Mittwoch, 1. September 2010

Sing mir ein Lied - Vokaloids

Während meiner Zeit in Japan sah ich viele merkwürdige Dinge und Erscheinungen der japanischen Popkultur. Eine davon drehte sich um ein fiktives, blauhaariges Mädel im Manga-Stil, welche bei Kennern der Szene unter den Namen Hatsune Miku bekannt ist.

Hatsune Miku (初音ミク) (Quelle: Crypton)

Konfrontiert wurde ich in Japan viel mit der Manga-Kultur, aber diese Miku begann durch ihre Eigenarten mein Interesse zu wecken, und ich recherchierte ein bisschen. Das, was ich gefunden habe, war ein Phänomen, von der Miku nur die populäre Spitze des Eisberges war: Vokaloids.

Dieses Thema nun in seiner Gänze zu erfassen zu wollen, würde die Ausmaße eines für mich normalen Eintrages sprengen. Außerdem haben auch schon andere über diese Thematik ausführlich berichtet, sodass mein Ziel nur eine kleine Vorstellung von diesem Teil der Popkultur Japans ist, welcher langsam sogar schon außerhalb Japans sichtbarer wird und im Netz schon längst präsent.

Aber zuerst gibt es zur Einstimmung in die Thematik zwei Musik-Videos. Das erste Video ist von Miku; das zweite von Luka Megurine.


Der Titel "Yukkuri shiteite ne!" kann sehr grob mit "Geh's locker an!" übersetzt werden.


Und? Wie klingt der Gesang?

Zuerst fallen einem diese merkwürdigen Stimmen der Sängerinnen auf, welche schon fast mit Computeransagen am Telefon vergleichbar sind. Und das sind sie auch, denn hinter den Stimmen stecken keine Menschen, sondern mit dem PC erzeugte, synthetische Stimmen. Sie wurden mit Stimmen-Synthesizern erzeugt, welche besser unter dem Namen Vokaloid bekannt sind.

Diese Software wurde 2003 von Yamaha entwickelt und kann mithilfe des Musiktextes, der Melodie und den Stimmeigenschaften (Vibrato, Lautleise, etc.) eine künstliche Gesangsstimme erzeugen. Beispielsweise wird die silbe "de" auf der Tonspur im Ton C wiedergegeben. Danach kommt "su" im Ton D und so weiter, bis der PC mit Singen anfängt.

Die Software hat verschiedene Versionen, welche immer mit anderen Grundstimmen besetzt sind. Viele von ihnen werden sogar nach echten Vorbildern erzeugt. So basieren Luka beispielsweise auf Yu Asakawa, Miku auf Fujita Saki und Gackpoid auf Gackt. Diesen Stimmen werden dann Namen und charmante Idole zugeordnet, um sie etwas "identifizierbarer" zu machen.

Die Vokaloid-Software ist frei verkäuflich und jeder kann mit dem Programm wie mit einem normalen Synthesizer seine Musik erzeugen. Ganz ambitionierte Leute kreiern sogar animierte Musikvideos mit den Charakteren und veröffentlichen diese in Videoportalen im Netz. Diese von Fans produzierten Stücke können dann auch sogar schon unter Plattenverträge kommen und im Laden als Album verkauft werden. Beispiele hierfür sind Supercell (feat. Hatsune Miku) oder Livetune. Weiterhin tauchen von einigen Liedern ebenfalls Remixe auf, und somit verbreitet sich das Phänomen.

Somit steckt hinter einer Stimme nicht eine einzelne Person, sondern eine Vielzahl unabhängiger Interpreten, welche nur dasselbe "Instrument" verwenden. In etwas so, als würde ein Castingshow-Gewinner gleichzeitig mit Liedern von Bohlen, Raab, Siegel und ebenfalls einer weiteren Reihe von unbekannteren Musikern produziert werden. Die Popularität bleibt aber zum Großteil bei den fiktiven Vokaloids.
Auch die Merchandise-Wirtschaft mit den Idolen der jeweiligen Vokaloid Serien rollt unaufhaltsam. Sie tauchen in Videospielen und Zeichentrick auf, und man kann Bildbände und Figuren von ihnen in den Fanshops Akihabaras finden.

