Montag, 16. August 2010

Der vorerst Letzte seiner Art....

Wir schreiben den 16. August 2010. Ein schwüler, 35°C warmer Montag in Japan. Mein Koffer ist bis auf wenige Dinge gepackt, mein Zimmer ist sauber und auch diverse andere Erledigungen wurden bereits auf der to-do-Liste abgehakt. Bald geht es für mich wieder nach Deutschland und ich bin bereit dafür.

Ich könnte jetzt an dieser Stelle versuchen meine insgesamt 334(+29) Tage hier in Japan allumfassend zu resümieren, aber da ich schon alles hier in diesem Blog stehen habe, was ich sagen will, möchte ich nicht alles zweimal schreiben müssen. Aber viele Leute haben mir im Bezug auf meinen Japanaufenthalt und meine Abreise einige Fragen gestellt, welche ich an dieser Stelle noch einmal für alle beantworten möchte:
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F.: "Freust du dich wieder nach Deutschland zu gehen, oder willst du in Japan bleiben?"

A.: "Demgegenüber bin ich eher neutral eingestellt. Ich habe eine Mentalität entwickelt, die es mir erlaubt Japan zwar nicht zu vermissen, aber auch nicht vergessen zu wollen. Beide Länder haben ihre guten und schlechten Seiten. Ich freue mich wieder die guten Dinge in Deutschland zu haben und die schlechten Dinge in Japan zu lassen. Aber ich muss auch die positiven Aspekte Japans zurücklassen und mich den weniger tollen Dingen in Deutschland stellen."


F.: "Was waren für dich die besten Erlebnisse in Japan?"

A.: "Die gemeinsamen Momente mit Freunden bei Ausflügen, Feiertagen und Events waren für mich die Erlebnisse, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde. Auch die Momente, in denen ich neue Eindrücke am typisch "Japanischen" gemacht habe, und welche für mich einfach nur 'anders' oder 'interessant' waren."


F.: "Was waren die schlimmsten Erlebnisse in Japan?"

A.: "Jeden Morgen Rush-Hour und die Hitze im Sommer. Beide Dinge in Kombination waren für mich die Hölle."


F.: "Welche Dinge aus Japan wirst du vermissen?"

A.: "Das wird dann wohl der japanische Service und die sauberen Straßen trotz Mülleimer-Mangel sein. Einige Nahrungsmittel wie Ramen oder jap. Curry, welche man hier einfacher bekommen kann, sowie das Getränk Calpis."


F.: "Welche Dinge aus Japan wirst du überhaupt nicht vermissen?"

A.: "Der manchmal verkrampfte Umgang einiger Japaner gegenüber Fremden; die ständig präsente Geräuschkulisse und die schieren Menschenmassen.


F.: "Was machst du als erstes, sobald du wieder in Deutschland bist?"

A.: "Koffer auspacken."


F.: "Willst du irgendwann wieder nach Japan kommen?"

A.: "Wollen schon. Im Nachhinein war 'Japan' für mich eigentlich nur 'Toyko', und ich konnte nur wenig außerhalb dieser Metropole erleben. Nächstes Mal mach ich ne Rundreise. Aber leider gibt es da auch noch das 'können'."

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Ich hoffe einige Fragen konnte ich somit auch schon im Voraus beantworten.

Mein Flieger startet gegen 21:55 Uhr am 17. August (Di.) in Narita und kommt gegen 04:15 Uhr in Paris an. 08:45 startet dann die Maschine nach Leipzig, wo sie dann gegen 10:20 Uhr eintrifft. Ich freue mich schon auf die Blockbuster im Filmprogramm des Langstreckenfluges.

Wenn ich wieder in deutschen Gefilden weile, schreibe ich noch einen kleinen Beitrag über meine Heimreise und werde dann diesen Blog danach noch unregelmäßig fortführen. Hier wird dann der Platz sein, an dem ich noch einige Japan relevante Beiträge dalassen werde, und mit meinem Senf eventuell verfeinere.

