Samstag, 7. November 2009

Blech geblasen im DK

Hier ein spontaner Eintrag für den 07. November (Sa.). Doch für ein besseres Verständnis sollte ich zuvor noch etwas weiter ausholen.

Am 01. November (So.)
zogen 36 neue Leute in das DK Warabi ein. Genauer gesagt: 36 Mitglieder des hessischen Musikcorps Grossen-Linden. Aufgrund einer Städtepartnerschaft mit Warabi konnten die Musiker auch einmal nach Japan kommen und hier einige Auftritte haben. Da sie am 08. November wieder aus dem DK ausziehen mussten, haben sie am 07. November ein Abschiedkonzert in der Lounge gegeben.

In der Lounge haben auch viele Bewohner des DK Warabi zugeschaut. Es waren auch viele Amerikaner und Asiaten darunter, welche das deutsche "Klischee Blasmusik" miterleben wollten. Sie ließen sich aber später auch von der Musik mitreißen. Ausserdem haben wir zusätzlich noch erläutert, dass wir die Musik nicht jeden Tag und rund um die Uhr hören. Das Bild des Bier trinkenden, Würstchen essenden, Lederhosen tragenden und Blasmusik liebenden Deutschen trifft halt nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung zu.


Rechts sieht man einige der Blechbläser des Musikcorps Grossen-Linden bei ihrem kleinen Auftritt im DK Warabi. Auf der anderen Seite des Raumes saßen die Zuschauer des Spektakels. Insgesamt wohnten 36 Musiker im DK. Die ganze Truppe bestand aus ca. 60 Leuten inklusive Dolmetschern, Fotografen und Co.



Nach drei Liedern und einer Zugabe war aber auch schon wieder Schluss. Die netten Leute mussten am nächsten Tag um 08:00 wieder ausziehen. Trotzdem blieben alle noch eine Weile in der Lounge und man konnte noch etwas mit den Hessen schwatzen, oder mit den Bewohnern Billiard spielen. Am nächsten Tag muss dann der Musikcorps also wieder raus aus dem DK, und von da an wird es wahrescheinlich wieder etwas ruhiger im Wohnheim werden.

Billiard wurde auch in der Lounge gespielt. Hier sieht man Leon (dt. Philosophiestudent) beim Billiardspielen und mit den Fuß von Kei im Nacken. Der Billiardtisch stand übrigens noch nicht da, als ich eingezogen bin. Er war plötzlich eines Tages in der Lounge. Es kam auch eine Tischtennisplatte als Auflage für den Tisch mit dazu. Und nun wird des Öfteren etwas gezockt.


Soweit mal wieder von mir.



Ach! Noch etwas zum Thema deutsches Klischee. Ich enttäusche hier regelmäßig die Japaner, wenn ich ihnen sage, dass ich keinen Alkohol trinke. Was haben die meisten hier nur ein Bild von den Deutschen?
Naja... Als ob ich das nicht schon eigentlich wüsste.


Freitag, 6. November 2009

Ein (Geburts-)Tag an der Reitaku-Uni

Am 3. November (Di.) ging es mit Nami und Shu wieder einmal zu Reitaku-Uni. Auf dem Campusgelände fand seit dem ersten November ein Campusfest statt und viele japanische Freunde von uns stellten dort einige ihrer Arbeiten aus oder jobbten dort.

Ich fuhr mit Nami bis zum Bahnhof von Minami-kashiwa und wir warteten dort zusammen auf Shu. Währenddessen trafen wir auf Fukumi, welche zufälligerweise auch auf eine Freundin wartete. Als dann alle angekommen waren ging es mit dem Bus zum Campus.

Shu, Nami und Fukumi in der Sonne auf dem Campus der Reitaku-Uni. Es ist nicht so warm, denn der (Sonnen-)Schein trügt. Es wehte ständig ein kalter Wind, welcher einen zum Zittern brachte. Anscheinend wird’s hier auch endlich Herbst. Das gelbe Tier auf dem rechten Bild ist das Maskottchen der Uni und soll ein Rentier darstellen.

