächsten Tag begann ja wieder der „Alltagstrott“.


Soweit von mir.


Vorschau: Vom 1. November (So.) bis 3. November (Di.) findet das Kulturfest an der Sophia statt. Der 2. November wird wahrscheinlich als Brückentag genutzt, weil der 3. November ein Feiertag ist (Tag der Kultur; Geburtstag des ehemaligen Meiji-Tenno* und mir). Mal sehen, was da so abgehen wird.

*Meiji-Tenno: Mit Eigennamen und zu Lebzeiten Mutsuhito (* 03.11.1852 in Kyōto; † 30.06.1912 in Tokyo) war der 122. Tenno von Japan (Wikipedia).



Freitag, 16. Oktober 2009

Karriere auf dem Catwalk?

Es ist schon ärgerlich, wenn man fast die ganze Woche mit Kram beschäftigt war, der es nicht einmal Wert ist in den Blog gschrieben zu werden. Trotzdem hat er höchste Priorität, und kann nicht wegen anderen Aktivitäten vernachlässigt werden. Genauer gesagt spreche ich hier den Lernakkord wegen der Uni an. Jeden Tag hab ich nun mindestens einen kleinen Test geschrieben. Manchmal auch zwei. Nicht dass ich mich beschwere! Noguchi-Sensei (Sensei = Anrede für Lehrer) hat uns ja vor dem Arbeitsaufwandt im Japanisch Intensive Course gewarnt.

Aber ein paar Kleinigkeiten sind schon vorgefallen, über die ich ein paar Zeilen berichten kann.

Am Samstag dem 10. Oktober wollte ich eigentlich mit Nami, Liane, Shu, Annika und Tomomi (haben wir im GLNet Lunch kennengelernt) zum Noh-Theater gehen. Ein Freund von dem damaligen Gasshuku im Februar-März - gennant Kousuke - hat uns alle zu einem Noh-Theater-Workshop in seiner Uni (Hakusan-Campus der Toyo-Uni) eingeladen. Ich hab mich natürlich auch schon recht doll auf das Stück japanische Theaterkultur gefreut, nur hat mir irgendsoein Virus 'n Strich durch die Rechnung gemacht. Angekündigt hat er sich schon am Freitag mit Husten. Dieser wurde dann aber am Samstag stärker und es kam auch kurz etwas Fieber dazu. So konnte ich nun nicht zum Theater. Nami und Liane schafften es auch nicht an die Uni, weil sie die Züge verwechselt hatten und sich heillos verfuhren. So blieb nur noch Tomomi, welche sich mit Shu und Annika getroffen hat (sie haben sich an dem Tag zum ersten Mal gesehen). Annika und Shu haben ein paar Zeilen über ihre Abendteuer verfasst (hier und hier; Lesenswert!).

Am Sonntag ab ich mich dann mit einer Überdosis Vitamin C und viel Ruhe auskuriert. Da die Ärzte an Wochenenden und Feiertagen dicht machen, hätte ich bei einer eventuellen Verschlimmerung erst einmal bis Dienstag ausharren müssen. Am Montag war nämlich ein nationaler Feiertag in Japan (Tag des Sports).

Trotz Feiertag ging es am Montag dennoch in die Uni. Auch Dienstag und Mittwoch gab es den alltäglich "Unitrott" bestehend aus Aufstehen, Frühstück, Rushhour, Unterricht, Mensa, Rushhour, Hausaufgaben, Abendbrot, Lernen und Schlafen. Wobei ich Dienstagmorgen meine Bahnkarte vergessen habe, und den 20-Minuten Weg vom Bahnhof bis zum Wohnheim doppelt laufen konnte, sowie am Mittwoch mit Liane auf dem Nachhauseweg in die falsche Bahn gestiegen bin, und wir fast in Yokohama gelandet wären... Falschfahren kostet zum Glück ja nichts.