Ich bedanke mich bei den Lesern meiner Posts und den vielen Kommentaren, denn diese gaben mir die Motivation meine wöchentlichen Beiträge zu schreiben. In den letzten 16 Monaten hatte mein Blog mehr als 5000 Seitenaufrufe (jeder Besucher zählte nur einmal pro Tag) und ich weiß diese Zahl zu schätzen.

Und noch eine kleine Nachricht für alle anderen Blogger in Japan: Bitte berichtet von euren Erfahrungen und schreibt regelmäßig. Auch wenn kaum Kommentare kommen, es gibt immer jemand, welcher auf eure Beiträge wartet. Zumindest ich bin immer gespannt auf News aus Japan.


Vielen Dank und soweit von mir.


Abschied und Geburtstag - Feier im Doppelpack

Vor einer nicht allzu langen Weile, fragten mich einige Japaner aus dem DK House, wann ich eigentlich wieder nach Deutschland zurückkehren müsse. Basierend auf meiner Antwort wurde kurze Zeit später ein Datum arrangiert, an dem wir noch einmal zusammensitzen und eine Kleinigkeit essen konnten. Zufälligerweise hatte Leon auch am Folgetag Geburtstag, sodass wir eine Geburtstags-/ Abschiedsparty feierten.

Am 15. August (So.) trafen sich also gegen 17:30 Uhr einige von uns in der Lounge und gingen Zutaten für Okonomiyaki, Yakisoba und Waffeln einkaufen. Einige Snacks und Getränke fanden ebenfalls ihren Weg in den Einkaufswagen.

Nachdem das Shoppen erledigt war, ging es an das Schnippeln von Kohl und Co., sowie dem Backen der Waffeln. Alle packten mit an, und die Vorbereitungen waren schnell erledigt. Einige von uns knipsten mit der Kamera Beweisbilder.

Alle Packen mit an und haben beim Zubereiten der Mahlzeiten und beim Tischdecken geholfen. Das Tagesmenü bestand aus Okonomiyaki, Yakisoba, Macha- und Blaubeer-Waffeln mit Vanilleeis, Pudding sowie Milch-Honig Eiswürfeln. Das rundum-sattmach-Menü.

Wir saßen in einer geselligen Runde zusammen und haben einen tollen Abend verbracht. Gegessen wurde reichlich, und einige von uns konnten sich danach kaum noch bewegen. Ab und an kamen einige Leute hinzu und gingen wieder, sodass es nie langweilig am Tisch wurde.



Die Waffeln (oben links) waren in der Form des US-Staates Texas. Das Waffeleisen hatte wahrscheinlich jemand aus Amerika zur freien Benutzung für alle im Wohnheim dagelassen. Im Video sieht man die Bonito-Flocken, welche auf dem Okonomiyaki tanzen. Irgendwie gespenstisch, wenn die sich so zur Musik im Hintergrund krümmen.

Die Meute des Tages beim Schlemmen.

Gegen Mitternacht wurde noch darauf angestoßen, dass Leon nun ein Jährchen mehr zählt und dann machten sich alle langsam daran wieder alles aufzuräumen. Es war ein netter Abend und wahrscheinlich der letzte seiner Art in Japan für mich. Bald ging es nach Deutschland zurück.

Soweit von mir.

Donnerstag, 12. August 2010

Der Berg ruft - Takao

Am Mittwoch dem 11. August bin ich in aller frühe (gegen 8:00 Uhr) zusammen mit Susi, Kazu und Leon zum Berg Takao gefahren um diesen ca. 599 Meter hohen Giganten zu besteigen. Der Takao liegt ca. 50 Bahnminuten westlich vom Stadtgebiet Tokyo entfernt und ist leicht mit der Chuo Linie zu erreichen. Schon auf der Fahrt dorthin verändert sich die Landschaft, und man sieht mehr und mehr Natur, welche ich schon fast verloren geglaubt hatte.

So wenige Häuser. Ein doch ungewohnter Anblick für Tokyo.

Da Leon seine Kamera vergessen hatte, habe ich ihn öfters auch mal mit meiner knipsen lassen. Hier die Meute des Tages à la Leon.