Als erste Amtshandlung besuchten wir Mariko (Shus Tandempartnerin), welche uns auch gleich begleitet hat. Sie musste aber später einen Vortrag halten, und konnte uns daher nur für eine kurze Zeit dabei sein. Wir haben auch Yuka (Namis ehemalige Tandempartnerin) gesehen, welche wir in einer Posterausstellung mit dem Thema japanische und deutsche Dienstleistungen fanden. Sie kam auch kurz mit uns mit.

Fukumi und Mariko flankieren die beiden Mädels, deren Namen ich leider nicht erfahren habe. Die beiden Tragen jedoch, teils zur Feier des Tages, teils aus Spaß ihre alten Schuluniformen aus der Oberstufe. Uniformen werden in Japan meistens nur während der Schulzeit getragen. Studenten tragen normalerweise keine mehr.

Plakatausstellungen. Das obere vergleicht das Finden von Freunden, Partnern und Arbeit in Taiwan und Deutschland. Die unteren zwei Poster zeigen Hinweise für Japaner, was sie in einer Interaktion mit einem Ladenverkäufer in Deutschland erwarten könnte. Die Handhabung von Kunden wird in den Geschäften beider Ländern unterschiedlich gehandhabt. Draufklicken vergrößert die Bilder, sodass man die Poster etwas besser lesen kann.

Nachdem wir etwas für die Bildung getan haben, kam der Magen dran. Und hier kam das Allerbeste an dem Tag: Nami und Shu wollten mir zur Feier meines Geburtstags alles Essbare spendieren. Ein schönes Geschenk und echt lieb von den beiden. Dazumal ich auch gerne esse und auf einem Campus war, auf dem an jeder Ecke etwas gekauft werden konnte. Wir besuchten als erstes das deutsche Café, in dem einige Japanerinnen im Dirndl Würstchen und Brezeln mit Bier servierten. Ich habe mir mit Shu jeweils ein Würstchen mit Ketchup und süßem Senf bestellt und Nami hat sich ein Bier bestellt. Mariko und Yuka haben Bratkartoffeln gekauft.

Diese Preisliste in dem deutschen Café hat es in sich. Der halbe Liter Bier für 700 Yen (ca. 5 Euro) und die Weißburgunder Auslese für 3200 Yen (ca. 23 Euro). Und nun mit den deutschen Preisen vergleichen...

Shu und ich beim Würstchenhakeln. Das kann man am besten als "Vermischung von Kulturen" bezeichnen. Die verbissenen Gesichtsausdrücke sprechen Bände. Soviel Mühe für das Bisschen an Wurst.

Leckereien aus der Heimat. Yuka hat sich ein Bierchen sowie Bratkartoffeln bestellt. Natürlich japanisch-traditionell mit Stäbchen gegessen. Rechts im Bild eine Bedienung im Dirndl. Sowohl in der Essweise der Bratkartoffeln, als auch in dem Dirndl steckt immer noch etwas japanisches.

Danach mussten sich Mariko und Yuka von uns trennen, und wir durchkämmten noch zu dritt die restlichen Stände auf dem Campus. Insgesamt haben wir noch Waffeln, Torinikku, Crepes, Nikkumanju und Mochidonuts gegessen. Alles lecker. Leider haben wir, bis auf eine kleine Spielshow mit Kindern, nicht allzu viel von dem Programm auf der Hauptbühne sehen können. Was uns aber im Vergleich zu den anderen Campusfesten auffällig war, war die Vielzahl an Kindern und älteren Leuten, welche sich auf dem Fest amüsierten. Auf den anderen Festen war größtenteils nur Studenten anwesend. Vielleicht lag es an dem Feiertag.

Nachdem wir uns die Bäuche vollgestopft haben, machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Als ich mit Nami wieder im Wohnheim angekommen war, schien bereits der Vollmond.

Der Vollmond in Japan. Sieht genauso aus wie bei uns? Nicht ganz! Etwas genauer betrachtet, bemerkt man eine leichte Neigung im Uhrzeigersinn. Übrigens lebt laut japanischem Volksglaube ein Hase auf dem Mond, welcher Mochi zubereitet. Also kein Mann auf dem Mond und Käse. Die Geschichte wie der Hase auf dem Mond kam ("Tsuki no Usagi"), ist sehr rührend und kann (und sollte) mal für alle Interessenten hier nachgelesen werden. Und wer kann den Hasen erkennen?