Diese Thematik hat an vielen Orten ihre eigene kleine Welt geschaffen, welche sich im Netz und in Fankreisen einen festen Platz gesichert hat. Solange man aber als 08/15 Mensch nicht gezielt danach sucht, oder mit solchen Kreisen Kontakt hat, wird man auch nicht sehr von den türkisblauen Zöpfen mitbekommen. Ich wurde beispielsweise damals durch meinen Manga-Zirkel an der Uni darauf aufmerksam, als jemand ein Videospiel mit Miku gespielt hat.

Soweit von mir. Was haltet ihr von synthetischen Stimmen?


Quellen (mit Links):
Wikipedia (Standardinfos)
Know your Meme (Englisch, aber sehr ausführlich mit allen Idolen)
Youtube (Video 1, Video 2)
Crypton Future Media ("Erzeuger" von Miku,Luka und weiteren Vokaloids)


Mittwoch, 25. August 2010

Das japanische Hausbaukommando

Bei diesem Eintrag fehlt mir leider das selbstgeschossene Bildmaterial, da immer keine Kamera dabei war, wenn ich die Möglichkeit zum knipsen fand. Aber Google sei dank gibt es noch das Internet. Es geht dieses Mal ums Häusle bauen in Japan.

Ab und an sah man bei Spaziergängen in Warabi spontan Ruinen von Wohnhäusern, welche am Vortag noch tadellos herumstanden und nun mit Bagger und Hacke eingerissen wurden. Und bevor einem auch schon der Geruch des nassen Holzes in die Nase steigen konnte, war man sich schon sicher, dass in maximal einem Monat ein neues Haus an dieser Stelle stehen wird.

Hier ein kleines Bild von Google Streetview in Japan. Geschossen wurde es direkt in der Straße in Warabi, welche ich jeden Tag zum Wohnheim und zum Bahnhof entlang lief. Man erkennt eine Lücke in der dichten Bebauung. Da stand vor circa zwei Wochen noch ein Haus und schon kann man das Fundament erahnen.

Denn die Bauweise vieler Häuser in japanischen Wohnvierteln ist relativ leicht. Größtenteils aus Holz und vorgefertigten Wänden zusammengezimmert, verringert sich somit der Sachschaden, wenn mal ein stärkeres Erdbeben die Unterkunft in die Knie zwingen sollte. Und auch genauso schnell ist es dann auch wieder hochgezogen. So kann es also passieren, dass man an einem Tag Häuserruinen sieht, deren Trümmer schon nach weiteren zwei bis drei Tagen weggeräumt sind und nach einer Woche das Fundament für das neue Haus steht. Dann werden Bauplanen hochgezogen und einige Zeit später steht ein neues Haus da. So ist es auch wegen dieser Bauweise oftmals viel billiger ein Haus einfach abzureißen und neu zu bauen, als es zu sanieren.

Aber natürlich kann ich mir vorstellen, dass bei den höheren Gebäuden im Stadtzentrum eine andere Methode des Bauens verwendet wird als größtenteils Holz und Spucke. Erdbebensicherheit wird nämlich auf den Vulkaninseln groß geschrieben. Und auch die Technik entwickelt sich immer weiter, sodass bei einem Beben weitaus weniger passieren kann, als vor 50 Jahren.


Soweit von mir.


Mittwoch, 18. August 2010

Eine gaanz lange Nacht - Heimflug nach Deutschland

Am Dienstag dem 17. August war es soweit. Ich musste Japan wieder verlassen und in die alte Heimat zurückkehren. Gegen 15:00 Uhr war alles im Wohnheim erledigt und ich konnte bei den Managern auschecken und zum Narita-Flughafen fahren. Leon begleitete mich noch mit zum Bahnhof in Nishi-Kawaguchi und dann hieß es ade.

Mein Flug steht ganz unten in der Liste und war der letzte des Tages.