Am Donnerstag ging es mit Nami zusammen zum tokyoter Stadtteil Ebisu. Warum? Hier ist die Vorgeschichte: Vor einiger Zeit wurde ich von einem Kommilitonen aus meinem Japanischkurs (Lars; kommt auch aus Halle; ist wie Stefan ein halbes Jahr vor mir da gewesen) gefragt, ob ich nicht Interesse an einem bezahlten Job als Mode-Model hätte. Er kannte einen Designstudenten, welcher große, blonde und männliche Modelle für seine Modenschau im März suchte. Da Lars dann aber schon wieder weg ist konnte er daher nicht dabei sein. Also gab er mir die Mail-Adresse von dem Studenten, und ich machte mir mit ihm eine Zeit und einen Ort aus. Ebisu halt. Nami kam nur aus Interesse mit.
Nachdem ich am Bahnhof in Ebisu ewig hin- und hertelefoniert habe, trafen ich mich auch endlich mit dem Schneiderlein. Aber schon nach kurzer Zeit sagte er mir, dass ich nicht seinem "Image" entspräche und ZU groß und ZU breite Schultern hätte. Einerseits bin ich über den entfallenen Geldsegen enttäuscht, andererseits entspreche ich gottseidank nicht diesem japanischen Hungerhaken-Druckbleistiftmienen-Modeltyp, der sich Schönheitsideal nennt. Aber kurz geträumt hab ich mal schon... Ok, Scherz beiseite...

Der Rest der Woche verlief wieder ereignislos. Das Wetter war im Vergleich zu Deutschland herrlich (ich hoffe, dass kommt jetzt nicht gehässig rüber). Die Luft war klar und mild, und die Sonne schien den ganzen Tag über. Nachmittage lassen mich mittlerweile melancholisch werden... Hach, der Herbst.

Kommenden Samstag (17.10.) hab ich nichts größeres geplant. Wahrscheinlich werde ich meine gekauften Ohrstöpsel einsetzen, damit ich nicht schon wieder von eventuellen Festaktivitäten der Grundschulle geweckt werde. Am
10.10. (Sa.) haben die ab 07:30 mit voller lautstärke Sportfest oder ähnliches gemacht. Ich befürchte, dass es nun jeden Samstag so werden kann. Ausschlafen ist dann nur mit Hörschutz möglich. Wahrscheinlich werde ich auch meine Alien-Karte (mein Pass) abholen können, die noch bis 21.10. (Mi.) im Meldeamt bereitliegt.

Sonntag (18.10.) geht es zum SFC Campus der Keio-Universität. Wenn ich nicht nochmal krank werde, dann kann ich dort Shu und Annika, sowie ein paar altbekannte Japaner wiedersehen und an dem Herbstfest dort teilnehmen. Ich überlege, ob ich mich als Fremdling oute, und mein neues T-Shirt mit dem Motiv der Sophia anziehe... Mal sehen, was kommt.

Soweit von mir.

Übrigens scheinen nun einige Leute in dem Wohnheim über die selben Symptome zu klagen, die ich auch vor einer Woche hatte. Is wahrscheinlch nur Zufall. Räusper...


Sonntag, 11. Oktober 2009

Die japanischen Supermärkte - Ein Hauch von Soja

Mittlerweile hab ich mich mit den Einkaufsmöglichkeiten in meiner Umgebung relativ vertraut gemacht, und nun ist es an der Zeit mal etwas über den japanischen Supermarkt zu berichten.

Im Groben und Ganzen ist er ja auch nur ein Ort, an dem man sich mit diversen Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen eindecken kann; jedoch sind da einige Dinge, welche sich von den heimischen Supermärkten in Deutschland unterscheiden. Aber meine Beobachtungen sollen nun nicht allgemeingültig sein.

Die Obst- und Gemüseabteilung befindet sich, wie auch in deutschen Gefilden, direkt am Eingang. Ein bemerkenswerter Unterschied besteht aber in den Preisen. Einige Früchte, wie Melonen und Pfirsiche kann man hier nur für das 5-fache des gewohnten Preises erstehen. Aber Bananen, Äpfel und Kiwis sind relativ günstig. Da kann man seine Vitamindosis von diesen Früchten bekommen, und sich zum Geburtstag mit Melonen oder Pfirsichen beschenken lassen.