Am Fuße des Berges angekommen mussten wir uns für eine der vielen möglichen Routen zum Gipfel entscheiden. Da auf einer von diesen ein besonderer Schrein lag, welcher wegen bestimmten Wesen berühmt ist, fiel uns die Wahl nicht allzu schwer und wir stiefelten los. Folgend die bebilderte Dokumentation des Auf- und Abstiegs:

Unberührte Natur, schwülwarme Luft und gröhlende Zikaden begleiteten uns auf dem steilen Weg nach Oben. Weitere Wegbegleiter waren unzählige buddhistische Jizo-Statuen, welche unseren Weg säumten und Wanderer beschützen sollen.

Warnungen wegen eventuellen Feuern und Affen, welche man nicht füttern darf. Aber auch wenn wir gewollt hätten; es waren keine Affen zu finden. Wer treibt sich denn auch schon bei der Hitze auf nem Berg rum?

An einem Rastplatz konnte man dieses Panorama sehen. Ein bisschen diesig zwar, aber man konnte schon einiges erkennen.

Rotkäppchen im Wald? Nein, noch ein kleiner Jizo.

Schmetterlinge, manche so groß wie Handlächen, flogen zwischen den Bäumen umher. Und im Geäst fand ich einen Glücksbringer.

Selbst auf den höchsten Bergen und vielleicht auch in den tiefsten Meeren braucht man als Japaner zumindest nicht die Getränkeautomaten und Souvenirshops missen. Die gibt es scheinbar überall.

Mitunter sahen wir auch einen "Tintenfisch-Ball", welcher bei Berührung Glück bringen sollte und eine buddhistisch-religiöse Stätte. Man erkennt immer wieder die starke Verbindung von Kultur und Natur in Japan.


Für die hungrigen Bergsteiger gab es auch einige Snacks für den Aufstieg. Die Figuren auf dem Bild links sollen tengu (jap.: "Himmelshunde") darstellen, welche angeblich in den Wäldern des Berges hausen. Es gibt welche mit Schnäbeln und welche mit riesigen Zinken.

Übrigens Tengu: Der Schrein auf unserer Route war eben diesen Wesen gewidmet. So ehrfürchtig, wie die auch dargestellt werden, gab es wahrscheinlich einen guten Grund. Und man kann sie wirklich an jeder Ecke finden. Aber ich mag sie irgendwie. Leider hab ich keinen live gesehen.

Wären wir im Herbst auf den Berg gestiegen, wäre diese Blatt blutrot gewesen. In den Herbstmonaten ist der Berg von Besuchern überfüllt, welche das Rot des Laubes sehen wollen. Leon war zu dieser Zeit da, und kann nur positives davon berichten. Von der Natur - nicht von den Besuchermassen.

Als wir schweißgebadet am Gipfel ankamen, fanden wir (neben den obligatorischen Getränkeautomaten) eine relativ gute Aussicht vor. Irgendwie war fast alles mit Büschen und Bäumen umgeben, sodass man nur durch bestimmte Nischen die Aussicht genießen konnte.


Da wir vom Aufstieg auch einen großen Hunger entwickelt haben, ging es auch gleich für ein paar Reisbällchen, Nudelsuppe und einem kühlen Wässerchen in ein kleines Restaurant.

Mit gefüllten Mägen machten wir uns dann auch wieder an den Abstieg. Diese Mal wählten wir eine Route, welche an einem kleinen Gebirgsbächlein entlangführt. Man fühlte sich auch gleich viel mehr in der Natur.

Leider kann man auf dem Bild nicht so gut erkennen, wie steil es manchmal an dem Flusslauf Bergab ging. Der Weg war relativ schmal und man befand sich immer inmitten von Grün und Natur.

Huch! Ein Männlein steht im Walde...

Scheinbar knipste das Männlein auch eine Menge an Bildern...

Und noch ein paar Rotkäppchen, weil es so schön war.

Nach gut 90 Minuten Abstieg kamen wir mit klapprigen Beinen wieder am Bahnhof an und fuhren, dem Muskelkater am nächsten Tag entgegenbangend, nach Hause.


Soweit von mir.