Nach einer einstündigen Bahnfahrt bin ich dann auch gegen 17:00 Uhr dort angekommen und musste nur noch bis 21:55 Uhr auf meinen Flieger warten. In dieser großzügigen Wartezeit wollte ich nacheinander erstmal mein Gepäck abgeben, Geld einwechseln und dann noch ein bisschen durch die Geschäfte bummeln.

Leider hatte Air France seine Schalter erst spät geöffnet, sodass ich nach dem Abgeben und Wechseln größtenteils verschlossene Kaufläden vorfand. Wer hätte denn gedacht, dass die schon um 21:00 Uhr schließen? Als Alternative habe ich mich einfach auf die Beobachter-Area begeben und Flugzeuge beobachtet.


Nach dem Video ist es mir dann doch zu warm geworden und ich bin zum Boarding gegangen.

Im Flieger war ich recht schnell drin und habe mich dann auch in meinen kleinen Economy-Platz gezwängt, welchen ich nun für die nächsten 12 Stunden beanspruchen würde. Zum Totschlagen dieser gewaltigen Menge an Zeit, habe ich mir aus dem Filmangebot des Fliegers einen langen Kinoabend zusammengestellt. Von "Kick-Ass" über "Drachenzähmen leicht gemacht", bis hin zu "Avatar" reihte sich ein Blockbuster an den anderen. Jedoch begann in der Mitte von "Avatar" mein Bildschirm zu spinnen und frierte fest. Mein Nachbar hatte auch dieselben Probleme, aber die anderen Leute schauten weiter ihre Filme. Nach einem kleinen Schadensbericht bei der Flugbegleiterin mussten unsere Bildschirmsysteme (übrigens Windows) neu gestartet werden. Leider klappte das auch nicht, und ich habe nie erfahren, wie "Avatar" ausging.
Ansonsten war der Flug recht angenehm und das Essen hat satt gemacht und sogar etwas geschmeckt.

Als der Flieger gegen 04:30 Uhr in Paris ankam, musste ich mit dem Bus von Terminal 2E zum Terminal 2G fahren. Leider hat der Bus aber erst eine Stunde später seinen Dienst aufgenommen, sodass es ein bisschen verwirrend wurde. Charles de Gaule (oder so ähnlich) ist nicht unbedingt einer meiner Lieblinge in Sachen Flughäfen.

Gleich nachdem man aus dem Flieger stolpert sieht man in Paris die Monitore mit den Anschlussflügen. Wer findet meinen?

Glücklicherweise beginnt das Leben im "Charly" schon recht früh zu erwachen, sodass ich mir in einem gerade geöffneten Kiosk einen kleinen Snack holen konnte. Voller nostalgischer Gefühle durfte ich wieder mit buntem Eurogeld bezahlen. Den Snack gönnte ich mir dann in einer der Ruhezonen, welche superbequeme Stühle mit Aussicht hatten.

Füße hoch und in den Morgenhimmel geschaut. Nuja... Aussicht kann man das zwar nicht nennen, aber bequem war es allemal. Aber ich hatte Angst auf den Dingern meinen Flug zu verschlafen, daher bin ich dann wieder aufgestanden.

Das Boarding ging beim zweiten Mal ebenfalls reibungslos. Das letzte Stück wurde in einer relativ kleinen Maschine zurückgelegt, in der ich nicht mal Platz zum stehen hatte. Sitzen ging aber relativ gut, weil ich sogar ein bisschen schlafen konnte...

Regenzeit in Paris und daher irgendwie keine schöne Ankunft in Europa. Als der Flieger aber durch die Wolkendecke brach, war schönster Sonnenschein.

Ein bisschen früher als geplant in Leipzig angekommen, wurde ich auch gleich nach dem Kofferholen abgeholt, und konnte mich auf dem Rückweg wieder langsam an die "Deutschheit" zurückgewöhnen.


Soweit von mir.


Übrigens: Liebe Grüße an die in Japan Gebliebenen. Das Wetter hier ist bisher kühl und nass. Freut euch daher des Sonnenscheins und der Wärme.