Soweit von mir.


Übrigens vielen lieben Dank an alle, welche mir an diesem Tag Geburtstagsglückwünsche per Mail oder per Post geschickt haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut.


Montag, 2. November 2009

Ein (Feier-)Tag an der Sophia

Am Montag dem 2. November war der zweite Tag des dreitägigen Herbstfestes auf dem Yotsuya-Campus der Sophia. Und da ich schon ein Student dieser Uni bin, sollte ich auch mal an mindestens einem der Festtage dabei sein.

Ich bin also mit Liane gegen 09:15 Uhr auf dem Unigelände aufgeschlagen und war etwas zu früh dran. Wir wollten uns gegen 10:00 mit einigen Mitgliedern des Haribo-Zirkels treffen (Deutsch-Japanischer-Austausch). Bis es soweit war, liefen wir noch etwas durch die Uni und schauten den Studenten beim Aufbau ihrer Imbissbuden zu.


Die zwei größten Straßen auf dem Campus haben die Form eines Kreuzes (christliche Uni halt). Und auf dem Schnittpunkt dieser Straße stehe ich mit Liane und filme die Ruhe vor dem Sturm. Ton aus, wer keine Kommentare hören will. Übrigens ist es keine "zweite Kreuzung", sondern die "zweite Abzweigung". Kleiner Versprecher.

Pünktlich haben wir uns dann am Haupteingang mit Aoi und Ruri getroffen und sind dann erst einmal zur Hauptbühne gegangen. Die erste Aufführung gehörte dem „Kunstclub“, dessen abstrus maskierte Mitglieder mit wildem Kopf- und Körpergeschüttel zu Heavy Metal Musik weiße Leinwände schwarz anmalten. Kunst halt. Danach kam ein Zirkel, welcher seinen Liedtext in Zeichensprache übersetzte. Das Letzte was wir auf der Hauptbühne angesehen haben war ein Lied von einem ein Jazzzirkel.

Übrigens bestand die "Meute des Tages" dieses Mal aus Ruri, Liane und Aoi (v.l.n.r.).


Das Programm der Hauptbühne lag auf dem Campus aus. Wie man unschwer erkennen kann, war der Kunstclub (oder Club der schönen Künste) am zweiten Tag als erster dran. Leider kann man auf dem Bild nichts von deren rumgezappel erkennen.

Nachdem ich mir eine Frankfurter sowie eine Mochi Waffel genehmigt habe, verzogen wir uns aufgrund der frischen 17°C in eines der Gebäude. Innerhalb der Gebäude waren die anderen Zirkel und Clubs und hielten diverse Veranstaltungen ab, oder bauten Ausstellungen auf.

Wir besuchten beispielsweise die Ausstellung des schon oben erwähnten Kunstclubs, die genauso abstrus wie seine Aufführung auf der Hauptbühne war. Es gab auch eine Ausstellung über Eier und eine kleine Videovorführung des Videoclubs. Schon wieder „Kunst“…

Etwas längere Zeit blieben wir bei dem Musikclubs für brasilianische Musik, für Swing Jazz und Gospel. Die letzten beiden haben wir auf Bitten von Aoi besucht, da einige ihrer Freundinnen dort mitmachten. Folgend ein paar Eindrücke...

Swing Jazz is ne tolle Erfindung. Hier ist das "Sophia University Swing Jazz Orchestra" zu sehen und zu hören.




Eine sehr euphorische Truppe diese "Safro Family". Gospel macht viel Laune und schafft eine Superstimmung. Wie die auf der Bühne abgehen können. Für meinen Geschmack wiederholt sich der Text zu oft in einem Lied. "And higher, and higher...".

Nachdem wir dem Gospel gelauscht haben, mussten sich auch unsere Wege gegen 13:00 Uhr wieder trennen. Ruri und Aoi gingen arbeiten, Liane machte sich noch auf den Weg zum Fest der Reitaku-Uni. Ich fuhr nach Hause.


Soweit von mir.


Nebenbei bemerkt habe ich am folgenden Tag geplant auch zur Reitaku-Uni zu gehen. Somit habe ich dann innerhalb von einem Monat die Herbstfeste von drei unterschiedlichen japanischen Universitäten besucht.