Direkt nach dem Grünkram kommt die Fischabteilung. Und die ist sehr groß. Hier kann man allerlei frischen Fisch, Tintenfischärmchen oder andere Teile von Meeresbewohnern ergattern, welche einem auf Eis gebettet dargeboten werden. Danach kommt erst die Fleischabteilung. In dieser ist es zwar recht teuer im Vergleich zum Fisch, aber nicht minder frisch. Für 100 bis 200 gr. besten Schinken kann man schon an die 5 Euro dalassen. Abgepackte Wurst gibt es zwar auch, aber in einer geringeren Vielfalt. Weiterhin fällt einem noch die Vielzahl an unverpackten Auslagen auf, welche in Deutschland aufgrund hygienischer Gründe niemals so dargeboten werden können. Vieles, wie japanische Hähnchenspiesschen oder Maultaschen, liegt schon fertig zubereitet und zum Mitnehmen bereit. Auch das aufgeschnittene Fleisch liegt nur in Schälchen und mit Frischhaltefolie bedeckt da.

Weiterhin kann man hier natürlich auch Abteilungen finden, für die ein ambitionierter Koch asiatischen Essens in Deutschland lange suchen müsste. Leider muss hier auch ein ambitionierter Esser deutscher Kost etwas länger oder sogar vergebens suchen. Da in Japan beispielsweise kaum ein Haushalt einen Ofen besitzt, gibt es hier auch so gut wie keine Backzutaten – geschweige denn Backmischungen. Auch Vollkorn-, Misch- und Kartoffelbrote sind rar. Ab und an kann man kleine deutsche Bäckereien finden, in denen man die Hälfte vom Brot für den doppelten Preis erstehen kann. Das was hier übrigens als „Brot“ (jap.: Pan) bezeichnet wird, kann man mit einem Milchbrötchen vergleichen, was meistens mit süßem Kram gefüllt ist. Eher was für das Frühstück oder dem Nachmittagskaffee. Abteilungen mit Süßigkeiten gibt es natürlich auch. Jedoch können einen die Verpackungsgrößen schnell hinters Licht führen. Fünf Kekse in einer Verpackung, welche mindestens zehn Stück vermuten lässt ist schon fies. Aber nochmal einzeln verpackt müssen sie schon sein. Eine weitere Grausamkeit ist für mich der Inhalt der Schokoladenverpackungen, der nicht einmal die 100-Gramn-Grenze erreicht. An sich ist jede Süßigkeit also quasi „weggeatmet“. Leider.

Wenn man hier lebt, sollte man sich nicht unbedingt an die heimische Kost klammern, sondern sich auch den lokalen Genüssen zuwenden. Erstens ist es nicht nur ein neues Erlebnis, sondern auch vergleichsweise billiger. Nur für meine geliebte Milch gebe ich hier freiwillig etwas mehr aus. Hier kostet die billigste Milch an die 0,77 Euro. ABER! Das ist die fettreduzierteste Variante! Heißt also: Die haben gerade noch soviel Fett drinnen gelassen, dass die Milch ihre weiße Farbe behält. Für eine, die nicht die gehasste Aufschrift „fettreduziert“ trägt, muss auch schon mal ein Euro über den Kassierertisch rollen.

Apropos Kassierertisch! In 80% aller Fälle wird man garantiert nach einer Punktkarte für diesen Supermarkt gefragt. Im Vergleich dazu ist Deutschland, wo man eher das System „Ein Punktesystem und mehrere Kaufhäuser“ findet. Wenn ich mir hier alle bisherigen Punktekarten geholt hätte, die mir angeboten wurden, hätte ich mir ne Sammelmappe zulegen müssen. Was aber am Kassiertisch sehr praktisch ist: Es gibt Tüten umsonst. Je nachdem wie voll der Korb ist, auch mal zwei oder mehr. Das ist auch besser so, da eine voll belastete Plastiktüte die Finger abschnürt. So kann man das Gewicht besser verteilen. Auch nachdem man sich Kleidung oder eine CD gekauft hat, wird diese gleich in eine Tüte gepackt und – leider – zugeklebt. So kann man nicht einfach Tüten ineinander stapeln. Da man aber nach jeden Einkauf also mindestens eine Tüte nach Hause nimmt, braucht man jedoch keine Müllbeutel.

Puh! Der Beitrag ist etwas länger als gedacht, und beinhaltet dennoch nicht alles. Aber als Fragment des alltäglichen Lebens in Japan, sollte der Supermarkt dennoch einmal (wenn auch nur ansatzweise) erwähnt werden.

Soweit von mir.